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StartseiteUmwelt und VerbraucherKonferenz der Klimawandelskeptiker30.11.2012

Konferenz der Klimawandelskeptiker

In München beginnt eine Konkurrenzveranstaltung zum Gipfel in Doha

Immer wieder werden auch Zweifel an der Klimaerwärmung laut. Die Skeptiker des Klimawandels treffen sich derzeit in München. Wissenschaftsjournalist Volker Mrasek erklärt, welche Annahmen Konsens sind unter Forschern und welche Fragen noch offen sind.

Volker Mrasek im Gespräch mit Jule Reimer

Viele trauen dem Treibhausgas CO2 – Kohlendioxid - gar nicht zu, dass es das Klima aufheizen kann.  (picture alliance / dpa - How Hwee Young)
Viele trauen dem Treibhausgas CO2 – Kohlendioxid - gar nicht zu, dass es das Klima aufheizen kann. (picture alliance / dpa - How Hwee Young)
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Neue Eskalation im großen Klimastreit
Doha 2012

Jule Reimer: Die Redaktion von "Umwelt und Verbraucher" beschäftigt sich seit Jahren mit dem Phänomen der Klimaerwärmung, und mein Kollege Georg Ehring berichtet derzeit für Sie direkt aus Doha, von der UN-Klimakonferenz. Dabei erreichen uns immer mal Emails von Hörern, die Zweifel an der Klimaerwärmung äußern. Heute beginnt zudem in München eine Konferenz von ausgewiesenen Klimawandelskeptikern. Mit dabei ist auch das US-amerikanische Heartland-Institut, das auch von Unternehmen der Mineralölindustrie finanziert wird. Viele trauen dem am meisten genannten Treibhausgas Gas CO2 - Kohlendioxid - gar nicht zu, dass es das Klima aufheizen könnte. Denn CO2 gehört zu unserem Leben: Pflanzen brauchen CO2 zum Leben, als Kohlenstoffquelle, damit binden sie gleichzeitig CO2, und wenn sie verrotten, geben sie CO2 an die Atmosphäre ab, und das seit Millionen von Jahren.

Frage an meinen Kollegen und Wissenschaftsjournalisten Volker Mrasek hier im Studio: Vor circa 1850 - also vor der Industrialisierung - betrug der Anteil von CO2 als Gas an der - lax ausgedrückt - Gesamtsuppe der Atmosphäre nur 0,28 Promille. Dann stieg er binnen 150 Jahren durch die menschlichen Aktivitäten auf jetzt 0,39 Promille oder auch 390 ppm. Wie soll ein Gas mit Veränderungen im Tausendstel-Bereich die weltweite Jahresmitteltemperatur beeinflussen können?

Volker Mrasek: Ja, das ist vielleicht auf Anhieb erst mal schwer vorstellbar, aber man darf sich von dieser kleinen Zahl nicht irritieren lassen. Kohlendioxid ist nach Wasserdampf das wichtigste Treibhausgas in der Atmosphäre, also ein Gas, das die Wärmerückstrahlung der von der Sonne aufgeheizten Erde in der Atmosphäre zurückhält, und dadurch erwärmt sich dann die Troposphäre, unsere Wetterschicht. Das ist wissenschaftlich längst erwiesen. Es gibt ja auch den natürlichen Treibhauseffekt, also ohne unsere Emissionen in der Atmosphäre. Wasserdampf und Kohlendioxid sind ja, wie Sie sagten - Kohlenstoffkreislauf - von Natur aus vorhanden. Der wird mit 33 Grad beziffert. Das heißt, ohne diesen natürlichen Treibhauseffekt läge die mittlere Oberflächentemperatur der Erde bei minus 18 Grad. Und der Anteil von Kohlendioxid, also von natürlichem, schon in vorindustriellen Konzentrationen, wird daran auf knapp neun Grad geschätzt. Also daran sieht man, dass Kohlendioxid auch in diesen Konzentrationen durchaus eine starke Wirkung im Strahlungshaushalt der Erde hat. Und wenn man sich jetzt noch klar macht, der Gehalt von CO2, der ist heute nicht mehr bei 280, sondern bei 390 ppm, das ist so die Standardgröße, dann ist das ein Anstieg um ziemlich genau 40 Prozent. Und um so viel wird es dann in etwa auch wärmer.

Jule Reimer: In den 90er-Jahren gab es einen starken Temperaturanstieg, aber seit der Jahrtausendwende können wir dies nicht mehr beobachten. Außerdem weisen Kritiker auf die schwankende Sonnenaktivität hin. Also sind doch Zweifel angebracht?

Mrasek: Also die globale Erwärmung, die hat nicht halt gemacht. Also sie geht auf hohem Niveau weiter. Das letzte Jahrzehnt war das wärmste der Aufzeichnung bisher. Richtig ist aber auf jeden Fall: Es gab eine Art Plateauphase der Temperatur. Die gab es aber auch schon gelegentlich im 20. Jahrhundert. Das heißt, der Anstieg der Temperatur an der Erdoberfläche, der verläuft jetzt nicht streng linear. Das ist auch noch Forschungsgegenstand und hat vermutlich mit natürlichen, oder mit Sicherheit mit natürlichen Klimaschwankungen zu tun, die es natürlich auf der Erde auch noch gibt. Es gibt zum Beispiel im Pazifik, aber auch im Atlantik einen Wechsel zwischen kälteren und wärmeren Phasen auf einer Zeitskala von Jahrzehnten. Mal dämpfen die also den Treibhauseffekt und mal wirken sie in derselben Richtung. Und da gibt es auch jüngere Studien, die genau in diese Richtung deuten. Da könnten die Energieflüsse in solchen kälteren Episoden in den tiefen Ozean gewandert sein. Stichwort "kalte Sonne", was Sie ansprechen, das ist gerade eine Diskussion: Dahinter steckt die Vermutung, dass der nächste elfjährige Sonnenzyklus und vielleicht auch noch weitere danach besonders schwach ausfallen werden, und die These ist dann, die Erde kühlt demnächst ab. Aber die Verfechter dieser Theorie, da gibt es nicht viele, die stehen doch ziemlich alleine da. Es gibt auch inzwischen Studien, die das simuliert haben und sagen, da kann man höchstens mit einem Effekt von 0,1 bis 0,3 Grad Temperaturabnahme rechnen. Das ist im Vergleich zum Anstieg der Temperatur durch die Treibhausgase doch marginal.

Jule Reimer: Es gibt ja leisere, vorsichtigere Vertreter der Klimaerwärmungsthese - wie Hans Storch vom GKSS-Küstenforschungsinstitut Geesthacht - und forschere Forscher wie Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Fassen Sie uns doch jetzt bitte noch einmal den wissenschaftlichen Grundkonsens zusammen.

Mrasek: Also man kann sagen, es gibt keine ernst zu nehmenden Zweifel daran, dass der Mensch vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger die Erdatmosphäre aufheizt. Das ist ein Grundkonsens unter allen seriösen Wissenschaftlern. Und klar ist auch, wenn die Treibhausgaskonzentrationen weiter steigen, wird sich auch die Atmosphäre weiter erwärmen. Das ist ein Grundgesetz der Atmosphärenphysik, sagen diese Forscher. Es gibt aber auch durchaus einen Grundkonsens darüber, dass viele Fragen noch unbeantwortet sind. Und auch darüber, welche das sind. Zum Beispiel: Wie stark die Erwärmung genau ausfallen? Wie wird sie regional ausfallen? Es gibt diese sogenannten Rückkopplungprozesse im Klimasystem, die schwer einzuschätzen sind. Wie stark werden die Eiskappen schmelzen, wie stark der Meeresspiegel steigen? Werden Hurricanes stärker, werden sie häufiger, werden sie stärker oder häufiger? Wie werden sich Niederschläge verteilen? Das sind alles offene Fragen, und die werden durchaus diskutiert und sind weiter Forschungsgegenstand.

Jule Reimer: In Doha verhandeln die Staaten dieser Welt über die kommende Klimaerwärmung. Den wissenschaftlichen Grundkonsens zum Klimawandel fasste Ihnen Volker Mrasek zusammen. Vielen Dank!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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