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StartseiteSport am Wochenende"Es bräuchte den Druck der großen Mitgliedsverbände"11.04.2020

Korruptionsvorwürfe der US-Justiz"Es bräuchte den Druck der großen Mitgliedsverbände"

Nach neuen Bestechungsvorwürfen gegen Ex-FIFA-Funktionäre im Zuge von WM-Vergaben fordert der Europaabgeordnete Daniel Freund (Grüne) im Dlf-Gespräch einen radikalen Wandel. Wenn sich Strukturen in der FIFA nicht änderten, müssten sich die europäischen Nationalverbände zurückziehen.

Daniel Freund im Gespräch mit Marina Schweizer

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Logo der FIFA vor dunklem Himmel (FABRICE COFFRINI / AFP)
FIFA-Zentrale in Zürich (FABRICE COFFRINI / AFP)
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Zweieinhalb Jahre vor der Winter-WM in Katar werden der umstrittene Gastgeber und der Fußball-Weltverband FIFA von brisanten Details im US-FIFA-Prozess getroffen. Bestechung von insgesamt vier Ex-Funktionären, verschwörerische Mails, Zahlungen über Strohfirmen in der Karibik: So deutlich wie nie zuvor skizzierte die Staatsanwaltschaft unter der Woche auf 70 Seiten in einer offiziellen Anklageschrift den mutmaßlichen Betrug bei den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022.

"Vergabeverfahren funktioniert nicht"

Daniel Freund, Europaabgeordneter der Grünen und Mitglied im Korruptionsausschuss, spricht sich daher im Dlf-Interview für eine grundlegende Reform der FIFA aus. "Wenn man Verbände hat, die an sich schon Probleme mit Korruption haben in vielen Teilen der Welt und wenn man eine ganze Anzahl von Verbänden hat, die den Großteil ihres Geldes von der FIFA bekommen und die sind dann diejenigen, die die FIFA kontrollieren sollen - dieser Mechanismus, der funktioniert nicht."

27.05.2019, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Daniel Freund, neu gewähltes Mitglied im Europaparlament für Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen, steht am Rheinufer an einem Baum. Hier äußern sie sich zu den Ergebnissen der Europawahl. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)Daniel Freund, Europaabgeordneter der Grünen (picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)

Auch das WM-Vergabeverfahren der FIFA müsste geändert werden: "Weltmeisterschaften - da geht es um sehr, sehr viel Geld und wenn eine kleine Gruppe von Menschen - wo man oft nicht weiß, wie die eigentlich ausgewählt werden von den nationalen Verbänden - wenn die solche Entscheidungen treffen, dann ist das Risiko für Korruption so groß, dass man es in dieser aktuellen Struktur der FIFA nicht unter Kontrolle bekommt." Freund spricht aus Erfahrung: Er war bis 2019 fünf Jahre bei Transparency International tätig und hat untersucht, wie Korruption in Institutionen hineinwirkt.

Freunds Vorschlag: FIFA als Aktienunternehmen in den USA

Einen Vorschlag, wie das Problem zu lösen sei, bringt Daniel Freund auch ins Spiel: Die FIFA könne zu einem Aktienunternehmen in den USA werden. Dann sei sichergestellt, dass die normalen Kontrollmechanismen in den USA greifen und die amerikanische Justiz hätte direkt Zugriff.

"Man würde dieselben Transparenzregeln wie für börsennotierte Unternehmen in den USA anwenden, dann ist die Kontrolle viel besser möglich und ich glaube auch angemessener, was insgesamt das Finanzvolumen dieser Organisation angeht." Um das durchzusetzen, müssten die großen Nationalverbände, wie Deutschland und Frankreich, ihren Einfluss geltend machen. "Die europäischen Verbände müssten im Grunde sagen: So wie die aktuelle Struktur ist: Das geht nicht!" Freund sieht als letzte Option den Austritt aus der FIFA: "Notfalls müssten sich die Europäer aus den aktuellen Strukturen zurückziehen."

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