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StartseiteKommentare und Themen der WocheAlles nur Show - von Facebook07.03.2019

Konzern will VertraulichkeitAlles nur Show - von Facebook

Dass Facebook die Privatsphäre seiner Nutzer besser schützen wolle, sei zu bezweifeln, kommentiert Manfred Kloiber. Verantwortlicher Umgang mit Inhalten werde vom Konzern nur dann großgeschrieben, wenn es darum gehe, Werbekunden nicht zu verschrecken. Das sei ein seelen- und gewissenloses Business-Modell.

Von Manfred Kloiber

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg spricht im Facebook Innovation Hub. (dpa-Bildfunk / Kay Nietfeld)
Muss immer öfter wegen Facebook die Kohlen aus dem Feuer holen: CEO Mark Zuckerberg (dpa-Bildfunk / Kay Nietfeld)
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Mann-O-Mann, der hat es nötig. Ziemlich lange hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg für die nun wirklich banale Einsicht benötigt, dass Menschen Vertrauliches auch vertraulich kommunizieren wollen. Deshalb solle nun verschlüsselte Kommunikation in andere Facebook-Dienste integriert werden. Und lange auch bis er verstand, dass nicht wirklich viele Leute daran glauben, Facebook sei eine auf Privatsphäre fokussierte Plattform. Es brauchte nicht nur ewig Zeit, sondern vor allem ordentlich Druck von außen und einen veritablen Datenskandal à la Cambridge Analytica, bis dem Internet-Konzern aus Kalifornien das Licht aufging: Das bislang völlig ungezügelte Geschäftsmodell von Facebook – es trägt in demokratisch verfassten Gesellschaften nicht auf Dauer – glücklicherweise.

Facebook ist ein Licht aufgegangen

Und es sind nicht die weglaufenden Facebook-User allüberall, die dem Konzern derzeit richtig Angst machen, sondern vor allem die massiven Strafandrohungen von Wettbewerbshütern aus den USA, aus Europa und nicht zuletzt aus Deutschland. Forderungen nach der Zerschlagung des Konzerns wie die von #deleteFacebook sind da nur die Spitze des rasant wachsenden Problemberges. Vor allem die Zusammenlegung der Messenger-Plattformen von Facebook, WhatsApp und Instagram ist mächtig umstritten. Sowohl unter Datenschützern, weil insbesondere die WhatsApp-Nutzer bislang darauf Vertrauen konnten, dass Ihre Daten nicht an Facebook weiter gegeben und zu Werbezwecken verwendet werden, als auch unter Wettbewerbshütern, weil durch die Zusammenlegung ein monopolistisches Messenger-Imperium mit mehr als drei Milliarden Nutzern entsteht.

Nicht mehr als eine Schutzbehauptung

Wenn Zuckerberg nun argumentiert, durch die Zusammenlegung werde die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, ein Basis-Konzept der vertraulichen und sicheren Digital-Kommunikation, auf mehr Dienste im Facebook-Kosmos ausgeweitet, dann erscheint sie wie eine jämmerliche Schutzbehauptung. Sie richtet sich in erster Linie an die Politik, die in vielen Staaten offen darüber nachdenkt, Facebook endlich einen ordnungspolitischen Rahmen zu verpassen.

An dieser Entwicklung ist Facebook nun wirklich selbst Schuld. Über Jahre hat es der Konzern zugelassen, dass die Plattform sich zu einer wahren Sudelmaschine von Meinungsextremisten und skrupellosen Polit-Agiteuren entwickelt hat. Immer noch lässt die Plattform junge Menschen ins offene Messer laufen, wenn sie in Facebook das eigentlich Unmögliche posten und sich bis auf die Knochen blamieren. Und immer noch geht es bei Facebook vor allem um das eine – um möglichst zielgenaue Werbung im globalen Maßstab. Verantwortlicher Umgang mit Inhalten wird von Facebook nur dann großgeschrieben, wenn es darum geht, Werbekunden nicht zu verschrecken.

Mich jedenfalls schreckt dieses seelen- und gewissenlose Business-Modell einfach nur ab. Und ich wünsche mir sehr, dass zumindest in Europa bald gute Alternativen entstehen. Einstweilen glaube ich Herrn Zuckerberg kein Wort.

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