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StartseiteKommentare und Themen der WocheDeutschland wird sicherer02.04.2019

Kriminalstatistik mit guten Nachrichten Deutschland wird sicherer

Die neuen Zahlen der Kriminalstatistik zeigen: Deutschland ist ein vergleichsweise sicheres Land. Doch das persönliche Sicherheitsgefühl vieler Bürger sei - trotz der guten Nachrichten - schlechter als früher. Zu unrecht, meint Gudula Geuther.

Von Gudula Geuther

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Innenminister Seehofer bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (dpa/Kay Nietfeld)
Gudula Geuther hätte sich von Innenminister Seehofer mehr Wahrheit und Klarheit gewünscht. Denn das sei angesichts der guten Nachrichten möglich. (dpa/Kay Nietfeld)
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Es sind gute Nachrichten, die der Bundesinnenminister heute verkünden konnte. Deutschland ist nach dem, was messbar ist, ein sicheres Land. Die Zahl der registrierten Straftaten ging im vergangenen Jahr deutlich zurück.

Statistik erzählt nicht die ganze Wahrheit 

Nicht nur das – zum zweiten Mal in Folge ist es der niedrigste Wert, seit Ost und West gemeinsame Statistiken vorlegen. Entgegen vieler Kritik ist das durchaus aussagekräftig – man muss nur wissen, wofür. Denn: Die ganze Wahrheit erzählt diese Statistik nicht, das kann sie gar nicht. Bei der organisierten Kriminalität etwa ist die Dunkelziffer groß und unberechenbar: Klar, dass Waffen- und Drogenhandel im Verborgenen stattfinden.

Die Zahl der Gewaltdelikte sinkt

Ganz anders sieht es aber in den Deliktsbereichen aus, die das tägliche und persönliche Umfeld der breiten Bevölkerung prägen. Es werden weniger Autos gestohlen, weniger Handtaschen geklaut, es wird weniger geraubt und viel weniger eingebrochen als noch ein Jahr zuvor, die Zahl der Gewaltdelikte sinkt. Bestritten wird das gern von Leuten, denen das Ergebnis nicht passt. Im vergangenen Jahr etwa hieß es aus der AfD, die Zahlen sänken nur, weil Opfer nicht mehr in den Staat vertrauten und Taten nicht zur Anzeige brächten. Das ist Unsinn, und es ist heute widerlegt. Zum ersten Mal seit 2012 fragte eine breit angelegte, ebenfalls heute veröffentlichte Untersuchung nach dem Anzeigeverhalten. Das Ergebnis: Es hat sich nicht verändert.

Das Sicherheitsgefühl ist schlechter als vor ein paar Jahren

Die schlechte Nachricht ist: So recht will die positive Entwicklung nicht bei den Leuten ankommen. Das Sicherheitsgefühl ist ganz gut, aber schlechter als noch vor ein paar Jahren. Das ist nichts, was zu kritisieren wäre. Eine Empfindung kann nicht richtig oder falsch sein. Im Gefühl persönlicher Sicherheit, auch in der Angst vor Kriminalität, spiegelt sich auch Vertrauen in materielle Sicherheit wider. Wer selbstbewusster ist, fürchtet sich weniger vor Gewalt oder Terror. Die heute veröffentlichten Zahlen zeigen, dass rationale Gefahreneinschätzung und Beunruhigung bei den einzelnen Befragten stark auseinanderlaufen können. Frauen, die viel seltener Opfer werden, fühlen sich im Schnitt unsicherer als Männer, es gibt Unterschiede zwischen Ost und West.

Medien spielen dabei eigene Rolle

Aber natürlich spielt in das Empfinden für Sicherheit auch die Vermittlung mit hinein. Und da wurde in den vergangenen Jahren  und Monaten vieles falsch gemacht. 2015 war die Zahl der Wohungseinbrüche hoch, aber sie war viel niedriger als in den neunziger Jahren. Wer wie die Unionspartien ohne diesen Hinweis bis vor kurzem mit dem Thema Wahlkampf macht, muss sich nicht wundern. Die Medien – auch Qualitätsmedien – spielen da ohnehin ihre eigene Rolle. Dabei soll nichts unter den Teppich gekehrt werden, im Gegenteil. Auch dem Bundesinnenminister hätte es deshalb heute besser zu Gesicht gestanden, von sich aus zu erwähnen, wie der Anteil der Flüchtlinge und Migranten an der Statistik ist – nämlich gleichbleibend bei steigender Auffälligkeit einzelner und in einzelnen Deliktsbereichen. Dass er stattdessen verdruckst reagiert, zeigt nur, dass seine frühere Rolle als Scharfmacher heute schadet. Nötig ist hier Wahrheit und Klarheit, und die ist möglich – die Nachrichten sind wirklich gut.

(Deutschlandradio / Bettina Straub)Gudula Geuther (Deutschlandradio / Bettina Straub)Gudula Geuther, Jahrgang 1970, studierte Rechtswissenschaften in München und Madrid. Nach Abschluss des Referendariats berichtete sie vom Rechtsstandort Karlsruhe erst unter anderem für Reuters und die taz, dann für das Deutschlandradio. Nach kurzer Zeit als Deutschlandradio-Landeskorrespondentin in Hessen arbeitet sie heute als Korrespondentin für Rechts- und Innenpolitik im Deutschlandradio-Hauptstadtstudio.

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