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StartseiteFirmenporträtGründer treffen Förderer23.01.2015

Kontaktplattform "Masterhora"Gründer treffen Förderer

Unternehmensgründer sind jung, hip und hauptsächlich in Berlin und Hamburg unterwegs, heißt es oft. Stimmt aber nicht. Jeder vierte Gründer ist älter als 45. Und viele Über-60-Jährige haben wertvolle Erfahrungen als Unternehmer, mit denen sie Gründer und ihre Ideen unterstützen können. Die einen zu den anderen zu bringen, ist das Geschäftsmodell der Business-Plattform "Masterhora".

Von Michael Braun

Ein rosa Sparschwein mit vielen Eurogeldscheinen.
Existenzgründer brauchen know how, Glück und Kapital.
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Weiterführende Information

Insolvenzrecht - Schneller raus aus den Schulden
(Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 01.07.2014)

Weniger Existenzgründer
(Deutschlandfunk, Wirtschaft am Mittag, 21.05.2013)

Kaputtgespart
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 03.01.2012)

Ein Abend im Frankfurter Restaurant "Balance". Viele Braun- und Rottöne, Sitzecken mit Lederimitat bezogen in Gelb. Die Küche italienisch und griechisch, alles nichts Exklusives, aber ein beliebter Treffpunkt im Stadtteil Bockenheim. Klara Kletzka ist zum "Gründerstammtisch" gekommen. Sie ist die geschäftsführende Gesellschafterin des privaten Frankfurter Dialogmuseums. In ihrem Museum ist es dunkel. Dort sind Blinde die Experten. Sie führen die Sehenden. Es ist ein Projekt des Social Business. Und bis die Gelder dafür zusammen waren, hat Klara Kletzka schwer geschuftet:

"Man muss unglaublich risikobereit sein. Das ist das eine. Mutig. Ausdauer zeigen. Und dann entsprechend wie so'n Trüffelschwein auf die Suche gehen, wo finde ich denn die richtigen Investoren für das Projekt, was ich gerade auf den Markt bringen möchte."

Kapitalbedarf bei Neugründungen

Solche Erfahrungen könnten interessant sein für Uwe Schacher und Ursula Vormwald. Sie arbeiten an Qualitätskriterien für Senioren- und Pflegeheimen auch für Migranten. Und irgendwann werden sie wohl Partner und Geld brauchen: "Ja, sowohl als auch. Investoren und Kooperationspartner. Denn aus diesem Projekt werden wir ja auch Erkenntnisse haben, die umgesetzt werden sollen. Und dafür wird auch wieder ein Kapitalbedarf erforderlich sein."

Knackige Ideen sind gefragt

Dafür will Marion Kopmann die Kontakte herstellen. Sie hat zum Gründerstammtisch eingeladen. Die Geschäftsführerin der Business-Plattform "Masterhora" begrüßt ihre Gäste: "Wir wollen das Kompetenzwissen, die Erfahrung von unseren Experten, die auf Masterhora sich versammelt haben, Menschen, ja, ab 55 plus, die auf eine reiche Erfahrung zurückblicken. Die möchten wir zusammenbringen mit Ihnen als Junggründer. Wobei "jung" ja nicht immer heißen muss, dass man an Jahren jung ist, sondern dass sie einfach knackige Ideen haben, wofür Sie brennen. So. Und wir wissen alle, brennen ist gut, brennen ist wichtig, aber es reicht auch nicht aus. Unternehmertum hat ganz schön schwere Füße. Da muss man Einiges für tun. Und dafür wollen wir auch was tun."

70, 80 Leute sind gekommen, ein knappes Drittel Experten ihrer Plattform, der größere Rest Gründer und Gründungswillige, die mit den Anwälten, Betriebswirten und Praktikern der Unternehmensführung zusammenkommen sollen und wollen.

Meister ihrer Zeit

Die Gründer sind nicht unbedingt jung. Jeder vierte Gründer ist heute älter als 45 Jahre. Und die Fachkräfte a.D. gehören zur Generation 50, 60 plus. Sie haben sich registrieren lassen, weil sie zwar noch arbeiten, aber nicht mehr den täglichen Stress wollen. Aus dieser Zielgruppe hat Marion Kopmann auch den literarisch inspirierten Firmenamen "Masterhora" entwickelt: "Masterhora kommt aus dem Buch von Michael Ende. Es gibt da den sogenannten Meisterhora, von Momo, eine sehr wunderbare Figur, der Wächter der Zeit. Unsere Menschen, die wir ansprechen wollen, sind Masterhoras, also Meister ihrer Zeit."

Wissensplattform und soziales Netzwerk

Viele der Älteren wollten über das Rentenalter hinaus weiterarbeiten, ihr Wissen teilen, auch verkaufen. Masterhora bietet sich dazu als Suchmaschine, Wissensplattform und soziales Netzwerk an. Den Begriff "Facebook für Senioren" mag Marion Kopmann aber nicht so: "Nein, nein gar nicht. Von der technischen Seite her ist es das sicherlich, weil es auch ein Social-Media-Netzwerk ist. Das heißt: Wir möchten die Menschen miteinander vernetzen, sie können sich sehen, sie können sich horizontal austauschen. Aber unsere Zielrichtung, ja, auf der einen Seite wenden wir uns an die Menschen 55 plus, Fach- und Führungskräfte, die auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückschauen können."

Möglichkeit der Selbstdarstellung

Die können sich bei der Plattform anmelden. Sie zahlen dafür zwölf Euro im Monat, dies für mindestens ein halbes Jahr. Sie sind die Wissensanbieter. Auf der Nachfrageseite finden sich Unternehmen. Für ihre Mitgliedschaft bei Masterhora werden im Monat mindestens 150 Euro fällig. Dafür bekommen sie, das ist das Ziel, einen flächendeckenden Zugriff auf Fach- und Führungskräfte der Generation Ü 50. Dazu Möglichkeiten der Selbstdarstellung. Sie können Webinare anbieten oder daran teilnehmen. "Also zum einen ist es wirklich das kleinere, das mittelständische Unternehmen, das einen personellen Engpass hat. Da ist dann der Ältere, die Ältere einfach eine fantastische Interimslösung. Es ist aber auch das Unternehmen, das für sich sagt: Ich möchte gerne mit meinen Experten oder mit meinen Menschen, die halt für mich sehr gute Arbeit geleistet haben und in Ruhestand gehen, mit denen möchte ich in Kontakt bleiben."

Marion Kopmann verfolgt mit alldem auch ein kommerzielles Ziel. Sie will mit Masterhora Geld verdienen. Noch scheint es nicht so weit: "Also, wir sind ja noch ein sehr junges Unternehmen. Wir stellen fest, dass die Menschen zunehmend für das, was Leistung ist, was Qualität ist, auch bereit sind zu zahlen. Und insofern bin ich auch sehr zuversichtlich, dass dieses Projekt auch weiter aufgeht."

Nicht untergehen, wenn das Unternehmen scheitert

In der Gaststätte "Balance", beim Gründerstammtisch, sind die ersten Kontakte geschaffen. Jetzt geht es an die Arbeit. Ein Jurist ist geladen und präsentiert Themen, um die kein Gründer herumkommt, das "Schwarzbrot" sozusagen, die wichtigen Fragen des unternehmerischen Alltags: "Zum einen Überlegungen zur Wahl der Rechtsform, paar steuerliche Aspekte und zum Schluss auch das neudeutsche Wort "asset protection": Wie schütze ich mein Privatvermögen?"

Auch das müssen Gründer offenbar lernen: Nicht untergehen, wenn das Unternehmen scheitert. Das passiert oft genug. Gut ein Viertel aller Unternehmenspleiten entfällt auf junge Unternehmen. Die Hoffnung an diesem Abend: Mit bezahlbarem Expertenwissen an der Hand könnte die Quote sinken, die Chance des Überlebens steigen.

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