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StartseiteInformationen am MorgenKriegsangst in der Ukraine nach Putins Krim-Rede19.03.2014

Krim-KriseKriegsangst in der Ukraine nach Putins Krim-Rede

Die Ukrainer sorgen sich um ihr Land, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin angekündigt hat, dass er den Zerfall der Sowjetunion nicht hinnehmen werde. Der ukrainische Regierungschef Arsenij Jazeniuk will eine gute Partnerschaft mit Russland.

Von Sabine Adler

Der Regierungschef der Krim, Sergej Aksjonow, Parlamentssprecher Wladimir Konstantinov, Russlands Präsident Wladimir Putin und Sevastopols selbst ernannter neuer Bürgermeister, Alexei Chaly (v.l.n.r.) (afp / Kirill Kudryavtsev)
Sichtbare Freude bei den Krimpolitikern nach der Unterzeichnung des Aufnahmevertrags mit Präsident Putin Der Regierungschef der Krim, Sergej Aksjonow, Parlamentssprecher Wladimir Konstantinov, Russlands Präsident Wladimir Putin und Sevastopols selbst erna (afp / Kirill Kudryavtsev)
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"Wir befinden uns im Krieg“, hieß es am Abend in einer Diskussion im ukrainischen Fernsehen. Niemand widersprach. Ähnlich drückte es Ministerpräsident Arsenij Jazeniuk aus. Der politische Konflikt sei nun in einen militärischen übergegangen. Beim russischen Sturm auf ein Topografiezentrum der ukrainischen Streitkräfte ist ein Soldat getötet und einer verletzt worden. 

In der Ukraine sorgen sich die Menschen, dass der russische Präsident Wladimir Putin nach der Krim auch noch die Ostukraine oder sogar noch mehr Gebiet beansprucht. Er hatte gestern während seiner Krim-Rede deutlich gemacht, dass er den Zerfall der Sowjetunion nicht hinzunehmen bereit ist und eine sogenannte Wiedervereinigung anstrebt. Was er darunter genau versteht, ließ er offen. Da er von der Kiew als Mutter aller russischen Städte sprach, glauben viele Ukrainer, dass Putin Anspruch auf ihr Land erheben könnte, auch wenn er das ausgeschlossen hat.

Putins Ankündigung, die Interessen von Millionen Russen in der Ukraine schützen zu wollen, verstärkt die Verunsicherung, denn so wurde die Besetzung der Krim gerechtfertigt.

Jazeniuk: NATO-Beitritt ist keine Option

Eine der Gruppierungen auf dem sich immer mehr ausdünnenden Maidan-Platz in Kiew hat den Partisanenkampf angekündigt. In Kriegszeiten sei die Armee nicht effektiv genug. Nötig seien Sonderaktionen gegen den Feind auf dem besetzten Territorium, sagte ein Sprecher der Organisation, die sich "Gemeinsame Sache" nennt.

"Nur der Eintritt der Ukraine in die NATO kann Putin stoppen und unsere territoriale Integrität erhalten",

ist der Politologe Jewgeni Nowak überzeugt, doch Regierungschef Arsenij Jazeniuk widerspricht energisch:

"Unser Verhältnis zur Europäischen Union betrachten wir nicht als Entweder-oder-Entscheidung. Ich werde alles unternehmen, um nicht nur den Frieden zu erhalten, sondern echte partnerschaftliche und gutnachbarschaftliche Beziehungen zu Russland aufzubauen. Ein Eintritt in die NATO steht nicht auf der Tagesordnung. Der Schutz des Landes erfolgt durch unsere starke und moderne Armee."

Russland verbreitet Lügen über Maidan-Bewegung

Am Freitag soll am Rande des EU-Gipfels der politische Teil des Assoziierungsabkommens zwischen der Ukraine und der Europäischen Union unterschrieben werden.  

Für Putin gibt es in Kiew derzeit keine Ansprechpartner auf Augenhöhe. Die Maidan-Bewegung habe einen Umsturz herbeigeführt, sorge für Terror, Morde und Pogrome. Hauptakteure seien Nationalisten Neonazis, Russophobe und Antisemiten. Russland verbreitet seit Wochen diese Gräuelgeschichten, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Regierungschef Jazeniuk hat sich gestern in einer Rede speziell an die Bürger im Osten und Süden des Landes gewandt.

"Die Regie der nicht der großen, aber aggressiven Demonstrationen in Charkiw, Donezk, Lugansk und anderen Städten führt der russische Geheimdienst. Er ist an den Ausschreitungen im Osten unseres Landes beteiligt. Diese Brandstiftung lassen wir in unserem Land nicht zu", warnte der Ministerpräsident.

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