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StartseiteForschung aktuellKosmische Kehrtwende04.08.2008

Kosmische Kehrtwende

US-Präsidentschaftskandidat Obama will mehr Shuttle-Flüge

<strong>Raumfahrt. - 2010, so wies US-Präsident George Bush die Weltraumbehörde Nasa an, solle das Space Shuttle zum letzten Mal ins All aufbrechen. Barack Obama indes würde - mangels einer Transport-Alternative - die Raumfähren gerne länger einsetzen.</strong>

Von Guido Meyer

Barack Obama schließt eine verlängerte Dienstzeit der Space Shuttles nicht aus. (Nasa)
Barack Obama schließt eine verlängerte Dienstzeit der Space Shuttles nicht aus. (Nasa)

Der "Falke" fliegt – in der Nacht zu Sonntag hob zum dritten Mal eine Falcon-1-Rakete der kalifornischen Firma SpaceX ab, um unter anderem ein Sonnensegel der US-Raumfahrtbehörde Nasa ins All zu schießen. Alle Systeme arbeiten normal, die erste Stufe zündet ohne Probleme und trägt die Rakete in die Höhe. Eine Kamera an Bord blickt zurück auf die Erde und zeigt die idyllischen Marshall-Inseln im Pazifik immer kleiner werdend. Doch etwa zweieinhalb Minuten nach dem Start bricht die Übertragung plötzlich ab.

Eine "Anomalie” ist aufgetreten, die sich später als die fehlgeschlagene Trennung von erster und zweiter Stufe herausstellen wird. Die Rakete wird aus Sicherheitsgründen gesprengt. Zum dritten Mal erreicht eine Falcon 1 nicht die vorgesehene Umlaufbahn. Kein gutes Omen für die Zeit nach 2010, wenn Raketen der Firma SpaceX Nutzlast zur Internationalen Raumstation (ISS) transportieren sollen, und später auch Menschen.

Ungefähr zur gleichen Zeit auf der anderen Seite des Globus: In Titusville, Florida, in unmittelbarer Nähe zum Kennedy Space Center, hält Barack Obama seine erste Rede zur Weltraumpolitik. Vor diesem Fachpublikum vollzieht der Präsidentschaftsanwärter eine Wende. Wollte er bislang die Entwicklung eines Shuttle-Nachfolgers hinauszögern, um zunächst mehr Geld in die Bildung zu stecken, will er sie nun beschleunigen. Nach 2010, wenn die Raumfähren stillgelegt sind, würden die USA auf Raumschiffe der Russen angewiesen sein, um weiter im Weltraum präsent zu sein, so Obama. Da auch auf private Anbieter wie SpaceX mit seinen Falcon-Raketen kein Verlass zu sein scheint, prescht Obama nach vorne:

"Um mich klar auszudrücken: Wir können unsere Führungsrolle im Weltraum nicht auf’s Spiel setzen. Deswegen werde ich die Lücke schließen zwischen dem Ausrangieren der Fähren-Flotte und der Inbetriebnahme ihres Nachfolgers. Wir werden mindestens einen weiteren Space-Shuttle-Flug nach 2010 durchführen, die Nasa mit den entsprechenden Finanzmitteln ausstatten und die Entwicklung eines Shuttle-Nachfolgers beschleunigen."

Dass die neuen Orion-Raumschiffe nach derzeitigen Planungen erst 2015 an den Start gehen dürften, liegt nicht an deren technischer Entwicklung, sondern an zu wenig dafür eingeplanten Geldern im jährlichen Nasa-Budget. Würde dieses erhöht und flögen die Fähren länger, könnte es einer neuen Administration in der Tat gelingen, die Lücke komplett zu schließen. Unmittelbar davon profitieren dürfte ein Anti-Materie-Spektrometer, das fertig entwickelt, gebaut und bezahlt ist und derzeit auf dem Boden auf eine Fluggelegenheit ins All wartet. Und Obama will noch mehr:

"Wir brauchen eine umfassende Vision für die nächsten Schritte bei der Erforschung des Weltraums. Deswegen werde ich den Nationalen Luft- und Raumfahrtrat wieder einführen, der einen Plan für die Erforschung des Sonnensystems ausarbeiten soll. Dieser Plan soll bemannte und unbemannte Missionen einschließen, internationale Partner und den privaten Sektor."

Das Weiße Haus – noch unter George Bush – wurde bereits letzte Woche von der Nasa direkt kontaktiert und über ihre Funde auf dem Mars unterrichtet, die über die bloße Entdeckung von Wasser hinausgehen. Verschiedene Quellen in den USA berichten über die mögliche Entdeckung von Bakterien durch die Sonde Phoenix in der Nähe des Mars-Nordpol. Dies käme dem erstmaligen Nachweis von außerirdischem Leben gleich, einer zweiten Evolution, direkt auf unserem Nachbarplaneten – eine Entdeckung, die konservativ-religiösen Kreisen um Präsident Bush aus ideologischen Gründen nicht willkommen sein kann. Ob und was das Phoenix-Team davon veröffentlichen wird, will die Nasa noch diesen Monat entscheiden.

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