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StartseiteUmwelt und VerbraucherVerbraucherschützer: "Banken verdienen auch mit Gratis-Konten" 07.02.2020

Kostenlose Girokonten Verbraucherschützer: "Banken verdienen auch mit Gratis-Konten"

Mit kostenlosen Girokonten machten Banken früher gerne Werbung. Heute ist das anders. Selbst die Direktbank ING verabschiedet sich nun davon. Es gebe dennoch "zuhauf" kostenfreie Konten, sagte Verbraucherschützer Niels Nauhauser im Dlf. Denn Banken würden damit gutes Geld verdienen.

Niels Nauhauser im Gespräch mit Georg Ehring

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Ein Bankkunde hebt in Hamburg mit seiner Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab. (dpa-Bildfunk / Angelika Warmuth)
Beim Bezahlen mit Karte verdient die Bank jedes Mal mit, auch wenn das Konto kostenfrei ist (dpa-Bildfunk / Angelika Warmuth)
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Georg Ehring: Immer mehr Banken führen Entgelte für die Kontoführung ein. Nun auch die ING, vormals ING-Diba, eine große Direktbank ohne Filialen: Bei weniger als 700 Euro Geldeingang im Monat kostet die Kontoführung für die meisten Kunden künftig 4,90 Euro. Darüber spreche ich jetzt mit Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wo finde ich denn noch kostenlose Girokonten?

Nauhauser: Es gibt schon noch zuhauf kostenfreie. Da muss man sich dann auf Vergleichsseiten im Internet informieren oder bei der Stiftung Warentest. Die bieten auch regelmäßig solche Anbietervergleiche an.

"Abschreckungsentgelt für Zweitkonten"

Ehring: Bei der ING wird wie bei anderen Banken aber jetzt auch ein Konto für niedrige monatliche Geldeingänge kostenpflichtig. Zielt das vor allem auf ärmere, weniger attraktive Kunden?

Nauhauser: Na ja, das muss ja am Ende so sein, weil wer weniger als 700 Euro im Monat auf dem Konto hat, wird tendenziell ärmer sein – außer es ist sein Zweitkonto, und da sind natürlich auch einige Banken hinter her. Ein Zweitkonto, das nur wenig genutzt wird, das wollen sie natürlich ungern, weil sie damit auch kein Geld verdienen können. Die Banken können diesen Kunden dann möglicherweise nicht noch andere Produkte verkaufen, zur Altersvorsorge, Versicherungen, Dispokredite, Ratenkredite. Und dann ist es natürlich auch ein Abschreckungsentgelt für diese Zweitkonten, an denen sie nichts verdienen.

Ehring: Man kann das Konto dann aber doch unter Umständen gebührenfrei machen, indem man einfach ein bisschen mehr Geld hin- und herschiebt?

Nauhauser: Das wäre denkbar. Man kann per Dauerauftrag einfach die geforderten 700 Euro überweisen. Das wäre möglich. Und es gibt auch noch die Möglichkeit, ein Basiskonto zu behalten. Das ist wohl auch bei der ING, wie man jetzt gelesen hat, weiterhin kostenfrei. Ein Basiskonto ist ein bisschen ein abgespecktes Girokonto. Man kann das nicht überziehen, kriegt auch keine Kreditkarte dazu, aber ansonsten hat es die wesentlichen Eigenschaften des Girokontos.

Banken verdienen auch mit kostenlosen Konten

Ehring: Wie wichtig ist eigentlich die kostenlose Kontoführung, wenn ich wenig Service und Beratung habe? Sind da möglicherweise andere Posten viel wichtiger?

Nauhauser: Ganz kostenlos sind auch die kostenlosen Konten nicht, denn die Banken verdienen auch daran Geld, und zwar selbst dann, wenn sie nicht viele andere Verträge verkaufen. Denn immer dann, wenn ein Verbraucher mit einer Kreditkarte oder mit einer Girokarte im Handel bezahlt, bei jeder unbaren Transaktion, verdienen die Banken.

Deshalb haben sie natürlich auch ein Interesse an den Gehaltskonten, wo regelmäßig auch die Karte eingesetzt wird. Das sieht der Verbraucher nicht. Wenn man an der Ladenkasse 100 Euro per Karte bezahlt, sieht man ja nicht, dass davon ein Teil an die Bank geht. Aber die Banken haben natürlich ein Interesse, dass diese Gehaltskonten und Konsumkonten bei ihnen geführt werden, weil sie damit auch Geld verdienen.

Die andere Frage: Ja, es gibt viele weitere Posten. Bei der Altersvorsorge, bei Krediten, bei Versicherungen, da verdienen die Banken oftmals ein Vielfaches dessen, was beim Girokonto fällig wird.

Ehring: Können Sie ein paar Beispiele nennen, worauf man besonders achten sollte?

Nauhauser: Ganz aktuell verdienen die Banken bei Konsumkrediten gutes Geld. Das sind oft mal fünf, sechs, sieben Prozent pro Jahr. Unser Tipp ist: Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, auch mal eine Anschaffung auf Pump zu tätigen. Aber wenn man ein bisschen langfristiger plant, dann sollte es möglich sein, das Geld zur Seite zu legen, und dann muss man die teuren Dispozinsen oder teuren Ratenkreditzinsen nicht bezahlen.

Wenn man dann doch so einen Kredit aufnimmt, dann bitte darauf achten, dass man vielleicht Versicherungen nicht unbedingt abschließt, denn die Banken verkaufen sehr gerne lukrative Restschuldversicherungen. Da sind enorme Provisionen drin. In der Altersvorsorge: Das kennt vielleicht jeder auch mittlerweile aus der Diskussion um die Riester-Rente. Da werden gerne 2.000 bis 4.000 Euro an Provision fällig. Da ist auch unser Rat, ein bisschen skeptisch zu sein und sich nach Alternativen umzuschauen, die auch die Stiftung Warentest regelmäßig vergleicht.

"Bei Altersvorsorgeprodukten der Bank auf die Kosten achten!"

Ehring: Das heißt, bei solchen Produkten explizit zu gucken, wie sind die Kosten. Sind die denn überall auch tatsächlich transparent?

Nauhauser: Es ist tatsächlich nicht so einfach, das zu sehen. Bei Wertpapieren, Investmentfonds und Zertifikaten, da kriegen die Verbraucher vor dem Kauf eine Anlegerinformation. Mittlerweile, wenn Sie so eine Anlage-Order im Internet-Banking eingeben, kriegen Sie auch in Ihr elektronisches Postfach eine vorvertragliche Kosteninformation. Da kann man natürlich reingucken. Das ist auch unser Appell: Schauen Sie da rein, denn manche dieser Produkte, die die Banken verkaufen, sind extrem teuer.

Bei der Altersvorsorge macht sich das durchaus bezahlt. Viele sagen ja, man müsste jetzt unbedingt ins Risiko gehen, sonst gibt es eh keine Zinsen mehr. Dann werden gerne Aktienfonds und Fondspolicen und fondsgebundene Rentenversicherungen verkauft. Nur schaut man sich dann genau diese vorvertraglichen Informationen an, die die Anbieter aushändigen müssen, dann stellt man fest, dass oftmals ein bis zwei Prozent laufende Kosten pro Jahr verlangt werden. Das wirkt sich bei der Altersvorsorge massiv aus. Da heißt es dann bei lang laufenden Verträgen, die Rente ist nur halb so hoch allein wegen dieser Kosten.

Ehring: Noch ganz kurz zum Thema Negativzinsen auf Tagesgeldkosten. Denen kann man noch ganz gut ausweichen?

Nauhauser: Ja! Dass Negativzinsen oder sogenannte Verwahrentgelte verlangt werden, ist eher selten der Fall. Wir haben auch schon gegen Negativzinsen erfolgreich geklagt. Tipp unsererseits ist: Das Sparbuch ist verschont von Negativzinsen. Und beim Girokonto bitte sich nicht alles gefallen lassen, denn wer schon ein Entgelt für das Girokonto bezahlt, da darf die Bank kein weiteres Entgelt für die Verwahrung verlangen. Das ist unseres Erachtens rechtswidrig. Einige Institute probieren das trotzdem und da wäre unser Tipp, bei der Verbraucherzentrale beschweren, die kümmert sich dann darum.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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