Freitag, 30. September 2022

Kommentar zu Xi und Putin
Eine Verbindung, die vor allem China nützt

Schon seit der Annexion der Krim investiert Russland in die Beziehungen zu China. Doch wenn Wladimir Putin auf eine breite Unterstützung Chinas im Krieg gegen die Ukraine hoffe, habe er sich verkalkuliert, kommentiert Gesine Dornblüth.

Ein Kommentar von Gesine Dornblüth | 15.09.2022

Der chinesische Präsident Xi Jingping und der russische Präsident Wladimir Putin stehen vor ihren jeweiligen Landesflaggen
Nach dem Kriegsbeginn habe sich das Verhältnis noch weiter zu Gunsten Chinas verändert, kommentiert Gesine Dornblüth. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Alexandr Demyanchuk)
Russlands Präsident Wladimir Putin erreicht genau das Gegenteil dessen, was er anstrebt. Das Land wird immer abhängiger, und zwar von China. Nachdem Russland 2014 die Krim erobert und Krieg im Osten der Ukraine vom Zaun gebrochen hatte, wurde es vom Westen mit Sanktionen belegt. Trotzig rief Putin die Wende nach Asien aus. Eine Wende, die ihn geradewegs in eine Sackgasse geführt hat.
Zwar kauft China russische Rohstoffe und russische Waffen, und Russland importiert chinesische Elektrogeräte, Textilien, und Maschinen. Doch von dem Ziel, westliche Hochtechnologie durch chinesische zu ersetzen, ist Russland weit entfernt. China ist ein durch und durch egoistischer Spieler. Geschickt nutzt Staatspräsident Xi Russlands prekäre Lage aus. China sitzt dabei am längeren Hebel.

China profitiert von Russlands Krieg

Nach dem groß angelegten Überfall Russlands auf die Ukraine am 24. Februar hat sich das Verhältnis sogar noch weiter zu Gunsten Chinas verändert. Das liegt unter anderem an den neuen Sanktionen. So haben sich viele chinesische Firmen aus dem Russland-Geschäft zurückgezogen, um die lukrativeren Geschäfte mit der EU und den USA nicht zu gefährden. Der pragmatischen Wirtschaftsmacht China sind die weltweiten Handelsbeziehungen schlichtweg wichtiger als die Unterstützung Putins in dessen Kampf gegen die Demokratien.
Im Energiesektor profitiert China sogar von Russlands Krieg. Denn seit die EU auf russisches Öl weitgehend verzichtet, kauft China den Rohstoff zu sensationell niedrigen Preisen. Und wenn Russland nun auch mehr Gas nach China exportieren will, wird es ähnlich aussehen. Zu dem, was beide Staaten verbindet, gehört neben dem autoritär bis diktatorischen Regierungsmodell die gemeinsame Gegnerschaft zu den USA.
Zwar haben Xi und Putin dem, wie sie es nennen, „Hegemon USA“ in einer gemeinsamen Erklärung am Rande der Olympia-Eröffnung den Kampf angesagt. China und Russland seien die wahren Demokratien und könnten für Frieden auf der Welt sorgen, hieß es da. Doch was stark klingt, befriedigt vor allem die russische Großmacht-Sehnsucht. Und daraus zu schließen, dass China Russlands Krieg unterstützt, ist falsch.

China hat kein Interesse an einer zerstörten Ukraine

Xi Jinping bekennt sich zur territorialen Unversehrtheit der Ukraine. China hat weder die von Russland völkerrechtswidrig annektierte Krim als russisch noch die von Russland unterstützten sogenannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk als unabhängige Staaten anerkannt.
Und China hat kein Interesse an einer zerstörten Ukraine. Das Land ist wichtig für die „Belt-and-Road“-Initiative, Chinas Infrastruktur- und Handelsprojekte. China wird Russland nur in dem Maße unterstützen, wie es ihm selbst nützt. Darüber können auch die erneuten Freundschaftsbekundungen zwischen den Staatspräsidenten nicht hinwegtäuschen.
Gesine Dornblüth wurde 1969 in Niedersachsen geboren. Sie studierte Slawistik und promovierte über russische Lyrik. In den 90er-Jahren gründete sie mit ihrem Partner das Büro "texte und toene" in Berlin und produzierte fünfzehn Jahre Alltagsreportagen, Langzeitdokumentationen, politische Analysen aus Russland, der Ukraine, dem Südkaukasus und vom Balkan. Von 2012 bis 2017 war sie Korrespondentin von Deutschlandradio in Moskau.