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StartseiteForschung aktuellKrankheitstest ohne Risiko08.08.2012

Krankheitstest ohne Risiko

Neuer Test soll Erreger der Schlafkrankheit besser und sicherer erkennen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass jedes Jahr 10.000 bis 20.000 Menschen der Schlafkrankheit zum Opfer fallen. In Zentralafrika ist die von der Tsetsefliege übertragenen Krankheit eines der größten Hindernisse für die Entwicklung der Region. Jetzt haben Forscher des Instituts für Tropenmedizin der Universität Antwerpen die Grundlagen für die Entwicklung eines neuen Tests gelegt, der den Erreger der Schlafkrankheit besser aufspüren soll.

Von Joachim Budde

Mit Schädlingsbekämpfungsmittel gehen Bantu gegen die Tsetse-Fliege.  (picture alliance / dpa)
Mit Schädlingsbekämpfungsmittel gehen Bantu gegen die Tsetse-Fliege. (picture alliance / dpa)

Wenn eine Tsetsefliege einen Menschen sticht, kann sie beim Blutsaugen Trypanosomen übertragen. Diese einzelligen Parasiten verursachen die Schlafkrankheit. Wenn die nicht in einem frühen Stadium entdeckt und behandelt wird, führt sie fast immer zum Tod. Um den Erreger aufzuspüren, haben Ende der 70er-Jahre Wissenschaftler des Instituut voor Tropische Geneeskunde im belgischen Antwerpen einen Schnelltest für Trypanosoma brucei gambiense entwickelt, den Catt-Test. Sind Antikörper gegen diesen Erreger im Blut, werden in der Testflüssigkeit kleine Klümpchen sichtbar.

Mit dem Catt-Test werden jedes Jahr anderthalb bis zwei Millionen Menschen in Zentralafrika getestet. Der Test hat dazu beigetragen, dass die Zahl der Opfer der Schlafkrankheit in den letzten Jahren gesunken ist - 2009 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO erstmals weniger als 10.000 neue Fälle registriert.

Allerdings hat der Catt-Test drei entscheidende Nachteile, sagt Liesbeth van Nieuwenhove, die am Antwerpener Tropeninstitut die Grundlagen eines neuen Schnelltests erforscht hat:

"Ein großer Nachteil ist, dass man für den Catt-Test vollständige, also infektiöse Trypanosomen benötigt. Das Laborpersonal ist dadurch einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Außerdem kreuzreagiert der Test manchmal mit anderen Krankheiten, zeigt also Infektionen an, wo keine sind. Ein dritter Nachteil: Manche Erreger bilden das Protein nicht aus, auf das der Test reagiert, dann hat er einen blinden Fleck und ist nutzlos."

Das sind Risiken und Ungenauigkeiten, die bisher hingenommen wurden, weil der Test viele Menschenleben gerettet hat. Diese Haltung ändert sich jetzt. Die Biologin hat in ihrer Doktorarbeit für den neuen Test neue Ziele identifiziert.

"Der Test, den wir entwickeln, reagiert auf Bruchstücke von Proteinen, also Peptide auf der Außenhülle der Erreger. Das Immunsystem baut Antikörper, die daran andocken, um den Erreger auszuschalten. Der Vorteil ist: Wir können die Peptide synthetisch nachbauen, es besteht also keine Ansteckungsgefahr. Zudem können wir falsche Testergebnisse verhindern, indem wir den Test auf mehrere Peptide gleichzeitig ansetzen. So verhindern wir einerseits Kreuzreaktionen und andererseits blinde Flecken."

Es ist die Außenhülle, die Trypanosoma so gefährlich macht. Denn der Einzeller verändert sie im Körper des Kranken ständig, er zieht sich dauernd neue Jacken über, wenn man so will - bis zu 1000-mal im Laufe der Krankheit. Bis das Immunsystem sich auf die eine Jacke eingestellt hat, hat sich längst eine Generation Trypanosomen mit neuem Mantel entwickelt und die Abwehr läuft ins Leere.

"Es gibt allerdings bestimmte Peptide, die der Erreger stets in einem frühen Stadium der Erkrankung auf seiner Außenhülle bildet. Deshalb haben so gut wie alle Patienten Antikörper dagegen im Blut. Auf diese Peptide haben wir uns für den Test konzentriert."

Van Nieuwenhove hat mit Antikörpern aus Mäuse-Serum und Patientenblut geeignete Peptide gesucht.

"Wir haben dafür eine Technologie namens Phagen-Display verwendet. Dabei bilden genetisch veränderter Viren auf ihrer Oberfläche Peptide aus, die auch auf Trypanosoma vorkommen. Wir haben geschaut, auf welche dieser Peptide Antikörper reagieren. Diese Peptide können synthetisch hergestellt werden, und jetzt untersuchen wir, inwiefern sie diagnostisch relevant sind."

Gut zehn Kandidaten hat Liesbeth van Nieuwenhove auf diese Weise identifiziert. Jetzt untersucht sie, wie diese Peptide miteinander kombiniert werden müssen, damit sie einen zuverlässigen Test ergeben.

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