Mittwoch, 29.01.2020
 
Seit 16:00 Uhr Nachrichten
StartseiteVerbrauchertippAbzocke mit überteuerten Handyverträgen 24.12.2019

Kostenfalle SmartphoneAbzocke mit überteuerten Handyverträgen

Teure Handyverträge mit langen Laufzeiten sind keine Seltenheit. Um nicht auf die Verkaufsmaschen der Berater reinzufallen, sollten Kunden vorab überlegen, wie sie ihr Handy nutzen wollen. Auf keinen Fall sollten sie den Vertrag vor Ort unterschreiben, denn das kann teuer werden.

Von Julia Weigelt

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Seniorin hält ein Smartphone in der Hand.  (imago/Mint Images)
Gerade älteren Menschen oder Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen werden oft völlig unpassende Smartphoneverträge aufgeschwatzt (imago/Mint Images)
Mehr zum Thema

@mediasres im Dialog Was dürfen Ihre Kinder am Smartphone?

Smartphone Apps zum Bezahlen - zwischen Komfort und Datenschutz

Gebraucht-IT Smartphone & Co: Tipps für den Kauf aus zweiter Hand

Neue Regeln fürs Online-Banking Ohne Smartphone wird es schwierig

Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg wird richtig sauer, wenn sie von Opfern der Handy-Abzocker erzählt. Etwa von der alten Dame mit wenig Geld. Sie hatte ein schlichtes Tastenhandy ohne Internetfunktion, und wollte im Handyladen einen ganz schlichten Vertrag dazu haben. 

"Und sie hat dann einen Vertrag bekommen mit sechs Gigabyte und LTE-Option. Also es liegt auf der Hand, dass das überhaupt nicht zu diesem Handy passt. Und natürlich noch zwei weitere Telefonverträge und einen Festnetzvertrag."

Oder die junge Frau, die von Sozialleistungen lebte. Sie wollte eigentlich nur ihren 30-Euro-Vertrag verlängern. Im Handyladen wurden ihr allerdings noch zwei weitere aufgeschwatzt. Mehrpreis: 80 Euro pro Monat und das für die nächsten zwei Jahre.

"Das erstaunt mich schon und verärgert mich auch sehr. Weil die Leute nämlich dann oftmals nicht die Nerven haben, einen Prozess durchzustehen. Das heißt, sie zahlen die Verträge dann, obwohl sie ganz schön über den Tisch gezogen worden sind."

Für im Laden unterschriebene Verträge gilt kein Widerrufsrecht

Viele Betroffene fallen erst mal aus allen Wolken, wenn sie merken: Bei Vertragsabschlüssen im Handyladen gibt es kein Widerrufsrecht. Davon seien nämlich viele ausgegangen, erzählt die Hamburger Verbraucherschützerin. Ein Widerrufsrecht haben Kunden allerdings nur bei Vertragsabschlüssen per Telefon, Fax oder Internet. 

Um nicht in die Falle zu tappen, rät Julia Rehberg: Keine Verträge direkt im Laden unterschreiben, sondern die Unterlagen mitnehmen und zu Hause in Ruhe durchlesen. Dann laufen die Tricks der Profi-Verkäufer ins Leere. Dazu gehört, Kunden ganz viele Zettel auf einmal vorzulegen oder mit scheinbar geschenktem Zubehör zu ködern. Denn die Verkäufer sind unter Druck: Sie werden auf Provisionsbasis bezahlt, sagt die Hamburger Verbraucherschützerin. Jeder neue Vertragsabschluss bedeutet mehr Gehalt. 

Das Problem kennt auch Boris Wita vom Onlineportal Marktwächter, das vom Bundesverband der Verbraucherzentralen betrieben wird und dafür auch Geld vom Bund bekommt. Besonders betroffen sind laut Wita Senioren und Menschen, die nicht gut Deutsch können. Boris Wita:

"Die nur einen ganz kostensparenden Handyvertrag haben wollen, um mit ihren Angehörigen in der Heimat zu telefonieren. Denen schwatzt man dann gleich ein Kombiprodukt auf mit DSL, mit Fernsehen, alles, was geht. Und die begreifen natürlich gar nicht, was sie da abgeschlossen haben."

Vorher Preise einholen und mit dem Ladenpreis vergleichen

Um sich vor solcher Abzocke zu schützen, rät Wita: vorher Preise einholen und dann vor Ort mit dem Ladenpreis vergleichen. Und:

"Wenn ich generell das Gefühl habe: Ich könnte hier vielleicht überfordert werden, nehmen Sie jemanden mit, der etwas souveräner neben Ihnen steht und der im Nachgang sagen kann: Du, pass mal auf: Das ist überhaupt nicht das, was du wolltest."

Verbraucherschützer fordern generelles Widerrufsrecht

Damit Kunden besser vor den Verkaufsmaschen geschützt werden, fordern Verbraucherschützer wie Julia Rehberg ein Widerrufsrecht - auch für Verträge, die im Laden geschlossen werden. 

"Also da sollte was getan werden. So lange es dieses Provisionsmodell gibt, wird sich sonst nichts ändern."



Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk