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StartseiteInformationen am MorgenFrauen dürfen zum ersten Mal wählen12.12.2015

Kommunalwahl in Saudi-ArabienFrauen dürfen zum ersten Mal wählen

Es ist zwar nur eine Kommunalwahl heute in Saudi-Arabien, aber sie hat für die Frauen des Landes eine historische Bedeutung: Sie dürfen zum ersten Mal wählen und auch kandidieren. Es wurden sogar Kurse organisiert, wie man einen Wahlkampf organisiert. Der findet - auch aus Kostengründen - vorwiegend im Internet statt.

Von Karin Senz

Eine Gruppe von jungen Frauen in einer Einkaufspassage in der saudischen Hauptstadt Riad (dpa / picture alliance / Maxppp)
Eine Gruppe von jungen Frauen in der saudischen Hauptstadt Riad. Frauen dürfen jetzt erstmals wählen. (dpa / picture alliance / Maxppp)
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"Ich musste mich auch nicht verschleiern"

Loujain sitzt im engen Kleid zuhause in Riad auf dem Sofa und triumphiert: "Ich bin zurück im Spiel. Das kämpfen hat sich gelohnt. Ich dachte ja, die ignorieren mich. Aber nein, die waren total nett zu mir. Und ich hab' gelernt, hartnäckig zu bleiben, nicht aufzugeben. Der süße Geschmack des Sieges ist einfach nur wunderbar."

Loujain, eine junge Frau aus gutem Hause hat schon weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Denn sie ist Auto gefahren - in Saudi Arabien für Frauen streng verboten. Zweieinhalb Monate saß sie dafür im Gefängnis. Jetzt hat sie wieder rebelliert. Sie wollte sich bei den landesweiten Kommunalwahlen aufstellen lassen, wurde aber erst abgelehnt. Aber sie wollte unbedingt dabei sein, wenn in ihrem Land Geschichte geschrieben wird. Zum aller ersten Mal dürfen Frauen heute wählen und sogar kandidieren. Der verstorbene König Adulllah hatte das schon vor vier Jahren festgelegt.

Auch Haifa nutzt die Chance. Sie hat extra einen Kurs besucht, wo ihr erklärt wurde, wie man einen Wahlkampf führt und was man dabei nicht darf. Interviews geben zum Beispiel: "Wegen der Chancengleichheit. Ich spreche ja sehr gut englisch, andere Kandidatinnen nicht. Das verschafft mir bei Interviews grade mit der internationalen Presse einen Vorteil. Ich dürfte allerdings Interviews geben, wenn ich dafür bezahle, also Wahlwerbung im Fernsehen."

Aber Haifa winkt ab – viel zu teuer, das kann sich keine der 900 Kandidatinnen leisten und wahrscheinlich auch keiner der über 6.000 Kandidaten. Wahlkampfveranstaltungen machen für sie auch gar keinen Sinn. Nicht, weil sie ihr Mann hinfahren und wieder abholen müsste. Sie setzt auf andere Wahlwerbung: "Ich gehe online. Denn ich weiß, wenn ich irgendwo einen Saal miete, da kommt doch keiner. Die Leute heutzutage sind viel zu beschäftigt. Ich verschwende nur Zeit und Geld und erreiche mein Ziel doch nicht." Also postet sie kleine Filme mit Ideen, was sie in der Stadt ändern würde. Denn Kommunalräte sind beispielsweise für öffentliche Parks, den Verkehr und die Müllabfuhr zuständig.

"Eine Ahnung davon, was es bedeutet, gleichberechtigt zu sein"

An diesen beiden ist das Experiment "Frauen zur Wahl" vorbeigezogen: "Ich hab' da noch nichts davon gehört. Aber das ist doch eine nette Idee. Eigentlich ist das sogar eine große Sache. Ich hätte das mitkriegen sollen." Eine junge Frau sitzt vollverschleiert im Frauenbereich eines Restaurants. Sie hat schon mitgekriegt, dass sich da was in Sachen Frauen-Wahlrecht getan hat. "Ich hab' im Internet Wahlwerbung gesehen. Und auf Youtube reden die Leute auch drüber."

"Ich hab' auch davon gehört. Denn ich hab' eine Nachricht auf's Handy gekriegt, dass es nur noch ein Tag bis zur Wahl ist. Jetzt muss ich also planen, wann ich wählen gehe und auch wen." Wahrscheinlich eine Frau, sagt er – die sind engagierter. Auch Loujains Wahlkampf spielt sich im Internet ab. Allerdings hat die Wahl für sie Symbolkraft – sie sieht darin einen Schritt hin zu mehr Rechten für Frauen. Kritiker sagen, Saudi-Arabien will mit der Wahl nur sein Image im Westen aufpolieren.

"Ich kann das verstehen. Aber ich glaube es ist wichtig, bei der Wahl mitzumachen. Denn es ist eine großartige Gelegenheit, die Position der Frauen zu stärken. Und sie bekommen wenigstens eine Ahnung davon, was es bedeutet, gleichberechtigt zu sein", sagt Loujain. Bevor sie sich mit ihrem Fahrer auf den Weg zur Arbeit macht, natürlich nur mit Erlaubnis ihres Mannes - verschwindet ihr schickes, enges Kleid unter der weiten Abaja, einem schwarzen bodenlangen Mantel – noch eine Vorschrift für Frauen in Saudi Arabien.

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