Mittwoch, 17. August 2022

Steigende Ausgaben für Gas
Ein Preisschock kann hilfreich sein

Deutschland muss in kurzer Zeit den Gasverbrauch drastisch verringern. Viele Menschen, Unternehmen und die öffentliche Verwaltung setzten Ideen zum Energiesparen um, kommentiert Georg Ehring. Der Erfindungsreichtum könne dauerhaft für bezahlbare Energie für Alle sorgen.

Ein Kommentar von Georg Ehring | 03.08.2022

Wohnzimmereinrichtung
Plötzlich hunderte von Euro mehr für eine warme Wohnung – das kann Menschen mit geringerem Einkommen in Existenznot bringen (Unsplash/Patricia Rrieder)
Auch wenn der Kanzler persönlich ihr die Einsatzbereitschaft bescheinigt: Die frisch gewartete Gasturbine wird es nicht richten – auch dann nicht, wenn sie aus Mülheim an der Ruhr zum Einsatzort transportiert worden ist. Bei Bedarf wird Russlands Präsident Wladimir Putin einen anderen Vorwand finden, den Westen durch Drehen am Gashahn unter Druck zu setzen. Wir müssen uns also darauf einstellen, dass Gas im Winter richtig knapp wird und die Preise noch viel weiter steigen. Die Preiserhöhungen der Versorger in diesen Tagen sprechen eine deutliche Sprache und sie sind noch lange nicht das letzte Wort.

Hilfe tut not und sie muss spürbar und zielgenau sein

Doch plötzlich hunderte von Euro mehr für eine warme Wohnung – Menschen mit geringerem Einkommen bringt das in Existenznot. Bundeskanzler Olaf Scholz hat versprochen, sie nicht allein zu lassen und das ist auch gut so. Der Staat muss die schützen, die in Not geraten und gerade Geringverdiener können wenig tun, um die eigene Energierechnung zu verringern. Wer zur Miete wohnt, kann allenfalls die Heizung etwas runterdrehen. Ein Heizungstausch oder eine neue Wärmedämmung ist Vermietersache.
Hilfe tut not und sie muss spürbar und zielgenau sein. Das Energiegeld war kein guter Anfang. Mit wenig Geld für ganz viele Menschen werden die Bedürftigen nicht ausreichend entlastet. Was wir brauchen, ist gezielte Unterstützung der Menschen, die es wirklich brauchen. Dazu gehört der Vorschlag, die hohen Energiepreise beim Wohngeld stärker zu berücksichtigen. Und der Staat muss dafür sorgen, dass Menschen, die ihre Energierechnung nicht bezahlen können, nicht das Gas abgedreht oder die Wohnung gekündigt werden kann. All das wird viel Geld kosten. Es muss aber sein, auch um den sozialen Frieden zu erhalten.

Weil es schnell gehen muss, kann ein Preisschock hilfreich sein

Bei all dem ist es wichtig, dass die Preissignale trotzdem wirken. Wer jetzt Gas künstlich billig hält, bremst notwendige Einsparungen aus und nährt die Illusion, dass wir auch künftig genug davon haben werden. Anders als der Deutsche Städtetag nun fordert, sollte der Staat also die geplante Gas-Umlage nicht durch Subventionen verringern. Das wäre schädlich, genauso wie die vorübergehende Senkung der Benzinsteuern, die Autofahrerinnen und Autofahrer von der sparsamen Nutzung ihres Vehikels abhält.
Deutschland muss aufgrund des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine in ganz kurzer Zeit den Gasverbrauch drastisch verringern. Aus Klimaschutz-Gründen verbietet es sich zudem, dauerhaft neue Importstrukturen für den Bezug fossiler Brennstoffe wie Erdgas aus anderen Ländern zu schaffen oder es gar per Fracking bei uns zu fördern. Weil es so schnell gehen muss, kann ein Preisschock sogar hilfreich sein. Wer sich im Land umschaut, findet täglich Beispiele, wie Menschen, Unternehmen und auch die öffentliche Verwaltung Ideen umsetzen beim Energiesparen. Dieser Erfindungsreichtum hat das Zeug, dauerhaft für bezahlbare Energie für Alle zu sorgen.