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StartseiteKommentare und Themen der WocheBayer hat ein dickes Imageproblem27.02.2019

KonzernbilanzBayer hat ein dickes Imageproblem

Die Monsanto-Übernahme durch den Bayer-Konzern könnte sich als großer Fehler erweisen, kommentiert Klemens Kindermann. Bayer habe die Imagefragen womöglich falsch eingeschätzt. Der aktuelle Gewinneinbruch zeige, dass sich der Konzern an der Übernahme des Konzerns verhoben haben könnte.

Von Klemens Kindermann

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Das Bild zeigt das Bayer-Werk in Leverkusen im August 2016. Die Anlage ist beleuchtet, denn es ist Abend. (dpa-Bildfunk / Oliver Berg)
Bayer-Werk in Leverkusen (dpa-Bildfunk / Oliver Berg)
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Das war vor sechs Jahren: Unter dem Motto "Wir sind Bayer" feierten 30.000 Beschäftigte, Angehörige und Pensionäre ausgelassen in der BayArena den 150. Geburtstag des Unternehmens. Viel Stolz war dabei, für eine Firma zu arbeiten, die mit dem Schmerzmittel Aspirin in unzähligen Haushalten für Linderung sorgt. Heute ist alles anders: Die Mitarbeiter sehen sich mit dem größten Sparprogramm der Firmengeschichte konfrontiert, mit einem Personalabbau von 12.000 der 118.000 Stellen – ein großer Teil davon in Deutschland - und mit einem dicken Imageproblem: Statt für Aspirin steht der Konzern auf einmal für den Unkrautvernichter Glyphosat, von Konzernchef Werner Baumann heute bei der Bilanzvorlage als "sicheres Produkt" gepriesen, von der Internationalen Krebsforschungsagentur aber 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft.

Problem Glyphosat

Ob die Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto den Bayer-Konzern in die Zukunft führt oder destabilisiert, ist weiter offen. Nach dieser Woche sogar noch mehr. Denn heute musste Bayer einräumen, dass sich die Zahl der Klagen wegen des Wirkstoffs Glyphosat deutlich erhöht habe, auf jetzt 11.200. Am Montag startete bereits ein Prozess vor einem Bundesgericht in den USA, der richtungweisend sein könnte.

Faktor Mensch

Als Fehler könnte sich erweisen, dass das Bayer-Management die Monsanto-Übernahme vorwiegend nach synergetischen und bilanziellen Gesichtspunkten eingeschätzt hat. Viel wichtiger aber können der Faktor Mensch und Imagefragen sein. Zwei von drei Unternehmensübernahmen scheitern vor allem daran. War die Verlockung, den größten Zukauf eines deutschen Konzerns im Ausland mit der 63-Milliarden-Dollar-Übernahme von Monsanto zu schaffen, vielleicht zu groß?

Gewinneinbruch

Heute musste die Bayer-Führung zu allem Verdruss auch noch einen Gewinneinbruch einräumen: Der Überschuss lag um bedenkliche drei Viertel unter dem des Vorjahres. Und das in einer Zeit, in der alle Konjunkturprognosen zusammengestrichen werden und sich die Stimmung in der Weltwirtschaft deutlich eintrübt. Sollte der Konzern sich wirklich an der Monsanto-Übernahme verhoben haben, werden die härteren Bedingungen auf den globalen Märkten dies schon bald schonungslos offenlegen.

 

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

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