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StartseiteWirtschaft und Gesellschaft"Wir erhoffen uns von der EM einen Schub für die Modernisierung"27.09.2018

Krietenbrink vom DIHK"Wir erhoffen uns von der EM einen Schub für die Modernisierung"

Der Zuschlag sei eine positive Nachricht für viele Unternehmen hierzulande, sagte Sophia Krietenbrink vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag im Dlf. So ein Groß-Event könne für steigende Nachfrage sorgen, Touristen anlocken und dringend benötigte Investitionen für die Infrastruktur anstoßen.

Sophia Krietenbrink im Gespräch mit Günter Hetzke

Das Foto zeigt den Pokal für die Fußball-Europameisterschaft, dahinter steht "Euro 2024" in weißer Schrift auf blauem Hintergrund. (AFP / Fabrice Coffrini)
"Deutschland hat bewiesen, dass es so ein Großereignis stemmen kann", sagte Sophia Krietenbrink Deutscher Industrie- und Handelskammertag (AFP / Fabrice Coffrini)
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Günter Hetzke: Deutschland hat den Zuschlag für die Fußball-Europameisterschaft 2024 bekommen. Die Fußballfreunde werden sich freuen. Ob das auch ein Grund zur Freude für die deutsche Wirtschaft ist, das wollen wir jetzt von Sophia Krietenbrink erfahren, der Konjunkturexpertin des DIHK, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, die ich jetzt am Telefon begrüße. Guten Tag, Frau Krietenbrink.

Sophia Krietenbrink: Guten Tag, Herr Hetzke!

Hetzke: Wie sieht es denn aus, so ein Großereignis, in diesem Fall eine Fußball-EM? Liefert die messbare Impulse für die Konjunktur?

Krietenbrink: Der Zuschlag für die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland ist sicherlich auch eine positive Nachricht für viele Unternehmen hierzulande. Solch ein Groß-Event kann für steigende Nachfrage sorgen und zusätzliche Touristen anlocken. Aber auch der Effekt, wie wir das zum Beispiel 2006 bei der WM gesehen haben: Da gab es einen deutlichen Image-Gewinn für Deutschland und zudem gab es auch Infrastruktur-Investitionen. All das fördert die Geschäfte. Bei der WM 2006 haben wir damals eine Umfrage durchgeführt und es erwartete jedes sechste Unternehmen positive Effekte durch die Fußball-WM. Laut DIHK-Schätzung betrug der zusätzliche Wachstumsimpuls daraus rund 0,3 Prozentpunkte. Und wir hoffen natürlich auf ähnliche Effekte, wenn es 2024 dann heißt: "Europa zu Gast bei Freunden."

"Man kann auf langfristige Effekte hoffen"

Hetzke: Das kann ich verstehen. Ist das eigentlich ein einmaliger Impuls, ein Effekt für 2024? Oder bleibt da erfahrungsgemäß auch über die Zeit hinaus etwas hängen?

Krietenbrink: Ein Teil des Effektes ist sicherlich nur kurzfristig. Wir sehen das zum Beispiel auch bei den Beschäftigungsentwicklungen. Da gibt es etwa im Gastgewerbe, in der Sicherheitswirtschaft oder in der Werbebranche temporäre Effekte. Aber die sind dann wirklich eher kurzfristig angelegt. Wenn es aber nachhaltige Image-Gewinne für Deutschland gibt und auch einen Schub für die Modernisierung der Infrastruktur, dann kann man natürlich auch auf langfristige Beschäftigungs- und Wachstumseffekte hoffen.

Gewinner-Branchen: Gastro, Einzelhandel, Brauereien

Hetzke: Sie haben jetzt einige Branchen schon genannt. Welche Bereiche profitieren denn besonders von der Ausrichtung einer Fußball-EM?

Krietenbrink: Von der guten Stimmung während eines solchen Turniers profitiert in der Regel das Gastgewerbe, entweder in unmittelbarer Nähe der Austragungsorte in Form von Hotellerie und Gastronomie, oder auch Public Viewing, wenn wir an 2006 zurückdenken. Zudem kann der Einzelhandel profitieren mit dem Verkauf von Fan-Artikeln und Getränken, oder auch zum Beispiel Brauereien.

"Deutschland hat bewiesen, dass es so ein Großereignis stemmen kann"

Hetzke: Nach diesem Zuschlag muss ja einiges getan werden, vor allem in der Infrastruktur. Nun haben wir ja jetzt schon in vielen Bereichen einen Mangel an Arbeitskräften. Sind die Aufgaben aus Ihrer Sicht zu bewältigen?

Krietenbrink: Ja. Ich denke, Deutschland hat 2006 schon bewiesen, dass es so ein Großereignis stemmen kann und erfolgreich organisieren kann. Allerdings ist der mangelhafte Zustand von vielen Straßen, Schienen oder auch Wasserwegen für viele Betriebe schon jetzt ein Geschäftshindernis. Das heißt, damit sollten wir dann auch nicht bis 2024 warten. Die Mittel für die Verkehrsinfrastruktur wurden ja auch schon deutlich erhöht. Planungskapazitäten und Verstetigung der Mittel wären weitere wichtige Schritte. Und wir erhoffen uns natürlich von der EM noch mal einen Schub für die Modernisierung und den Ausbau der Infrastruktur.

Blamage droht nicht

Hetzke: Rechtzeitig fertig zu werden bei Baumaßnahmen, ist ja derzeit keine Tugend in Deutschland. Werden wir uns blamieren?

Krietenbrink: Nein, das denke ich nicht. Ein großer Teil der erforderlichen sportlichen Infrastruktur ist durch die WM ja auch schon vorhanden. Aber wie gesagt, ein zusätzlicher Schub für die Modernisierung wird Deutschland sicherlich trotzdem gut tun.

Hetzke: Sophia Krietenbrink vom DIHK zur Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland und der Bedeutung für die Wirtschaft.

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