KrankenhausreformDeutschland wird Kliniken schließen müssen – trotz Pandemie

Wegen der Corona-Krise sind etliche Krankenhäuser in Deutschland überlastet, gleichzeitig stehen aber in noch mehr Kliniken Betten leer. Die Reform der Krankenhauslandschaft gehöre zu den dringenden Aufgaben der neuen Regierung, kommentiert Birgid Becker. Und sie werde wahrscheinlich auch zu Schließungen führen.

Ein Kommentar von Birgid Becker | 27.12.2021

Eine Krankenschwester betreut auf einer Intensivstation einen Covidpatienten, der künstlich beatmet wird.
Eine Krankenschwester betreut auf einer Intensivstation einen Covidpatienten, der künstlich beatmet wird. (picture alliance/dpa | Thomas Banneyer)
Würde es in der Welt ganz simpel zugehen, dann wäre es so: Wir haben eine Pandemie, viele Menschen müssen ins Krankenhaus – und die Krankenhäuser verdienen daran gut.
Weil es aber, wie immer, nicht simpel ist, sieht es anders aus, komplizierter: Wir haben Pandemie, viele Menschen müssen mit einer Covid-Erkrankung ins Krankenhaus, an vielen Orten sind Kliniken überlastet – und dennoch ist mitten in der Pandemie die wirtschaftliche Lage der Kliniken so schlecht wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Nur wenige Krankenhäuser kümmern sich um intensivpflichtige Covid-Patienten

Kompliziert, ja, aber zu erklären: Der Großteil der schwerst kranken, intensivpflichtigen Covid-Patienten wird nach einer Untersuchung des Gesundheitsökonomen Reinhard Busse in nur knapp 500 Krankenhäusern versorgt. Dies geschieht unter Aufbietung aller Kräfte bei den Beschäftigten und oft genug darüber hinaus. Das sind die Kliniken, in denen sich entscheidet, ob es genügend Plätze für alle ernsthaft Erkrankten gibt. Das sind die Orte, in denen der medizinische Katastrophenfall eintreten und es heißen kann, dass nicht alle Patienten so versorgt werden können, wie es notwendig wäre.
Daneben gibt es aber auch ein anderes Gesicht der Corona-Pandemie – rund tausend Kliniken, die überdurchschnittlich leer sind. In denen Behandlungen nicht stattfinden, weil Patienten in der Corona-Krise jeden Kontakt zum Krankenhaus scheuen.
Einige dieser Kliniken sind im Jahr eins der Pandemie ganz gut über die Runden gekommen. Da wurden Gelder ausgeschüttet, schon beim leisen Verdacht, dass Operationen verschoben werden könnten oder dafür, dass Betten für Corona-Kranke freigehalten wurden, die niemals kamen – und die auch oft genug gar nicht hätten versorgt werden können mangels Eignung einzelner Krankenhäuser. Aber das ist vorbei. So leicht fließen die Gelder nicht mehr im Corona-Jahr zwei.

Ambivalente Folgen: Leerstand und Überlastung

Es gibt daher Überlastung ebenso wie Leerstand in den Krankenhäusern – eine Doppelgesichtigkeit der Corona-Folgen in den Kliniken, komplex genug, um in Verschwörer-Kreisen zu zirkulieren: Corona kann ja nicht so schlimm sein, wenn es leere Krankenhäuser gibt oder Krankenhäuser, denen die Pleite droht.

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Aber noch einmal: So simpel ist die Situation nicht. Im Gegenteil. Notwendig ist, und das wissen alle Beteiligten, eine grundlegende Neuausrichtung der Krankenhauslandschaft in Deutschland, die am Ende nach aller Wahrscheinlichkeit auf weniger Kliniken hinausläuft – in denen das wohl weiter viel zu wenige Personal dann aber besser verteilt werden kann.
Die Krankenhausreform wird zu den schwierigen Aufgabenfeldern der neuen Bundesregierung gehören. Zögert sie das hinaus, dann schafft die Pandemie Fakten. Aber keine, die man sich wünschen könnte. Dann existieren Überlastung und Leerstand weiter nebeneinander – zum Schaden des Personals in den Kliniken, der medizinischen Qualität und der Patienten.