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StartseiteNachrichten vertieftPflege macht krank24.09.2015

KrankenkassenreportPflege macht krank

Die Pflege von Angehörigen bleibt eine Aufgabe, die vor allem Frauen übernehmen. Das hat die Untersuchung einer großen Krankenkasse ergeben. Für die Pflegenden hat das oft schwerwiegende gesundheitliche Folgen.

Eine Frau hält die Hand ihres an Demenz erkrankten Mannes.  (picture alliance / dpa / Foto: Daniel Naupold)
Eine Frau hält die Hand ihres an Demenz erkrankten Mannes. (picture alliance / dpa / Foto: Daniel Naupold)

Jeder fünfte pflegende Angehörige in Deutschland leidet an einer Depression. Das geht aus dem Pflegereport 2015 der DAK-Gesundheit hervor. Auch Angst- oder Schlafstörungen kämen häufig vor. Insgesamt leiden etwa die Hälfte aller Pflegenden unter psychischen Problemen. Das ist eine deutlich höhere Zahl als bei Menschen, die sich nicht um ihre hilfsbedürftigen Angehörigen kümmern.

Betroffen sind überwiegend Frauen. Denn meist übernehmen sie die Pflege von Verwandten: Neun von zehn pflegenden Angehörigen sind weiblich, jede Dritte ist parallel berufstätig.

Viele der Befragten fühlen sich durch diese Aufgaben überfordert - sei es körperlich (50 Prozent), psychisch (68 Prozent) oder zeitlich (71 Prozent). Belastung und damit auch das Gefühl der Überforderung steigen dem Report zufolge, wenn diezu pflegende Person dement ist. Bei jedem dritten Befragten ist das der Fall.

Für die Studie "So pflegt Deutschland" wurden den Angaben nach die anonymisierten Daten von 500.000 Versicherten ausgewertet. Zudem hat die Kasse Daten von 12.000 pflegenden Angehörigen mit denen einer nicht-pflegenden Gruppe verglichen und die häufigsten Krankheiten analysiert.

Sorge vor Pflegebedürftigkeit

Jeder zweite über 50-Jährige macht sich Sorgen um die eigene Pflegebedürftigkeit. Allerdings ist der Anteil derjenigen, die bereits konkrete Vorsorge für den Pflegefall getroffen haben, eher gering. Das zeigte der Pflegereport der AOK, der bereits im Frühjahr 2015 erschienen ist. 

Wer selbst schon einmal mit einem Pflegefall konfrontiert war, etwa in der Familie, hat sich demnach bereits intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt.

Gut zwei Drittel werden daheim gepflegt

In Deutschland sind rund 2,6 Millionen Menschen pflegebedürftig. Davon werden rund 70 Prozent zu Hause und knapp ein Drittel vollstationär in Heimen versorgt.

Der Bundestag berät am morgigen Freitag in erster Lesung über die von der Bundesregierung geplante zweite Stufe der Pflegereform. Hauptanliegen ist es, Demenzkranke besser in die Leistungen der Pflegeversicherung einzubeziehen. Im bisherigen System fallen sie häufig durchs Raster.

(bor/cc)

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