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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine gute Wahl - auch für Deutschland07.12.2018

Kramp-Karrenbauer neue CDU-ChefinEine gute Wahl - auch für Deutschland

Mit der Entscheidung für Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Vorsitzende stellt sich die CDU in vielerlei Hinsicht besser für die Zukunft auf, als sie es mit Friedrich Merz getan hätte, kommentiert Christine Heuer. Das sei auch eine gute Botschaft für Deutschland.

Von Christine Heuer

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Annegret Kamp-Karrenbauer bei ihrer Bewerbungsrede um den CDU-Vorsitz (dpa/Christian Charisius)
Die zweite Frau an der Spitze der CDU: Annegret Kramp-Karrenbauer tritt die Nachfolge von Angela Merkel an (dpa/Christian Charisius)
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"Ich kann, ich will, und ich werde" - mit diesem Dreisatz ist Annegret Kramp-Karrenbauer Anfang des Jahres Generalsekretärin der CDU geworden. "Wir können, wir wollen, und wir werden" – mit diesem Dreiklang hat AKK heute in Hamburg ihre Partei für sich gewonnen. Die neue CDU-Vorsitzende ist eine gute Wahl - für die CDU, und auch fürs Land.

Anders als Friedrich Merz kommt Kramp-Karrenbauer aus der Mitte der Partei. Sie ist nicht von außen eingeflogen, um die CDU zu rocken und nach 18 Jahren Angela Merkel aufzuräumen. Anders als Friedrich Merz hat AKK ihr Engagement für die Partei glaubwürdig belegt mit ihrem Verzicht auf das Regierungsamt im Saarland. Friedrich Merz hat seine lukrativen Aufsichtsratsposten bei Black Rock und Co. lediglich ruhen lassen.

Kramp-Karrenbauer steht für die Zukunft

Anders als Friedrich Merz steht Annegret Kramp-Karrenbauer für die Zukunft. Der Polit-Wiedergänger aus dem Sauerland war als Kandidat für den CDU-Vorsitz ein Widerspruch in sich: Eine nostalgische Zukunftshoffnung für die vielen Christdemokraten, denen Angela Merkel zu liberal war, zu moderat und zu moderativ. Die sich wieder klare, auch konservative, Positionen wünschen und mehr Kampfgeist, mehr Konfrontation im Wettstreit mit dem politischen Gegner. All das bekommen die Christdemokraten jetzt. Denn in der Sache lagen die Kandidaten um den Parteivorsitz gar nicht so weit auseinander.

Die CDU wird sich verändern. Aber unter Führung einer nach innen vermittelnden Vorsitzenden und nicht mit dem Risiko, dass an der Spitze der Partei einer Spaß am Spalten haben könnte. Die Delegierten überzeugte AKK zu Recht mit ihrer entschlossenen Leidenschaft, während Friedrich Merz in seiner Bewerbungsrede mit gebremster Kraft zu fahren schien. Die Entscheidung von Hamburg ist in sich durchaus stimmig. 

CDU bekräftigt: Geschlecht nicht entscheidend

Die CDU wird nun einen Aufbruch erleben. Und das Land in spätestens drei Jahren eine neue Regierung bekommen. Das ist in der Politik eine unüberschaubar lange Zeit. Ungeheuer viel kann und wird bis 2021 geschehen. Und doch: Von heute aus betrachtet, stellt sich die CDU mit ihrer neuen Vorsitzenden auch fürs Regieren besser auf, als sie es mit Friedrich Merz getan hätte, der keinerlei Regierungserfahrung hat. Und in seinen besten Parteizeiten mit allem möglichen punkten konnte, aber nicht mit diplomatischem Geschick. Das ist auch eine gute Botschaft für Deutschland: Dass die größte Volkspartei nicht mal auf den Anflug von Populismus setzt – obwohl der gerade so eine gute Konjunktur hat. 

Schließlich: Als Angela Merkel Bundeskanzlerin wurde, da titelte die "taz": "Es ist ein Mädchen". Jetzt ist es wieder ein Mädchen - im CDU-Vorsitz. Ausgerechnet die Partei, in der viele Alpha-Männer von einst sich abgehängt fühlten und fühlen von Merkel und ihrem Girls Camp, ausgerechnet die CDU bekräftigt mit ihrer Wahl heute, dass das Geschlecht in Macht- und Durchsetzungsfragen nicht entscheidend ist. Auch das allemal ein Anlass zur Freude.

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