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StartseiteThemaWas über Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt ist10.06.2021

KreuzimpfungWas über Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt ist

In Deutschland empfiehlt die Impfkommission (STIKO) unter 60-Jährigen, die mit Astrazeneca geimpft wurden, eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff. Zur genauen Wirksamkeit der Kombinationen gibt es noch keine abgeschlossenen Studien. Erste Daten zeigen: Die Kombinationen sind sicher und tendenziell wirksamer.

Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca (dpa/picture alliance/Fotostand)
Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca können kombiniert werden, sagt etwa die Infektiologin Marylyn Addo (dpa/picture alliance/Fotostand)
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Die erste Impfung mit Astrazeneca? Dann die zweite mit Biontech oder Moderna! In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkomission (STIKO) dieses Verfahren zurzeit für Menschen unter 60 Jahren. Die Datenlage zur Wirksamkeit solcher Kreuzimpfungen war anfangs noch dünn. Inzwischen liegen belastbarere Studien vor. Es spricht viel dafür, dass dieser "Mix-and-Match"-Ansatz sicher ist sowie eine gute Verträglichkeit und Wirksamkeit aufweist.

Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff – ein gängiges Verfahren? 

In der Medizin ist die Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff keine ungewöhnliche Vorgehensweise. Auch im Kampf gegen Ebola wurde beispielsweise ein Impfstoff zugelassen, der zwei Impfkomponenten hat.

Für die Kombination verschiedener Corona-Impfstoffe laufen zurzeit noch Studien. Nach dem "Mix-and-Match"-Prinzip werden in Großbritannien im Rahmen der sogenannten Com-Cov-Studie schon seit Februar Kombinationen der Vakzine von Astrazeneca und Biontech in verschiedenen Intervallen getestet. Diese Studie würde zurzeit noch um andere Kombinationsimpfstoffe erweitert, erklärte die Virologin Marylyn Addo im Dlf. Ziel sei dabei auch, sich auf mögliche Impf-Auffrischungen vorzubereiten.

Die Leiterin der Infektiologie, Professor Dr. Marylyn Addo, spricht während einer Pressekonferenz am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) mit den Jounalisten. Das Klinikum informierte über den Studienstart mit dem Ebola-Medikament Remdesivir an besonders schwer erkrankten Patienten mit Covid-19. (dpa/dpa-POOL/picture alliance/Ulrich Perrey) (dpa/dpa-POOL/picture alliance/Ulrich Perrey)Kombination von Corona-Impfstoffen: "Man sollte da keine Bedenken haben"
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Mittlerweile liegen einige Daten der Com-Cov-Studie vor. Sie zeigen, dass die Mischung der Impfstoffe von Astrazeneca und Biontech im betrachteten Zeitraum sehr sicher ist. Allerdings kommen milde bis moderate Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Fieber nach der Impfung mit dem zweiten Impfstoff häufiger vor als beim Abschluss der Impfserie mit demselben Impfstoff. Über die Nebenwirkungen klagten zwischen 60 und 80 Prozent der geimpften Studienteilnehmer in Großbritannien.

(Foto: Charité/Jaqueline Hirscher) (Foto: Charité/Jaqueline Hirscher)Charité-Immunologe Sander über die Wirksamkeit der Kreuzimpfung Erste  Untersuchungen an der Berliner Charité haben gezeigt, dass eine Kombination von Corona-Impfstoffen sicher und wirksam ist, wie Immunologe Leif Erik Sander im Interview erklärt.

Bei einer aktuellen Untersuchung an der Berliner Charité mit 340 Impflingen zeichnet sich ab, dass die Nebenwirkungen nachlassen, je länger der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung ist. An der Charité wurde der von der STIKO empfohlene Abstand von neun bis zwölf Wochen eingehalten, die Impflinge gaben nach dem Booster meistens lediglich Schmerzen im Arm als Nebenwirkungen an, weniger systemische Reaktionen wie Fieber oder Muskelschmerzen.

Das Mix-and-Match-Prinzip wird in Deutschland bereits seit dem 1. April von der Ständigen Impfkommission für alle unter 60-Jährigen empfohlen, die eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben.

Tägliche Impfquote

Wie gut ist die Schutzwirkung mit zwei verschiedenen Impfstoffen?

Über die genaue Wirksamkeit ist nach aktueller Studienlage noch nichts abschließend Verlässliches bekannt. Die Daten der britischen Com-Cov-Studie zu diesem Punkt werden noch ausgewertet. Die Kombination zweier Impfstoffe soll aber eine verbesserte Immunantwort generieren. Das zeigen auch die Ergebnisse der Immunologen an der Berliner Charité. Erste Ergebnisse ihrer Untersuchung mit 340 Impflingen, die erst mit Astrazeneca und dann mit Biontech/Pfizer geimpft wurden, veröffentlichten sie auf dem wissenschaftlichen Preprint-Server medRxiv. Auch sie beobachten eine gute Verträglichkeit und teilweise eine höhere Wirksamkeit bei der Kombination. Leif Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoff-Forschung an der Charité, sagte im Dlf: "Es deutet sich an, dass die Immunantwort sehr gut ausgeprägt ist und möglicherweise sogar leicht verbessert."

Aus immunologischer Sicht könne man sagen, dass die Chancen sehr gut seien, dass die Kombination funktioniere, sagte auch die Immunologin Christine Falk im Mai im Dlf. "Solange das Antigen das tut, was es soll, nämlich eine Antikörper-Antwort und eine T-Zellen-Antwort auslösen, gibt es keinen Grund, daran zu zweifeln, dass das funktioniert." Sowohl beim vektorbasierten Impfstoff von Astrazeneca als auch bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna ist das Antigen, gegen das eine Immunantwort ausgelöst wird, dasselbe. Sander und sein Team beobachteten an der Charité sogar eine leicht verbesserte T-Zellen-Antwort.

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Ist eine dritte oder vierte Impfung schon bald notwendig?

Viele Experten gehen davon aus, dass nach der ersten Impfkampagne eine zweite gestartet werden muss – auch wegen der sich weltweit schnell ausbreitenden Mutationen. Zu welchem Zeitpunkt eine Folgeimpfung sinnvoll ist und mit welchem Impfstoff, das wird derzeit untersucht. Moderna und Biontech/Pfizer arbeiten bereits an entsprechenden Impfstoffen.

Teil einer künftigen Impfstrategie könnte es auch sein, bei Folgeimpfungen bewusst auf einen anderen Impfstoff zurückzugreifen, um die Immunantwort zu verbessern. Auch hierzu laufen Untersuchungen. Nach Einschätzung des Charité-Immunologen Leif Erik Sander könnte dieses Konzept vor allem bei den Vektorimpfstoffen sinnvoll sein:

"Wenn man zweimal damit geimpft wurde, hat man schon eine starke Immunität gegen das Trägervirus. Dann wäre ein anderer Impfstoff zur Auffrischung sicherlich vortelhaft." Darüber hinaus gebe es auch Patientengruppen mit Vorerkrankungen, die bei der Erstimpfung weniger gut auf einen bestimmten Impfstoff ansprechen.

Nach Studien ist bisher erwiesen, dass der Impfschutz mindestens sechs Monate anhält. Weitere Ergebnisse zur Dauer des Impfschutzes stehen noch aus.

"Selbst wenn die Antikörper sinken, ist das noch kein Zeichen dafür, dass der Impfschutz weg ist, weil die Gedächtniszellen ja trotzdem gebildet werden können. Es ist unwahrscheinlich, dass nach einem halben Jahr nichts mehr da ist", sagt die Immunologin Christine Falk.

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Klar sei aber schon jetzt, dass die Produktion bei den mRNA-Impfstoffen leichter anzupassen sei als bei anderen Impfstoffen.

"Auf der mRNA-Ebene kann man in einem direkten Schritt die Sequenz verändern und zwar nur an den wenigen Stellen, an denen das Virus die Veränderungen zeigt". Inwieweit das notwendig sei, müsse man in den nächsten Monaten sehen, so Falk.

Christian Drosten, Leiter der Virologie der Charité in Berlin, hat sich im Coronavirus-Podcast des NDR für ein Impf-Update im Herbst ausgesprochen. Wenn es dann noch keine Update-Impfstoffe gibt, sollte man trotzdem in breiter Zahl Auffrischungsimpfungen mit dem verfügbaren Impfstoff machen: "Es kommt darauf an, dass die Leute überhaupt ein Update bekommen."

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Quellen: Dlf, Volkart Wildermuth, kh

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte) (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

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