Donnerstag, 19. Mai 2022

Twitter-Übernahme
Elon Musk riskiert mit seinen Kapriolen seine Geschäftsfähigkeit

Elon Musk hat verkündet, dass sein Twitter-Deal auf Eis liegt. Diese Überraschung passe gut zum erratischen Geschäftsgebaren des exzentrischen Multi-Milliardärs, kommentiert Silke Hahne. Sollte der Kauf am Ende tatsächlich platzen, werde das ein schwerer Imageschaden für den Unternehmer sein.

Ein Kommentar von Silke Hahne | 13.05.2022

Elon Musks Twitter Profil auf einem Smartphone, daneben das Logo von Twitter
Elon Musk ist einer der reichweitenstärksten Nutzer des Kurznachrichtendienstes (picture alliance/dpa/MAXPPP)
Was für eine Aufregung. Ausgerechnet mit einem Tweet hat Elon Musk heute die Twitter-Aktie auf Talfahrt geschickt. Der Deal liege vorrübergehend auf Eis, schrieb der Unternehmer knapp. Dass er später nachschob, dem Kauf weiter verpflichtet zu sein, half nicht mehr wirklich.
Hintergrund ist die genaue Zahl der Nutzerkonten, die fake sind, hinter denen also kein echter Mensch steckt. Musk ist sich nicht sicher, ob Twitter die Zahl wirklich korrekt angibt – und wartet auf weitere Daten dazu. Relevant ist das, weil jeder echte Mensch ein potenzielles Ziel für Werbung ist. Fake-Accounts aber nicht. Es geht also um den Wert von Twitter.
Ob das ein vernünftiger Grund ist, um den 44 Milliarden Dollar schweren Deal auf Eis zu legen, sei aber dahingestellt. Dass auf Twitter nicht nur Journalistinnen und Politiker, sondern auch jede Menge Bots unterwegs sind, ist schließlich kein Geheimnis. Wenn ihre Zahl ökonomisch so relevant ist, könnte man meinen, wäre sie in den Kaufpreis schon mit eingeflossen.

Die Welt rätselt über Musk – mal wieder

Also orakelt die Welt mal wieder darüber, was der exzentrische Multi-Milliardär tatsächlich erreichen will. Möchte er durch ein Hintertürchen vom Kaufvertrag zurücktreten? Den Preis drücken? Das Management unter Druck setzen?
Das weiß nur Elon Musk selbst. Außenstehende sind darauf beschränkt, sein erratisches Geschäftsgebaren zur Kenntnis zu nehmen. Denn das Musk seine Versprechen hält, ist längst nicht immer eine ausgemachte Sache. Mehrfach schon ist die US-Börsenaufsicht SEC juristisch gegen Musk vorgegangen, weil seine Tweets höchstens haarscharf an der Kursmanipulation vorbeischrammten.

Alles andere als handschlagfest

So kündigte er einst an zu erwägen, den Autobauer Tesla von der Börse zu nehmen. Übrigens via Twitter statt via Ad-hoc-Meldung an die Börse. Der Tesla-Aktienkurs machte daraufhin einen Sprung. Zufällig oder nicht, hatten just in dieser Zeit sogenannte Shortseller auf fallende Kurse spekuliert.
Dass die Ankündigung, Twitter von der Börse zu nehmen, sowie alle anderen Einzelheiten des Verkaufs bei den Aktionärinnen und Aktionären auf Skepsis stoßen, ist also kein Wunder. Der Twitter-Aktienkurs lag schon vor dem heutigen Tag unter dem von Musk angebotenen Preis pro Aktie. Auch die Tesla-Aktie wurde in Mitleidenschaft gezogen, weil Musk mit ihr die Finanzierung für den Twitter-Deal hintersichern wollte.
Der Fall Twitter wird damit zunehmend zum Prüfstein für Musks Geschäftsfähigkeit. Wenn er es mit den Kapriolen übertreibt und am Ende der Kauf platzt, dürfte er es künftig noch schwerer haben, sich Geld für seine Ideen zu sichern. So genial sie auch manchmal sein mögen.