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StartseiteVerbrauchertippPrivater Schutz besonders für Beamte lukrativ15.10.2019

KrankenversicherungenPrivater Schutz besonders für Beamte lukrativ

Gesetzlich krankenversichert oder doch besser privat? Die meisten Versicherten haben kaum Gestaltungsspielräume, da Arbeitnehmer oder Angestellte nur ab einem bestimmten Jahreseinkommen überhaupt in eine Privatversicherung wechseln können. Besonders Beamte profitieren.

Von Dieter Nürnberger

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Gesundheitskarten verschiedener Krankenkassen liegen auf einem Tisch (dpa / Jens Kalaene)
Für Privatversicherte ist ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenkasse oft nur schwer möglich (dpa / Jens Kalaene)
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In Deutschland sind lediglich rund zehn Prozent der Bevölkerung privat krankenversichert. Der Grund: Nicht jeder darf rein - Arbeitnehmer beispielsweise erst ab einem Jahreseinkommen von derzeit rund 60.000 Euro brutto. Beamte sowie auch Selbständige und Freiberufler dürfen sich jedoch unabhängig vom Einkommen privat krankenversichern. Somit ist der potentielle Kundenkreis ohnehin eingeschränkt sagt Cornelia Nowak, Versicherungsexpertin bei der Stiftung Warentest:

"Ein ganz wichtiger Unterschied: Die Leistungen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung ja vorgeschrieben und im Prinzip für alle Kassen ähnlich sind, muss man sich selbst zusammenstellen. Zum anderen ist es so, dass die Beiträge auch nicht immer sozialverträglich gestaltet sind. Der Beitrag sinkt eben im Rentenalter nicht, wenn das Einkommen niedriger wird. Und es gibt in der privaten Krankenversicherung auch keine Familienversicherung - der Ehepartner ohne eigenes Einkommen und auch die Kinder ohne eigenes Einkommen, die ja in der Gesetzlichen beitragsfrei mitversichert wären, brauchen hier alle einen eigenen Vertrag."

Angestellte sollten sicheren Job und hohes Einkommen haben

Die Stiftung Warentest sieht die meisten Argumente für einen privaten Krankenversicherungsschutz bei Beamten: Denn nur hier zahlt der Dienstherr statt eines Arbeitgeberzuschusses einen erheblichen Teil der Gesundheitskosten als Beihilfe, die im Pensionsalter sogar noch ansteigt. Das macht den Abschluss lukrativ. Bei "normalen" Arbeitnehmern ist der Zuschuss des Arbeitgebers jedoch gedeckelt: Derzeit sind es maximal rund 350 Euro pro Monat.

"Angestellte sollten einen sicheren Job haben und ein hohes Einkommen. Was sie in die Lage versetzt, regelmäßig Geld zurückzulegen - durchaus einige hundert Euro. Um eben ein Kapital anzusparen, aus dem sie dann später die hohen privaten Krankenversicherungsbeiträge im Alter dann auch finanzieren können. Für Selbständige gilt im Prinzip das Gleiche."

Private Versicherer können zudem Kunden auch ablehnen oder die Beiträge von vornherein mit Zuschlägen belegen, etwa dann wenn es Vorerkrankungen beim Versicherten gibt. Warentesterin Cornelia Nowack:

"Je später man eintritt, umso höher ist der monatliche Beitrag. Das liegt daran, dass die Versicherer Alterungsrückstände bilden müssen. Und dabei wird die Ansparzeit einfach immer kürzer, je später man eintritt. Es empfiehlt sich auf jeden Fall dann einzutreten, solange man noch vollauf gesund ist, noch keine Beitragszuschläge wegen Vorerkrankungen zahlen muss. So ungefähr also spätestens mit Mitte oder Ende 30."

Private Beitrag im Rentenalter mindestens dreimal so hoch

Die Warentester gehen davon aus, dass der private Beitrag im Rentenalter mindestens dreimal so hoch ist wie bei einem Vertragsabschluss mit Mitte 30. Der Grund: Die Versicherer müssen die Beiträge - gesetzlich verpflichtet - stets dann anpassen, wenn die tatsächlichen Gesundheitskosten höher sind als die vom Unternehmen kalkulierten. Nur wer es sich auch leisten könne, komme dann in den Genuss einer doch meist besseren Versorgung:

"Es ist immer noch so, dass Ärzte an Privatpatienten mehr verdienen und sie daher etwas besser behandeln. Das könnte ein Grund sein. Die Leistungen sind bis zum Lebensende garantiert - können also nicht vom Gesetzgeber aus irgendwelchen Gründen mal wieder gestrichen werden. Und außerdem - ja - in den meisten Tarifen sind die Leistungen deutlich besser als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Das ist nicht nur der Chefarzt im Krankenhaus, auch wenn es um Zahnersatz geht, auch bei der Arzneimittelerstattung gibt es bei den Privaten mehr."

Privatversicherte sollte sich im Klaren sein, dass ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenkasse nur schwer möglich ist. Bei Arbeitnehmern nur, wenn sie arbeitslos werden, Selbständige und Beamte müssten eine sozialversicherungspflichte Anstellung finden. Und ab dem 55.Lebensjahr ist ein Wechsel ohnehin so gut wie ausgeschlossen.

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