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StartseiteWirtschaft und GesellschaftAOK fordert Zentralisierung und Spezialisierung19.03.2018

KrankenhäuserAOK fordert Zentralisierung und Spezialisierung

Die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland sinkt - für einige Experten sind es aber immer noch zu viele. Der AOK-Bundesverband fordert, dass Bund und Länder bis 2025 ein Zielbild entwickeln, wie die stationäre Versorgung künftig aussehen soll: Die Kliniken müssten stärker zentralisiert werden und sie müssten sich spezialisieren.

Von Paul Vorreiter

Eine Krankenpflegerin der Onkologie im Klinikum in Nürnberg (Bayern) steht am 01.07.2015 im Flur der Station an einem Pflegewagen.  (dpa /  Daniel Karmann)
Im Jahr 2016 gab es noch rund 1.950 Krankenhäuser - 320 weniger als noch vor 20 Jahren (dpa / Daniel Karmann)
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Die Krankenhäuser in Deutschland müssen stärker zentralisiert werden und sie müssen sich stärker spezialisieren. Das findet der AOK-Bundesverband und hat dafür Argumente bei der Vorstellung seines Krankenhausreports 2018 präsentiert.

Aus der aktuellen Gesundheitsberichterstattung des Bundes geht hervor, dass die Zahl der Krankenhäuser immer weiter sinkt. Innerhalb von 20 Jahren schlossen knapp 320 Kliniken. Im Jahr 2016 gab es noch rund 1.950 Krankenhäuser. Im selben Jahr lag die Zahl der Betten bei noch knapp 500.000. Im selben Zeitraum innerhalb von 20 Jahren wurden also 95.000 Betten abgebaut.

Qualität statt Quantität

Und trotzdem ist das Angebot noch zu groß, findet Reinhard Busse, Professor an der Technischen Universität Berlin und Experte für Management im Gesundheitswesen.

"Wir haben ja in Deutschland so das Gefühl, wir brauchen die alle. Die Leute sind halt so krank und ältere Bevölkerung, immer mehr Patienten... Wir sehen im EU-Vergleich, wir sind praktisch das einzige Land, in dem die Zahl der stationären Fälle nach oben gegangen ist in den letzten 20 Jahren um 30 Prozent. Wir liegen inzwischen 50 Prozent über dem EU-Schnitt."

Der Tenor lautet also: Qualität statt Quantität. Warum es darauf ankommen soll, illustrierte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK und Herausgeber des Reports, am Beispiel von Darmkrebs.

"Wir sehen auch allein schon im primären Krankenhausaufenthalt rund um die OP, dass die Krankenhaussterblichkeit niedriger ist, also beim Dickdarmkarzinom ist die Sterblichkeit ebenso niedriger wie beim Enddarmkarzinom wenn sie in Zentren behandelt werden im Vergleich zu Nicht-Zentren, also bis zu 65 Prozent Unterschied beim Enddarmkarzinom."

Patienten akzeptieren laut Klauber auch längere Fahrzeiten zu Kliniken, wenn sie dort eine bessere Versorgung erhalten. Dies würden auch Studien belegen.

Kleine Häuser müssen sich wandeln

Der AOK-Bundesverband fordert, dass Bund und Länder bis 2025 ein Zielbild entwickeln, wie die stationäre Versorgung in Deutschland dann, zum Ende der nächsten Legislaturperiode, aussehen soll.

"Wir haben heute 80 Prozent der Krankenhäuser, die weniger als 500 Betten haben. Wenn Sie heute aber komplexe Erkrankungen haben, da brauchen Sie in Krankenhäuser eine ganze Mannschaft, da brauchen Sie nicht nur einen Chirurgen, da brauchen Sie Endokrinologen, Hämatologen. Sie brauchen ein ganzes Team für die Behandlung, das ist in kleinen Häusern einfach nicht darstellbar."

Kleinere Häuser müssten nicht geschlossen würden, deren Nutzung müsste sich allerdings ändern.

Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion kann den Forderungen der AOK Einiges abgewinnen, betont aber auch, es sei wichtig, "dass auch in der Fläche kleinere Einheiten da sind. Dort wo sich ein Krankenhaus nicht selbst durch Operationen selbst erhalten kann, sorgen wir schon dafür, dass die Kleineren da sind, aber es geht um notwendige kleine Einheiten, und nicht jede Einheit, die noch Betten zur Verfügung stellt, ist notwendig."

Kritik am Finanzierungssystem der Kliniken

Seit 2016 gilt das Krankenhaus-Strukturgesetz, mit dem unter anderem eine Überversorgung mit Krankenhäusern insbesondere in Ballungszentren abgebaut werden soll. Die Krankenhausplanung ist Aufgabe der Bundesländer.

Grundsätzliche Kritik am Finanzierungssystem der Kliniken kommt von der Opposition. Die Krankenhäuser litten an der Kommerzialisierung durch die Fallpauschalen und an der Unterfinanzierung der Investitionskosten durch die Bundesländer, sagte Harald Weinberg, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion.

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