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StartseiteInformationen am MorgenVorbild Niederlande24.03.2015

KrankenhauskeimeVorbild Niederlande

Von den Hautbakterien, die in Deutschland bei Arztuntersuchungen entdeckt werden, sind bis zu 15 Prozent sogenannte MRSA-Keime. Gelangen diese in den Körper, können sie tödliche Infektionen auslösen. In den Niederlanden liegt die Infektionsrate weit niedriger. Der Grund: Nirgendwo sonst in Europa gibt es so hohe Präventionsmaßnahmen.

Von Ludger Kazmierczak

Die Vorbereitung sowie die Anästhesie in einem OP. (picture-alliance / dpa / Klaus Rose)
Wer ins Krankenhaus muss, läuft Gefahr, sich mit MRSA-Erregern zu infizieren. (picture-alliance / dpa / Klaus Rose)
Weiterführende Information

Prävention - Mit Kupfer gegen Krankenhauskeime
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 22.01.2015)

Krankenhäuser - Gröhe will gegen multiresistente Keime vorgehen
(Deutschlandfunk, Aktuell, 23.03.2015)

René Schepers' Vater muss ins Krankenhaus. Eigentlich nur ein Routine-Eingriff, doch der Hausarzt des Landwirtes aus der grenznahen Provinz Achterhoek hat bei seinem Patienten Keime auf der Haut nachgewiesen. Im Slingeland Krankenhaus in Doetinchem informiert sich Sohn René darüber, was das für die Behandlung seines Vaters bedeutet.

"Mein Vater ist noch vom alten Schlag. Der sagt ganz schnell: 'Alles Unsinn. Was soll der Quatsch?' Er ist nicht sehr einsichtig. Darum ist es gut, dass ich heute hier bin, um ihm dann in unserer eigenen Sprache zu erklären, warum er eine Gefahr für andere Krankenhauspatienten darstellen kann."

Die Gefahr geht vom Methicillin resistenten Staphylococcus Aureus aus – kurz vom MRSA-Erreger. Er nistet sich gerne in der Nase, im Rachen oder unter den Achseln ein und kann Infektionen auslösen, sobald er in den Körper gelangt. MRSA-Patienten dürfen in den Niederlanden daher nicht auf einer gewöhnlichen Krankenhaus-Station behandelt werden. Im Gespräch mit Marjolein Klein-Gunnewiek, der Hygieneärztin der Slingeland Klinik, erfährt René Schepers, was genau mit seinem Vater passiert.

"Wenn Ihr Vater aufgenommen wird, bekommt er ein Einzelzimmer in einer eigens dafür eingerichteten Abteilung, die nur über eine Schleuse zugänglich ist, in der sich das Personal desinfizieren und speziell anziehen muss – mit Mundschutz, Mütze, Handschuhen und einem langärmeligen Kittel."

Vorbeugende Maßnahmen

Damit sich die gefährlichen Mikroorganismen nicht verbreiten können, werden alle Patienten in niederländischen Kliniken gleich bei der Aufnahme nach Bakterien untersucht. Außerdem wird nachgefragt, ob sie vorher in ausländischen Krankenhäusern behandelt wurden. Diese Voruntersuchung ist aufwendig und nicht ganz billig, rechne sich letztlich aber für den Staat und die Patienten, meint Marjolein Klein-Gunnewiek.

"Die Niederlande sind eigentlich eine Insel in Europa. Wenn wir in die Nachbarländer schauen – nach Belgien, Deutschland oder Frankreich, dann liegt da die Zahl der Infektionen deutlich höher als bei uns. Von den Hautbakterien, die hier entdeckt werden, sind höchstens fünf Prozent ein MRSA-Keim. In Deutschland und Belgien sind es zehn bis 15 Prozent."

Antibiotika nur im Notfall

Mit einem verbindlichen Maßnahmenkatalog und klaren Anweisungen fürs Krankenhauspersonal in Sachen Kleidung, Händewaschen und Desinfektion haben die Niederländer das Problem minimiert. Auch der Einsatz von Antibiotika spielt dabei eine Rolle. Vor allem bei Kindern sind niederländische Mediziner sehr zurückhaltend mit der Verschreibung von Penicillin oder anderen Substanzen.

Nach Auffassung vieler Ärzte steigt ansonsten die Gefahr, dass Bakterien zu leicht mutieren oder resistent werden. Alles schön und gut, sagt der Gesundheitsexperte Jan Klein. Er erinnert daran, dass es auch in den Niederlanden immer wieder zu Erkrankungen kommt. Von einer keimfreien Insel der Glückseligen könne daher nicht die Rede sein.

"Ich persönlich finde, dass wir uns zu schnell zufrieden geben. Wir machen das gut, aber es geht besser. Noch immer holen sich bis zu fünf Prozent der Patienten in Krankenhäusern eine Infektion. Das trifft natürlich den Einzelnen, kostet aber auch die Gesellschaft viel Geld."

 

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