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StartseiteUmwelt und VerbraucherKonsequenzen aus dem Hochwasser 201009.06.2011

Konsequenzen aus dem Hochwasser 2010

Experten beraten sich auf internationaler Hochwasserkonferenz

Vom Jahrhunderthochwasser spricht keiner mehr, dafür hat es in den vergangenen Jahren zu viele extreme Überschwemmungen an Elbe und Oder gegeben. Die Probleme an den Flüssen können die betroffenen Länder nur gemeinsam lösen.

Von Axel Flemming

Überflutete Straße in Ostritz (AP)
Überflutete Straße in Ostritz (AP)

Allein Brandenburg hatte 2010 Hochwasser an Oder, Neiße, Spree und Schwarzer Elster standzuhalten. Was tun? Neue Konzepte beim Deichbau sind notwendig, begradigte und kanalisierte Flussläufe sind eher das Problem als die Lösung. Bekommen die Flüsse nicht mehr Raum, dann nehmen sie ihn sich. Der Präsident der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder (IKSO), Pavel Puncocar, sprach sich für ein gemeinsames Hochwassermanagement von Polen, Tschechien und Deutschland aus.

"Die letzten Jahre haben gezeigt, es gelingt uns, die Hochwasserschäden zu reduzieren. Aber es geht um eine langjährige Arbeit. Und es kostet sehr viel Geld. Die beste Vorsorge ist eine gute Information. Die tschechische Seite beispielsweise macht ein Angebot für jedes Land, jeder Bürger hat Zugriff auf ein Informationssystem in Tschechien, dieses System steht in sechs Sprachen im Internet zur Verfügung. Da geht es um die Wassermengen, die zu- und abfließen, wie arbeiten die Talsperren und wie hoch sind die Niederschläge."

Die letzten Hochwasser haben gezeigt, dass Flüsse keine Grenzen kennen. Die Probleme an Oder und Elbe können die Länder nur gemeinsam lösen. Der Wojewode der polnischen Region Niederschlesien, Alexander Marek Skorupa, verwies auf konkrete Projekte zum Ausbau der Hochwasserschutzes bei Ratibor und Breslau.

Dort werden Rückhalteflächen für die Oder geschaffen. Derzeit könnten dort 335 Millionen Kubikmeter Wasser aufgenommen werden, demnächst noch zusätzlich 185 Millionen Kubikmeter. Das geht nicht ohne Konflikte: Allein für das Projekt "Unteres Ratibor" wird ein ganzes Dorf mit etwa 100 Höfen umgesiedelt. Das kostet 300 bis 400 Millionen Euro. Dieser Polder soll in drei Jahren entstehen, Landwirte dürfen darin wirtschaften, solange es kein Hochwasser gibt. Wenn doch, dann kann es in die Fläche fließen, sagte Skorupa. Das kommt auch Brandenburg zugute. Denn der Hochwasserscheitel auf der Oder kann mit den Rückhalteflächen auf polnischer Seite um einen halben Meter gesenkt werden. Auch Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack ist für die Einrichtung von weiteren Poldern. Der Flutungspolder in der Neuzeller Niederung könnte im Katastrophenfall sowohl die polnische Stadt Slubice als auch das Oderbruch entlasten.

"Neuzeller Niederung ist für uns ganz wichtig. Sie waren zum Teil dabei, als das Oderhochwasser war und der Landrat gesagt hat, jetzt ist der Punkt erreicht: Neuzeller Niederung muss sein als Retentionsfläche. Es gab Einwohnerversammlungen zur Flächenbereitstellung also zum Freiziehen der Fläche, das findet weiter statt, das ist mühevoll, vorbeugenden Hochwasserschutz kann man nur mit den betroffenen Menschen machen und nicht gegen sie, da braucht man also einen langen Atem."

Allerdings sind die Verhandlungen um Flächen in der Niederung schwierig, Kleingärtner und Bauern wollen nur ungern weichen, Entschädigungszahlungen müssen finanziert werden. Da das Land keine Mittel übrig habe, wolle sie bei der EU nach Lösungen für Entschädigungszahlungen suchen. Der Neuzeller Polder ist seit dem Hochwasser 1997 in Planung. Auf einen Termin zur Eröffnung will sich die Politikerin der Partei die Linke lieber nicht festlegen:

"Nee, nein. Also wir arbeiten mit Hochdruck dran: so schnell wie möglich."

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