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StartseiteInterview"Die Hochschulen sind sehr glücklich"19.12.2014

Kooperation von Bund und Ländern"Die Hochschulen sind sehr glücklich"

Die finanzielle Lage von Hochschulen in Deutschland werde sich mit dem gelockerten Kooperationsverbot definitiv verbessern, sagte Ulrike Beisiegel, Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, im DLF. Der Bundesrat hat heute einer Grundgesetzänderung zur besseren Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern im Hochschul- und Wissenschaftsbereich zugestimmt.

Ulrike Beisiegel im Gespräch mit Kate Maleike

Ulrike Beisiegel (picture alliance / dpa / Swen Pförtner)
Ulrike Beisiegel (picture alliance / dpa / Swen Pförtner)
Weiterführende Information

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU): Herausragende Hochschulen fördern 
(Deutschlandfunk, Interview, 19.12.2014)

Hochschulpolitik - Bundesrat stimmt Lockerung des Kooperationsverbots zu
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 19.12.2014)

Der Bund kann also nun dauerhaft Wissenschaft und Hochschulen fördern. Und durch die Änderung der BAföG-Finanzierung ergeben sich zusätzlich noch mehr Spielräume in den Ländern für Bildungsinvestitionen. Beides wird von der Ressortministerin Johanna Wanka, wie wir gehört haben, sehr begrüßt, verbunden mit der Hoffnung allerdings, dass die Hochschulen diese neue Verlässlichkeit, so will ich das jetzt mal formulieren, auch nutzen. Wie das geschafft werden kann, darüber möchte ich jetzt sprechen mit Ulrike Beisiegel. Sie ist Präsidentin der Uni Göttingen und Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. Guten Tag, Frau Beisiegel!

Ulrike Beisiegel: Guten Tag!

Maleike: Dauerhaftes Engagement des Bundes, wie stellen sich das eigentlich die Hochschulen konkret vor?

Beisiegel: Die Hochschulen sind darüber sehr glücklich, das muss man sagen. Die Lockerung des Kooperationsverbots war für uns sehr wichtig, weil es viele Dinge gibt in den Hochschulen, die mit Infrastruktur zu tun haben, bauliche Infrastruktur, Forschungsinfrastruktur, im Sinne von Informationsinfrastruktur, also Informationstechnik, aber auch Forschungsinfrastruktur. Das sind sehr, sehr große Finanzvolumina, die wir brauchen, um die Hochschulen überhaupt zukunftsfähig zu machen. Also, das ist ja die Grundbasis, dass man Häuser hat und Forschungsgeräte. Und in diesem Sinne ist die Unterstützung des Bundes extrem wichtig, das können die Länder nämlich nicht alleine.

Einige Universitäten und Hochschulen haben schon Konzepte erarbeitet

Maleike: Wo werden die Hochschulen da selbst aktiv werden?

Beisiegel: Wir werden natürlich selbst aktiv werden, indem wir wissen, in welche Forschungsinfrastruktur wir investieren müssen. Das heißt zum Beispiel, Großgeräte gemeinsam in einer Hochschule oder sogar in einem Forschungsstandort, also am Campus zu nutzen und diese dann eben von Bund und Ländern, in diesem Falle insbesondere Bund, fördern zu lassen.

Maleike: Ein großes Problem ist ja auch der wissenschaftliche Nachwuchs. Hier besteht dringend Handlungsbedarf. Neue Studien zum Beispiel haben gezeigt, dass über 80 Prozent der jungen Forscher Zeitverträge haben und sich gern leider auch mal oft von Beschäftigung zu Beschäftigung hangeln. Dauerhafte Gelder könnten doch hier auch dauerhafte Perspektiven bringen, oder?

Beisiegel: Das ist sehr, sehr wichtig. Wir haben ja von der Hochschulrektorenkonferenz den sogenannten Orientierungsrahmen herausgegeben, in dem wir uns ganz, ganz viel Gedanken gemacht haben zur Frage, wie können wir wissenschaftliche Karrieren an den Hochschulen attraktiver machen, nämlich genau mit dem Punkt, dass sie auch eine dauerhafte Beschäftigung haben können. Es gibt zwei Arten von Wissenschaftlerinnen- und Wissenschaftlerstellen an der Universität, einmal Qualifizierungsstellen, das sind befristete Stellen für Doktoranden zum Beispiel, aber dann muss man natürlich als Nachwuchswissenschaftler auch mal die Chance haben, eine Dauerstelle zu kriegen. Das heißt, die Balance zwischen befristeten und unbefristeten Stellen, wobei die unbefristeten für Funktionen sind, wenn man eine wichtige Dauerfunktion an der Universität hat, muss es auch eine Dauerstelle sein. Damit beschäftigt sich dieses Papier und die Hochschulen erarbeiten gerade Konzepte, um das auch umzusetzen.

Maleike: Das heißt, da kommt definitiv Besserung im nächsten Jahr?

Beisiegel: Da kommt definitiv Besserung. Ich weiß, dass einige Universitäten und Hochschulen auch schon Konzepte erarbeitet haben, das ist ein ganz wichtiges Thema und da kommt Besserung. Man braucht dafür aber auch – und das haben Sie am Anfang angesprochen – natürlich Geld. Das heißt, der Bund ist da auch wohl bereit, zusammen mit den Ländern auch Stellen einzurichten – und zwar Stellen, die überhaupt dieses ganze Konzept der Personalentwicklung, und zwar Personalentwicklung für akademisches Personal … –, voranzutreiben, und Geld für Stellen im Mittelbau, so nennen wir das ja oft, nämlich Stellen in der Wissenschaft neben der Professur.

Das Paket war sehr wichtig für die Hochschulen

Maleike: Aber Sie haben ja auch den Hochschulpakt jetzt gerade auch mit abgeschlossen. Das heißt, darüber kommen auch noch mal Gelder ins Hochschulsystem. Alles in allem ein guter Monat für Deutschlands Hochschulen, oder?

Beisiegel: Das ist richtig, das haben wir ja auch zum Ausdruck gebracht. Ich glaube, dass das Paket der Beschlüsse, was es jetzt gibt, für die Hochschulen sehr wichtig war.

Maleike: Sagt Ulrike Beisiegel, Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. Sie ist auch Präsidentin der Uni Göttingen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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