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StartseiteSport AktuellJetzt ist die FIFA am Zug26.06.2017

Kommentar zum Dopingverdacht um russische FußballerJetzt ist die FIFA am Zug

Noch ist es nur ein Dopingverdacht, den der Bericht der britischen "Mail on Sunday" über das russische Fußball-WM-Team aus dem Jahr 2014 nahelegt. Die FIFA tue gut daran, ihn ernst zu nehmen, kommentiert DLF-Sportredakteur Matthias Friebe und fordert außerdem: Auch die Personalie Witali Mutko muss auf den Prüfstand.

Von Matthias Friebe

FIFA-Präsident Gianni Infantino auf einer Pressekonferenz vor der Auslosung der Gruppen für den Confederations Cup 2017.  (dpa / Christian Charisius)
FIFA-Präsident Gianni Infantino auf einer Pressekonferenz. (dpa / Christian Charisius)
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Doping im Fußball? Hat es nie gegeben und wird es nie geben. Es ist das altbekannte Märchen, das Russlands Fußball-Boss und zugleich Vize-Premier Witali Mutko gestern zu Protokoll gab. Im Fußball wird nicht gedopt und außerdem es bringt ja eh nichts. Das ist nicht nur nachweislich falsch, das ist absurd, mehr noch - dreist und lächerlich. Vielfach ist bewiesen, nicht zuletzt auch durch überführte russische Fußballer: Natürlich hilft man auch im Spiel elf gegen elf auf dem Rasen mit Tabletten, Spritzen und Salben nach.

Dass Witali Mutko gerne einmal eine eigene Sicht der Dinge hat, ist bekannt. Schon bei der Aufdeckung staatlich organisierten Dopings in seinem Land, eindrucksvoll dargelegt durch den Bericht von Sonderermittler Richard McLaren, war das so. Der Bericht sei fehlerhaft und politisch motiviert gewesen, sagte Mutko, damals noch Sportminister in Russland. Die Enthüllungen kosteten ihn damals nicht den Kopf, er wurde gar zum Vize-Premier befördert. Und Präsident des russischen Fußball-Verbands ist er auch weiterhin.

Noch sind es nur Verdachtsmomente

Und jetzt also ist Mutko, ist der russische Fußball, mit Doping-Schlagzeilen konfrontiert. Der Bericht der britischen "Mail on Sunday", in dem die komplette russische WM-Mannschaft des Jahres 2014 in Doping-Verdacht gerückt wird, dürfte aber kaum für mehr als ein Seufzen gesorgt haben in der Moskauer Regierungszentrale. Denn: Man hat kaum etwas zu befürchten. Einen anderen Gastgeber für die WM findet man nicht auf der Welt ein Jahr davor und eine WM ohne Mannschaft des Gastgebers ist genauso undenkbar. Man wird also maximal, wenn überhaupt, einige Spieler ersetzen. Und selbst das wird schwer. Stichhaltige Beweise gibt es bis dato nicht. Es sind Verdachtsmomente. Das Auftauchen in den Listen Richard McLarens ist nicht gleichbedeutend mit überführtem Doping, es sind nur Indizien.

Jetzt aber ist die FIFA ist am Zug. Man habe Ermittlungen aufgenommen, hieß es relativ schnell nach Bekanntwerden der Vorwürfe. Das ist zumindest ein Anzeichen dafür, dass man sie auch beim Weltfußballverband ernst nimmt. Zugleich betonte die FIFA aber, positive Proben habe es bei der WM in Brasilien ja keine gegeben. Ob es jemals zu Beweisen und zu überführten Dopern kommt, steht also in den Sternen.

Die Personalie Mutko

Nicht auszuschließen, dass es am Ende bei der FIFA genauso läuft wie beim Internationalen Olympischen Komitee. Trotz McLaren-Enthüllungen und internationalen Drucks, gab es keinen Ausschluss der russischen Mannschaft von Olympia in Rio im August. Jetzt, ein Jahr danach, sagt IOC-Präsident Thomas Bach, die Praktiken von Sotschi, als der russische Geheimdienst bei Olympia mithalf, positive russische Dopingproben zu vertuschen, müsse in jedem Fall sanktioniert werden.

Diese Einsicht kommt zu spät, das kann aber dem Weltfußballverband auch passieren. Die WM wird nächstes Jahr in Russland stattfinden, dabei bleibt es ganz sicher. Vielleicht sollte die FIFA aber noch einmal Witali Mutko ins Gebet nehmen. Seit März sitzt der zwar nicht mehr im mächtigen FIFA-Rat, weil er auch Regierungsmitglied ist. Er ist aber nach wie vor Vize-Premier und nationaler Fußball-Boss. Wohin eine enge Verquickung von Staat und Sport führen können, hat Olympia in Sotschi mehr als deutlich gezeigt. Um wenigstens die Fassade vom sauberen Fußball aufrecht zu halten, sollte die FIFA Mutko nahelegen, auf eines der beiden Ämter zu verzichten.

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