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StartseiteKommentare und Themen der WocheDitib lügt, dass sich die Balken biegen16.01.2019

Kommentar zu Moscheeverband Ditib lügt, dass sich die Balken biegen

Die Ditib vertritt 900 Moscheegemeinden in Deutschland. Der Moscheeverein wird aus der Türkei gesteuert und steht seit Jahren in der Kritik. Nun kündigt der neue Ditib-Vorsitzende einen Neuanfang an. Das sei nichts als Augenwischerei, kommentiert Kemal Hür.

Von Kemal Hür

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Kazim Türkmen (l), neu gewählter Vorstandsvorsitzender der Ditib, spricht auf einer Pressekonferenz neben seinen Stellvertretern, Ahmet Dilek (M) und Emine Secmez (r). Der Islamverband Ditib, Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, hat seinen neuen Vorstand vorgestellt. (dpa/Oliver Berg)
Der neue DITIB-Vorsitzende kündigt bei einer Pressekonferenz einen Neuanfang seines Verbandes an (dpa/Oliver Berg)
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Die Ditib ist der größte Moscheeverband in Deutschland und nach geltendem Recht ein eingetragener deutscher Verein. Doch in der Realität ist dieser Verband, der nach eigenen Angaben bundesweit mehr als 900 Moscheen unter seinem Dach vereint, nichts anderes als die Außenstelle der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Dieser Umstand ist in der Satzung der Ditib verankert und - das ist wichtig - ohne die Zustimmung von Ankara nicht zu ändern.

Ditib - eine "Lügenmaschinerie"

Seit vielen Jahren, so die gebetsmühlenartige Erklärung der Ditib, versucht der Verband, in den Bundesländern als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt zu werden. So auch heute wieder. Der frisch gewählte Vorstandsvorsitzende Kazım Türkmen wiederholte diesen Wunsch auf einer Pressekonferenz in Köln, wo der neue Ditib-Vorstand vorgestellt wurde. Aber es ist alles nichts als Augenwischerei. Die Ditib ist eine Lügenmaschinerie. Sie lügt, dass sich die Balken biegen. Ihre Vorstandswahl hielt sie dieses Jahr am 4. Januar ab; die letzten Wahlen fanden ein Jahr zuvor an Heiligabend statt - beide Termine liefen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und deutscher Medien ab. Wer in den Vorstand gewählt wird, entscheidet ohnehin ein Beirat, dem unter anderen der Präsident der türkischen Religionsbehörde angehört. Zur Wahl schlägt dieser Beirat 14 Personen vor. Sieben werden gewählt, darunter befinden sich aktuell drei hohe Bedienstete der Behörde in Ankara; sie sind gleichzeitig türkische Staatsbeamte.

Spionage nie zugegeben

Wenn der neue Chef, der gleichzeitig Botschaftsrat für Religionsangelegenheiten ist, also sagt, die Ditib strebe einen Neuanfang an, kann auch das nicht anders bezeichnet werden als eine unverschämte Lüge.

Türkmen selbst war 2016 Abteilungsleiter für Auslandstürken bei der türkischen Religionsbehörde (*), während Ditib-Imame im Auftrag seiner Behörde in Deutschland Regimekritiker ausspioniert haben. Die Listen, die teilweise in Medien veröffentlicht wurden, wurden der Mutterbehörde in Ankara weitergeleitet und auf einer eurasischen Islamkonferenz diskutiert. Wie soll man dem alten und nun neuen Ditib-Funktionär glauben, wenn er sich nun vor die Presse stellt und erklärt, die Islam-Debatte müsse wieder auf die Sachebene zurückgeholt werden? Dies sei "dringend notwendig". Die Sachebene hat die Ditib nie betreten. Sie hat die Spionagetätigkeiten genauso abgestritten, wie sie seit ihrer Gründung Mitte der 80er-Jahre nicht zugibt, eine Außenfiliale der türkischen Religionsbehörde zu sein.

DITIB will gar keinen öffentlich-rechtlichen Status 

Ebenso unwahr ist, dass sie sich bemühen wolle, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts zu werden. Aus dem Bundesinnenministerium ist zu hören, dass dem Moscheeverband Änderungsvorschläge für ihre Satzung vorgelegt wurden, damit eine Anerkennung erreicht werden kann. Die Ditib nimmt die Änderungen aber nicht an. Stattdessen belügt sie permanent die Öffentlichkeit - und die deutschen Behörden, leider gehört auch dies zur Wahrheit dazu, die deutschen Behörden entlarven sie nicht, weil sie mit der Ditib im Gespräch bleiben wollen.

(*) In der ursprünglichen Version dieses Onlinebeitrags und in der Audiofassung wurde Türkmen versehentlich eine falsche Funktion zugeschrieben und in Verbindung damit eine falsche Behauptung aufgestellt. Wir haben den Fehler im Text korrigiert.

Kemal Hür (Foto: privat)Kemal Hür (Foto: privat)Kemal Hür, Jahrgang 1968, studierte Germanistik, Soziologie sowie Theater- und Filmwissenschaft an der FU Berlin. Nach Dolmetschertätigkeiten begann er im Jahr 2000 seine journalistische Laufbahn bei Radio Multikulti beim SFB/RBB. Ab 2005 arbeitete er auch für verschiedene Fernsehprogramme der ARD (Kontraste, Cosmo-TV, Abendschau, Stilbruch). Seit 2006 ist er Autor für verschiedene ARD-Hörfunkprogramme. Von 2014 bis 2018 bearbeitete er für das Berliner Landesstudio von Deutschlandradio die Themenschwerpunkte Migration/Integration/Islam/Türkei.

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