Die Nachrichten
Die Nachrichten

KontaktbeschränkungenPsychologin: Thema Einsamkeit enttabuisieren

Mann mit Schutzmaske sitzt auf einer Bank an der Uferpromenade.  (picture-alliance/MotionTeam/Vassilis Ververidis)
Mann mit Schutzmaske sitzt auf einer Bank an der Uferpromenade. (picture-alliance/MotionTeam/Vassilis Ververidis)

Im zweiten Corona-Lockdown leiden einer Studie zufolge offenbar weitaus mehr Menschen unter Einsamkeit als im ersten.

Die Psychologin Susanne Bücker sagte im Deutschlandfunk, im Frühjahr 2020 hätten die Menschen vielfach noch über Ressourcen verfügt, die die durch die Kontaktbeschränkungen verursachte Einsamkeit abgepuffert hätten. Inzwischen seien finanzielle Rücklagen aber aufgebraucht und das Stresslevel sei bei vielen so hoch, dass bewährte Strategien nicht mehr wirkten.

Nach Angaben der Forscherin an der Ruhr-Universität Bochum sind vor allem Ältere sowie junge Menschen im Alter zwischen 19 und 29 Jahren betroffen. Junge Erwachsene brauchten zahlreiche soziale Kontakte, betonte Bücker. Für sie sei es wichtig Freundschaften und romantische Beziehungen zu entwickeln, auch um die eigene Identität und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Im hohen Lebensalter sei man dagegen insgesamt weniger mobil, was die Teilhabe am sozialen Leben schwieriger mache. Bücker betonte, überraschenderweise fühlten sich junge Eltern im Schnitt einsamer als Menschen ohne Kinder. Der Grund: Sie könnten durch die Situation mit Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung nicht mehr frei über ihre Zeit verfügen.

Einsamkeit immer noch Tabuthema

Bücker sprach sich außerdem für mehr Aufklärung rund um das Thema Einsamkeit aus. Das Gefühl sei immer noch stark tabuisiert. Viele Menschen empfänden es als persönlichen Makel, dass sie es nicht geschafft hätten, soziale Beziehungen aufzubauen, die sie glücklich machten. Dadurch entstehe ein Schamgefühl. Sie hoffe, dass Einsamkeit nicht mehr nur als privates, sondern auch als gesellschaftliches Problem betrachtet werde.

Diese Nachricht wurde am 21.02.2021 im Programm Deutschlandfunk gesendet.