CDU-VorsitzEndlich Hoffnung auf Frauen und Vielfalt

Im Rennen um den CDU-Vorsitz holt Bewerber Helge Braun die profilierten Politikerinnen Serap Güler und Nadine Schön in sein Team. Diese beiden seien sicher mehr als nur Garnitur, kommentiert Katharina Hamberger. Braun schaffe damit Platz für eine neu aufgestellte CDU mit einem anderen Führungsstil.

Ein Kommentar von Katharina Hamberger | 22.11.2021

Serap Güler Foto: Rolf Vennenbernd/dpa | Verwendung weltweit
Bringt als Integrations-Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalen Ministeriumserfahrung mit: Serap Güler (dpa / Rolf Vennenbernd)
Dass Helge Braun überhaupt ins Rennen um den Parteivorsitz einsteigt, war schon überraschend, nun überrascht er auch mit seinem Team: Serap Güler soll seine Generalsekretärin werden, Nadine Schön die Programm und –Strukturentwicklung leiten. 

Dieses Team macht aus dem Außenseiter Braun noch keinen Gewinner, aber einen ernstzunehmenden Konkurrenten im Rennen um den Parteivorsitz – der eben nicht unbedingt damit punktet, dass ER antritt, sondern mit denjenigen, die er in sein Team geholt hat.

In der Partei keine Unbekannten

Güler und Schön – beide sind profilierte CDU-Politikerinnen, die zumindest in der Partei auch keine Unbekannten sind – im Gegensatz zu Franziska Hoppermann und Christina Stumpp, die im Team Röttgen bzw. im Team Merz sind. 
Serap Güler kennt als langjähriges Vorstandsmitglied die Partei und bringt als Integrations-Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalen Ministeriumserfahrung mit. Sie bringt als Arbeiterkind mit Einwanderungsgeschichte auch eine Perspektive mit ein, die in der Volkspartei CDU bislang nicht immer prominent vertreten war – obwohl 26 Prozent der Menschen in Deutschland selbst eingewandert sind oder deren Eltern oder Großeltern. 

Raum für andere selbstbewusste Persönlichkeiten

Nadine Schön wiederrum kennt die Fraktion – in der vergangenen Legislaturperiode war sie deren stellvertretende Vorsitzende. Und sie hat in den vergangenen Monaten immer wieder die Reform staatlicher Strukturen in den Fokus ihrer Arbeit gestellt.
Nadine Schön (CDU), Fraktionsvize, spricht bei einem Pressestatement vor Beginn der Sitzung der CDU/CSU Bundestagsfraktion.
Die stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Nadine Schön (dpa)
Damit dass Braun nun zwei prominente CDU-Frauen für sein Team gewinnen konnte, die man sicher als mehr als nur als Garnitur, weil es Mann halt auch eine Frau präsentieren muss, betrachten kann, ist auch das Signal gesetzt, dass Braun auch Raum lassen kann für andere selbstbewusste Persönlichkeiten, dass er Platz schafft für eine personell neu aufgestellte CDU mit einem anderen Führungsstil als bislang. Er kann derjenige sein, der bei denen punktete, die sich einen Parteivorsitzenden wünschen, der nicht die große Bühne für sich sucht, sondern vor allem die Partei reformieren will. 
Kandidaten für den CDU-Vorsitz

Frischen Wind reingebracht

Zeigen muss er aber noch, dass er tatsächlich auch denjenigen Raum gibt, die nicht, wie er, Güler und Schön, eher dem liberalen Flügel der Partei zugerechnet werden. Denn für diejenigen, die bislang mit Röttgen sympathisiert haben, dürfte Braun eine echte Alternative sein – wenn er Parteivorsitzender werden will, muss er aber vor allem den Merz-Anhängern etwas bieten.
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Das heute vorgestellte Team dürfte dafür nicht ausreichen. Gerade diejenigen, die mit Angela Merkels Regierungszeit brechen wollen, wird ihr bisheriger Kanzleramtschef nicht der Wunschvorsitzende sein. Dennoch: Braun hat mit seiner Vorstellung heute nochmal frischen Wind in das Rennen um den Parteivorsitz gebracht und es damit vielleicht nochmal spannender gemacht, als zunächst gedacht.  
Katharina Hamberger, Jahrgang 1985, hat Medienwissenschaft, Politikwissenschaft und Journalismus in Regensburg und Hamburg studiert. Während des Studiums arbeitete sie als freie Journalistin unter anderem für die "taz" und die "Passauer Neue Presse". Journalistische Erfahrung sammelte sie außerdem beim Bayerischen Rundfunk, der Talksendung "Anne Will" und dem "Hamburger Abendblatt". Seit Ende ihres Deutschlandradio-Volontariats 2012 arbeitet sie als freie Korrespondentin im Hauptstadtstudio von Deutschlandradio.