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StartseiteCorso"Die Politiker nehmen den Brexit offenbar auch nicht ernst"12.04.2019

Komiker und Wahl-Londoner Schulte-Loh"Die Politiker nehmen den Brexit offenbar auch nicht ernst"

Der Brexit: eine Lachnummer? Christian Schulte-Loh hat sich als Komiker in England einen Namen gemacht und kennt die Briten gut - nicht nur den Humor, auch die Haltung zum EU-Austritt: "Die Zerrissenheit im Parlament", sagte er im Dlf, "dieser Stillstand, das repräsentiert die Bevölkerung eins zu eins."

Christian Schulte-Loh im Corsogespräch mit Bernd Lechler

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Der Komiker Christian Schulte Loh auf einer Bühne vor dem Logo des renommierten Londoner "Comedy Store" (Comedy Store)
Christian Schulte-Loh bei einem Auftritt im Londoner "Comedy Store" (Comedy Store)
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Eher per Zufall geriet der gebürtige Nordrhein-Westfale nach London: Zu Hause hatte er sich mit seinen Comedy-Ideen auf keine Bühne getraut, beim Auslandsstudium fühlte er sich dann unbeobachtet genug - und stieß gleich auf positive Resonanz. Inzwischen hat er sein großes Ziel erreicht, regelmäßig - und sogar gegen Bezahlung - im renommierten "Comedy Store" aufzutreten. Wobei das Publikum anfangs nicht immer an den vorgesehenen Stellen gelacht habe. Sondern an anderen: "'Ich bin deutscher Komiker', einfach als Vorstellung, das fanden die unglaublich lustig", sagte Christian Schulte-Loh im Deutschlandfunk.

Die Frage, ob man über den Brexit lachen kann und darf, bejahte Schulte-Loh entschieden:

"Man muss!" Wie über jede Krise eben - allerdings müsse man sich als Komiker darüber im Klaren sein, dass das Thema spalten könne. Vielleicht nicht in London, aber etwa in einer Stadt mit kriselnder Autoindustrie und vielen Leave-Votern im Saal: "Die haben dann teilweise sehr feindselige Kommentare über mich abgelassen."

(AFP / Tolga Akmen)Darf man über den Brexit Witze machen? Der Wahl-Londoner Christian Schulte-Loh findet: Ja! (AFP / Tolga Akmen)

Zwischenrufe als Teil der Kultur

Grundsätzlich aber schätzt der Wahl-Londoner an den Briten gerade ihren Humor und ihr humoristisches Selbstbewusstsein, das sich auch im sogenannten "Heckling" äußert, den Zwischenrufen aus dem Publikum bei seinen Auftritten, die ihn regelmäßig herausfordern. "Das merkt man ja auch bei Parlamentsdebatten, da wird auch viel dazwischengerufen, das ist einfach Teil der Kultur."

Wir haben noch länger mit Christian Schulze-Loh gesprochen – hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs 

Eine andere Gepflogenheit der Briten, der Smalltalk, sei die letzten Jahre komplett vom Brexit dominiert gewesen, erzählte Schulte-Loh, wagte aber selbst keine Prognose. Er vergleicht Großbritannien mit einem Mann, der sich kühn von Frau und Familie trennt, um dann beim Blick in den Spiegel festzustellen, dass er vielleicht doch nicht so attraktiv ist, wie er dachte. "Ob man dann zurückgekrochen kommt, ob man sich doch trennt, ob man völlig kollabiert - man weiß es nicht. Alle stehen vor einem großen Rätsel, und ich mit."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Christian Schulte-Loh: "Zum Lachen auf die Insel: Als deutscher Komiker in England"
Piper Taschenbuch Verlag München, 2017. 240 Seiten, 10 Euro.

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