Freitag, 22.02.2019
 
Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteGesichter EuropasLettland und seine russischsprachige Minderheit09.02.2019

Komplizierte Geschichte Lettland und seine russischsprachige Minderheit

Etwa ein Viertel der lettischen Bevölkerung sind russische Muttersprachler. Das hängt überwiegend mit der sowjetischen Okkupation nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Und führt in dem kleinen Land im Baltikum bis heute zum Streit.

Von Gesine Dornblüth

Eine lettische Fahne weht am Freiheitsdenkmal. (dpa /Alexander Welscher)
Die lettische Flagge weht am Freiheitsdenkmal in Riga (dpa /Alexander Welscher)

Auf den Straßen ist viel Lettisch und Russisch zu hören, beim Sport feuern alle das gleiche Team an – die Sprach- und Nationalitätenfrage spielt im Alltag in Lettland oft keine große Rolle.

Aber Reibung gibt es trotzdem: Die neue lettische Regierung versucht, die stärkste Kraft im Parlament, eine Partei die überwiegend von russischen Muttersprachlern gewählt wird, auf Abstand zu halten. Bis heute leben auch knapp 230.000 sogenannte "Nichtbürger" im Land. Russischsprachige Menschen, die nach der Unabhängigkeit Lettlands keinen Pass bekommen haben und nicht wählen dürfen. Und jetzt soll auch noch der Schulunterricht auf Russisch eingeschränkt werden.

Das ruft Widerstand hervor und zeigt: Lettland sucht immer noch nach dem richtigen Weg, mit den russischsprachigen Menschen im Land und der sowjetischen Besatzungsgeschichte umzugehen.

Surab Pirtskhalaishvili zeigt seinen Nichtbürger-Pass (Deutschlandradio/Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio/Gesine Dornblüth)Ein "Nichtbürger" in Riga
Sie haben keinen lettischen Pass und nicht die gleichen Rechte: die etwa 230.000 russischsprachigen "Nichtbürger" in Lettland. Der Status ist ein Erbe der sowjetischen Besatzungsgeschichte des Landes. Bis heute ist das Verhältnis der "Nichtbürger" zum lettischen Staat belastet.

Pass nur mit SprachtestAngehörige der russischsprachigen Minderheit in Lettland gedenken am sowjetischen Siegesdenkmal in Riga des Endes des Zweiten Weltkriegs und des russischen Sieges über Nazi-Deutschland (AFP/ Ilmars Znotins) (AFP/ Ilmars Znotins)
Aus Zweifel an der Loyalität der russischsprachigen Minderheit hat Lettland nach dem Ende der Sowjetunion nicht alle Einwohner eingebürgert, sondern den Status des "Nichtbürgers" eingeführt. Wer Lette werden will, muss einen Sprachtest bestehen - viele Ältere scheitern daran.

Drei Fans des Eishockeyvereins "Dinamo Riga" in rot-weißen Trikots (Deutschlandradio/Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio/Gesine Dornblüth)"Sobald ein Russe dabei ist, sprechen wir Russisch"
Ein Viertel der lettischen Bevölkerung spricht Russisch als Muttersprache. Die Nationalitäten- und Sprachenfrage ist in der lettischen Politik häufig Anlass für Konflikte. Im Alltag der Menschen klappt die Verständigung spielend.

Kommunalpolitikerin Elizabete Krivcova von der als russlandfreundlich geltenden Partei "Harmonie" bringt mit ihren Positionen nicht nur ihre politischen Widersacher gegen sich auf (Deutschlandradio/Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio/Gesine Dornblüth)"Sie nennen mich Agentin des Kremls"
Im lettischen Parlament sind fünf von sieben Parteien eine Koalition eingegangen, um die stärkste Kraft auf Distanz zu halten: die Partei "Harmonie". Vor allem russischsprachige Wähler haben für sie gestimmt. Kommunalpolitikerin Elizabete Krivcova bekommt den Konflikt auch in ihrer Stadt zu spüren.

Ein Stapel Bücher für den russischsprachigen Schulunterricht in Lettland (picture alliance/Sputnik/Sergey Melkonov) (picture alliance/Sputnik/Sergey Melkonov)Sprachwechsel ohne Probleme
Mehr Unterricht auf Lettisch, weniger auf Russisch – das ist der Plan der lettischen Regierung. Aber die Bildungsreform stößt auf Widerstand in der eigenen Bevölkerung und in Moskau. Ein Gymnasium in Riga zeigt, dass es auch ohne Streit geht.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk