Kommentare und Themen der Woche 08.01.2020

Konflikt am Persischen GolfMilde Vergeltung des Iran oder Fehlschlag?Von Karin Senz

Beitrag hören Der iranische Präsident Hassan Rohani eine Kabinettssitzung. - Handout vom 8. Januar 2020. Ruhani hat sich zu den Raketenangriffen auf vom US-Militär genutzte Stützpunkte im Irak geäußert. (picture alliance / Iranian Presidency)Bewusst maßvoll? Der Vergeltungsschlag des Iran hat keine Todesopfer gefordert, doch der iranische Präsident Hassan Ruhan drohte den USA (picture alliance / Iranian Presidency)

Wie ist der jüngste iranische Angriff auf US-Militärstützpunkte im Irak zu interpretieren? Plausibel sei, dass Teheran absichtlich milde zugeschlagen habe, um die rote Linie Donald Trumps nicht zu überschreiten, meint Karin Senz. Doch auch ein Fehlschlag sei denkbar.

Es ist ein Tag für Verschwörungstheoretiker: Vergeltungsschläge, Flugzeugabsturz und dann noch ein Erdbeben im Iran, alles innerhalb von ein paar Stunden. Aber der Reihe nach.

Was waren das für heftige Drohungen in den letzten Tagen. Von schwerer Vergeltung war die Rede. Noch die schwächste Variante der Rache werde ein Alptraum. Die Familien der US-Soldaten in der Region würden ihre Tage damit verbringen, auf den Tod ihrer Kinder zu warten.

Und das soll es jetzt gewesen sein? Raketenangriffe auf zwei US-Stützpunkte im Irak – wohl ohne Todesopfer. Verhältnismäßig, wie angekündigt, ist das nicht. Denn bei dem US-Angriff am letzten Freitag kam nicht nur der iranische General Soleimani ums Leben, sondern neun weitere Iraner und Iraker. Ging der Vergeltungsschlag also daneben? Das wäre Variante 1.

Unausgereifter Plan der iranischen Führung?

Der Iran hat für seine Verhältnisse sehr schnell auf die Tötung seines Generals reagiert. Möglicherweise haben die Herrscher in Teheran dem Druck der Straße nachgegeben. Sie wollten zwar diese Bilder der trauernden und hasserfüllten Massen bei den Trauerzügen. Aber sie scheinen selbst, vom Ansturm und den Emotionen überrascht worden zu sein. Das zeigen die vielen Toten bei der Massenpanik gestern. Die Geister, die sie riefen.

Also, diese Massen wollten Rache – und sie wollten nicht warten. Zu sehr hat Trump die Iraner mit der Tötung Soleimanis getroffen und vor aller Welt erniedrigt. War der Vergeltungsschlag vergangene Nacht also ein Fehlschlag, in den sich die Regierung durch das Volk hat hineintreiben lassen? Iranische Medien berichten von 80 Todesopfern auf US-Seite. Washington und andere Länder, die Soldaten auf den Stützpunkten haben, dementieren das. Zur Krönung twittert Trump noch in der Nacht: Alles ist gut. Klingt nach einem unausgereiften Plan der iranischen Führung.  

Vielleicht bekommt die Diplomatie eine Chance

Variante 2 wäre, dass Teheran absichtlich milde zugeschlagen hat, absichtlich niemanden getötet hat, um Trumps rote Linie nicht zu überschreiten. Dafür spricht einmal, dass der Iran den Irak vorgewarnt hatte. Außerdem hieß es aus dem Büro des Obersten Früheres Ajatollah Chamenei, man habe sich für das harmloseste Vergeltungsszenario entschieden. Damit hätten die Iraner ihr Gesicht gewahrt, Trump aber eine Türe gelassen, nicht reagieren zu müssen. Denn auch er will sein Gesicht gewahrt sehen. Bei dieser Variante bestünde die Hoffnung, dass die Welt eine Atempause bekommt und die Diplomatie eine Chance.

Variante 3, es war ein Fehlschlag. Der Iran etikettiert ihn nur einfach zu einem milden Racheakt um.

Und dann gibt es noch Variante 4. Das ist die Variante der Verschwörungstheoretiker. Der Iran und die USA reden hinter den Kulissen schon lange wieder miteinander. Sie führen für die Weltöffentlichkeit nur noch eine Show auf, um am Ende beide mit hocherhobenem Haupt als Sieger vom Platz gehen zu können. Die Anhänger dieser Variante glauben auch, dass selbst das Erdbeben am Morgen im Iran mit den Vergeltungsschlägen und dem Flugzeugabsturz bei Teheran zu tun hat. Passierte ja schließlich alles kurz hintereinander. Mit Verlaub: Das ist nun wirklich absurd!

Mehr zum Thema

Empfehlungen