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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Politik ist Schuld am Bahn-Chaos17.12.2018

Konzernumbau bei der Bahn Die Politik ist Schuld am Bahn-Chaos

Die Bundesregierung hat von der Deutschen Bahn grundlegende Reformen gefordert. Bis März soll der Vorstand ein Konzept liefern. Allerdings lenke der Bahn-Eigner Bund – mal wieder – von seiner eigenen Verantwortung ab, kommentiert Silke Hahne.

Von Silke Hahne

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Bahnreisende vor einer Anzeigetafel (dpa /Martin Schutt)
Es war Ziel der Bahn-Reform, dass die DB AG dem Staat Geld einbringen möge - die Folgen werden jetzt sichtbar (dpa /Martin Schutt)
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Die Dringlichkeit, mit der die Politik aktuell Besserungen bei der Bahn einfordert, ist erstaunlich. Mehr als zwei Jahrzehnte haben wechselnde Regierungen den bundeseigenen Konzern links liegen lassen. Jetzt plötzlich soll alles ganz schnell gehen, soll eine Bahn-Reform 2.0 in weniger als drei Monaten her. Das ist ziemlich kühn.

Dabei ist das Anliegen im Kern richtig: Denn die Deutsche Bahn ist zu komplex. Rund 700 Tochterunternehmen hat die Deutsche Bahn. Von klassischen Hausmeister-Tätigkeiten bis zur Lieferung von Strom für Züge: Beinahe jede Leistung wird von einer eigenen Gesellschaft für die anderen Konzernteile erbracht. Bloß den Überblick hat niemand, und an einem Strang ziehen die vielen Unternehmen erst recht nicht.

Investitionsstau mittlerweile gigantisch

Zudem erwirtschaftet die Deutsche Bahn fast die Hälfte ihres Umsatzes mit Geschäften, die rein gar nichts mit Schienenverkehr in Deutschland zu tun haben. Die wartenden Kunden auf den zugigen Bahnsteigen können sich also zu Recht fragen, ob man sich im Berliner Bahn Tower hundertprozentig darauf konzentriert, sie zuverlässig von A nach B zu bringen.  

Das alles muss sich ändern, damit haben Regierung und Opposition Recht. Bloß tun sie dabei so, als habe die Politik damit nichts zu tun. Das ist zwar verständlich - wer will schon Schuld an diesem Chaos sein. Eine Nebelkerze zündet die Politik dennoch, wenn sie jetzt auf den Bahn-Vorstand zeigt, als sei dieser allein für die Misere und deren Behebung verantwortlich.   

Nicht nur haben wechselnde Regierungen aller Couleur dem organisatorischen Wildwuchs bei der Bahn in den vergangenen 25 Jahren zugeschaut. Im Gegenteil: Es war ja sogar ein Ziel der Bahn-Reform, dass die DB AG dem Staat Geld einbringen möge. Und so wurde am heimischen Markt gespart, in Wachstumsmärkten abseits der Schiene expandiert. Die absehbaren Folgen für den Personen- und Güterverkehr hierzulande wurden ignoriert. Obendrein kam der Staat seiner finanziellen Verantwortung für die Schienen-Infrastruktur nicht nach. Der Investitionsstau ist mittlerweile gigantisch.

Politik muß endlich die Wahrheit sagen

Aktuell ist es zwar wieder schick, die Bahn wichtig zu finden - der Klimawandel lässt grüßen. Doch verschleiert die Bundesregierung auch jetzt, dass sie mehr für die Schiene tun muss. Um den Bahn-Konzern neu zu ordnen, muss sie Gesetze ändern. Auch die Länder müssten mitziehen, damit sind auch Grüne, FDP und Linke in der Verantwortung. Einem Verkauf von Unternehmensteilen muss der Aufsichtsrat zustimmen - in dem aktuell so viele Regierungsvertreter sitzen wie lange nicht. Auch muss mehr Geld aus dem Haushalt in die Infrastruktur fließen.

Und selbst dann bleibt die verschleppte Kurskorrektur eine Mammutaufgabe mit ungewissem Ausgang. Auch in dieser Hinsicht muss sich die Politik ehrlich machen: Die Bahn wieder in die Spur zu bringen wird teuer, langwierig - und für die Fahrgäste eine Geduldsprobe auf Jahre.

Silke Hahne (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)Silke Hahne (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)Silke Hahne, Jahrgang 1987, hat in Münster und Leipzig Kommunikationswissenschaft und Hörfunkjournalismus studiert, jeweils mit dem Schwerpunkt Wirtschaft/Finanzen. Sie war Freie Mitarbeiterin bei mehreren MDR-Hörfunkwellen, anschließend Volontariat beim Deutschlandradio. Sie arbeitet in der Deutschlandfunk-Redaktion "Wirtschaft und Gesellschaft".

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