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Startseite@mediasresDrei-Groschen-Journalismus04.07.2018

Krise der TageszeitungenDrei-Groschen-Journalismus

Seit dem Aufstieg des Gratis-Journalismus im Internet, befinden sich Tageszeitungen in einer Krise. Eine Dokumentation des ZDF beleuchtet die Auswirkungen. Journalismus kostet, das müssten die Leser nun wieder begreifen, sagte der Autor des Films Wulf Schmiese im Dlf.

Wulf Schmiese im Gespräch mit Sebastian Wellendorf

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Eine Tageszeitung steckt in einem Briefkasten. (imago/ Ralf Gerard)
(imago/ Ralf Gerard)
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"Wir sind ein bisschen verdorben worden", so der Autor des Films "Zeitungen in Not" und Leiter des ZDF Heute-Journals Wulf Schmiese. Im Netz bekämen die Nutzer die Nachrichten vermeintlich umsonst. Bezahlschranken versuchten die meisten zu umgehen:

"Die wenigsten Leute wollen für einen Artikel 99 Cent zahlen, oder auch 2,50 Euro. Aber für den Latte Macchiato sind sie bereit vier Euro zu zahlen."

Im Internet scheinen Nachrichten nicht besonders viel wert zu sein und das ist ein Problem, argumentiert der Journalist. Die Gründe dafür seien vielfältig. Zum einen hätten sich manche nach Lügenpresse-Vorwürfen von den Medien abgewendet, "das ist aber nur ein kleiner Teil", erklärt Schmiese. Zum anderen seien die Verlage es aber auch selbst Schuld:

"Anfangs, als die Verlage selber ins Internet gingen, da dachten sie noch: Je größer die Reichweite ist, je mehr Leser wir erreichen, desto mehr Geld können wir auch von den Werbekunden nehmen."

Das Werbesystem, wie Verlage es kannten, gibt es so nicht mehr

Deswegen hätten sie versucht, schnell möglichst viele Nachrichten umsonst ins Netz bringen, um damit attraktiv für Werbekunden zu sein.

"Jetzt funktioniert das Werbesystem aber nicht mehr - weil Google dazugekommen ist", so Schmiese. Die Werbung sei dann zunehmend nicht über die Verlage, sondern über Google geschaltet worden: "Google verdient mit an der Werbung, auch auf den Webseiten der Zeitungen." Mit seiner zielgruppenspezifischen Werbung habe Google die Werbekunden für sich gewonnen.

Journalismus kostet, das müssten die Leser nun wieder begreifen. Als Negativbeispiel schildert Schmiese die Entwicklungen in den USA. Dort habe die New York Times etwa einen großen Zulauf von Trump-Kritikerinnen und -Kritikern. Aber  auf dem Land gebe es "news deserts", Nachrichtenwüsten - von dort berichte niemand mehr.

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