Kommentare und Themen der Woche 23.08.2019

Konferenz "Religions for Peace"Ein Gipfel der Religionen? Bitte mehr davonVon Tilmann Kleinjung

Beitrag hören Die interreligöse Tafel zur Konferenz "Religions for Peace" in Lindau (Deutschlandradio / Thomas Wagner)Auch ein Teil des religiösen Dialogs: Die interreligiöse Tafel in Lindau (Deutschlandradio / Thomas Wagner)

Religiöse Konflikte nehmen zu – auch bei uns in Deutschland. Helfen kann da nur Verständigung, meint Tilmann Kleinjung. Der Religionsgipfel in Lindau sei dafür ein guter Anfang gewesen. Jetzt müssten Christen, Muslime und Buddhisten näher zusammen rücken.

Die Welt scheint voller Hass, Bösartigkeit und Gewalt. Hate Speech dominiert den Dialog. Die leisen, die friedlichen Stimmen gehen unter. Der Gipfel der Vereinten Religionen von Lindau war da ein Kontrastprogramm, das Hoffnung macht. 900 Vertreter aller Weltreligionen. Offen, bereit zum Dialg. Menschen guten Willens. Sie nehmen für sich in Anspruch 85 Prozent der Weltbevölkerung zu repräsentieren. Ja, so viele Menschen erklären sich einer Religion zugehörig. Der Blick durch die deutsche Brille trügt da.  

Eine Antwort auf den wachsenden Antismetismus

Wir leben ja in einem Land, in dem die Kirchen und Konfessionen auf dem Rückzug sind. Deutschland wird dadurch nicht nur säkularer, sondern auch multireligiöser. Den interreligiösen Friedensdialog haben aber auch wir dringend nötig. In Zeiten von wachsendem Antisemitismus und Antiislamismus. Wir brauchen mehr Religionsgipfel. Und die deutschen Kirchen, die in Lindau eher schwach vertreten waren, wären gut beraten, sich hier mehr zu engagieren.

Was tun gegen die Hardliner?

Eine Frage kann allerdings auch "Religions for Peace" nicht beantworten. Wie erreicht man die Menschen, die nicht guten Willens sind? Die Hardliner, die Fundamentalisten, die Nationalisten, die Religion für ihre Ziele missbrauchen? So geschehen in Myanmar, wo radikale Buddhisten muslimische Rohingya vertrieben haben. Oder Europa: Auch hier wird der Ruf nach Abschottung gegen Migranten, gegen Flüchtlinge immer wieder religiös motiviert. Stichwort christliches Abendland. Da können die in Lindau versammelten Religionsführer nur auf die Signalwirkung vertrauen.

Religionen müssen sich gegenseitig stark machen

Sie wollen sich dafür einsetzen, dass in Krisenregionen die heiligen Stätten der jeweils anderen Religionen geschützt sind. Muslime in Nigeria bilden einen Ring um eine Kirche. Und Christen in Deutschland könnten sich mit einer Moscheegemeinde solidarisch zeigen, die beschmiert oder angefeindet wurde. Das ist die Botschaft von Lindau: Dass sich Religionen und ihre Vertreter dafür stark machen, dass Angehörige einer anderen Religionsgemeinschaft ihren Glauben in Frieden und Freiheit leben können. In Saudi-Arabien, im Sudan, in Myanmar. Überall.

Mehr zum Thema

Empfehlungen