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Startseite@mediasresJournalisten und der Arabische Frühling31.10.2017

KrisenjournalismusJournalisten und der Arabische Frühling

Die Arabellion in den nordafrikanischen Staaten galt als großes Krisenereignis, sie hat die arabische Welt verändert: Der Anfangseuphorie auch für Presse- und Meinungsfreiheit ist aber an vielen Orten längst große Ernüchterung gefolgt.

Von Jörg Stroisch

A Tunisian journalist poses with her Tunisian press card during a protest in front of the Interior Ministry to denounce the violations against journalists and media professionals in Tunis, Tunisia, 03 March 2014. The Arab Network for Human Rights Information (ANHRI) on 03 March condemned the growing violations against journalists and media professionals on the job by Tunisian authorities. (EPA)
Eine tunesische Journalistin protestiert mit ihrem Presseausweis in der Hand. (EPA)

Die komplette Sendung @mediasres können Sie ab 15:35 Uhr im Dlf-Livestream verfolgen.

"Eine freie Presse kann gut oder schlecht sein, aber eine Presse ohne Freiheit kann nur schlecht sein." - Das sagte Albert Camus einst über den Beruf des Journalisten. Der Arabische Frühling nährte auch Hoffnung auf mehr Pressefreiheit, zum Beispiel in Tunesien, Ägypten, Syrien, Libyen und im Jemen – eine Hoffnung, die an vielen Orten versiegt. Die Repressalien gegen Journalisten vor Ort nehmen zu. Und auch die Arbeit für Korrespondenten wird schwerer.

Arbeit von Journalisten in Ländern des Arabischen Frühlings

Prof. Dr. Kai Hafez, Medienwissenschaftler an der Universität Erfurt:
"Die ägyptischen Journalisten erleben die schlimmste Zeit in den letzten Jahrzehnten"
Dr. Kai Hafez beschäftigt sich in einigen Schwerpunkten seiner Tätigkeit mit der Theorie der Auslandsberichterstattung (Globalisierungstheorie), kulturvergleichender Medienethik, Kommunikation Islam/Westen, Medien im Nahen Osten und Medien und Einwanderung. Nach seinem Studium der Politikwissenschaft, Neueren Geschichte, Journalistik und Islamwissenschaft in Hamburg und Georgetown Universität/Washington D.C. erlangte er 2001 die Habilitation und Lehrbefugnis im Fach Politikwissenschaften. Seit 2003 hat er die Professur für Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt für Vergleichende Analyse von Mediensystemen/Kommunikationskulturen an der Universität Erfurt inne.

Das komplette Interview von Bettina Köster mit Dr. Kai Hafez zum Nachhören (Link zum Audio):


Fakt ist: Journalisten können auch von Diktatoren und Konfliktparteien instrumentalisiert werden. Die Bilder, die mittlerweile auch sehr schnell über die sozialen Medien ein großes Publikum erreichen, sind dabei ein wichtiges Propagandawerkzeug.

Würfel bilden den Schriftzug "Fake News" auf einer Computer-Tastatur. (imago/Steinach)Wie erkennt man Fake News? (imago/Steinach)
Bilder: Echt oder Fakes?

Sei es seinerzeit der Bombenanschlag auf den Flughafen von Istanbul oder die Bomben auf zivile Wohngebiete in syrischen Großstädten: Oft sind es nur wacklige, zuckende oder manchmal sogar unscharfe Handy-Videos, die auch im deutschen Fernsehen gezeigt werden. Doch genau dahinter verbirgt sich ein Problem: Wie authentisch sind solche Videos wirklich? Sind sie echt oder gar nachgestellt? Das News-Lab im Schweizer Fernsehen und das ARD-Studio Kairo versuchen, das herauszufinden. → zum Beitrag

Fakten über Journalisten in Krisenländern

  (Deutschlandradio / Jörg Stroisch) (Deutschlandradio / Jörg Stroisch)-> Klicken Sie hier, um die vollständige Infografik anzuzeigen.

Reporter ohne Grenzen stellt verschiedene Rankings auf, was die Arbeit von Journalisten betrifft. Ein Überblick:

  • Ägypten, Rang 161 (von 180): Auf der Rangliste für die Pressefreiheit muss sich Ägypten mit Rang 161 (von 180) begnügen. Mehr als 20 Journalisten sitzen hier laut Reporter ohne Grenzen zum Teil ohne Urteil seit Jahren wegen ihrer Arbeit in Haft.
  • Syrien, Rang 177: Syrien ist das gefährlichste Land für Journalisten weltweit: Laut Reporter ohne Grenzen wurden dort alleine 2016 mindestens elf professionelle Journalisten und acht Bürgerjournalisten im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet.
  • Feinde der Pressefreiheit: Auch auf der Liste der Feinde der Pressefreiheit 2016 von Reporter ohne Grenzen befinden sich viele arabische Herrscher, unter anderem auch Saudi-Arabiens König Salman, Abdelfattah al-Sisi aus Ägypten und Baschar al-Assad aus Syrien.
  • Lebensgefahr für Journalisten: 57 professionelle Journalisten sind laut Reporter ohne Grenzen 2016 getötet worden, außerdem 9 Bürgerjournalisten und 8 Medienvertreter. 72 Prozent, also 52 von ihnen, sind dabei gezielt wegen ihrer publizistischen Tätigkeit ermordet worden. "Besonders erschreckend ist, dass so viele Journalisten gezielt wegen ihrer Tätigkeit angegriffen und ermordet werden", sagte ROG-Vorstandssprecherin Britta Hilpert. "Diese Zahlen zeigen, wie folgenlos bisher alle internationalen Bemühungen geblieben sind, Journalisten besser vor Gewalt zu schützen."
  • Inhaftierungen und Entführungen von Journalisten: 348 Journalisten saßen 2016 in Haft. 52 weitere wurden entführt. Spitzenreiter bei den Inhaftierungen ist übrigens mit schätzungsweise über 100 Fällen die Türkei; auch in China sind über 100 Journalisten inhaftiert.

Drei Korrespondenten aus arabischen Ländern

In der mediasres-Sendung kommen drei (ehemalige) Korrespondenten aus den arabischen Ländern zu Wort, berichten von ihren Erfahrungen.

Dr. Annette Steinich, ehemalige Tunesien-Korrespondentin unter anderem für die "NZZ"
"Die Verabschiedung der Verfassung war ein bewegender Moment"

Das komplette Interview von Bettina Köster mit Dr. Annette Steinich zum Nachhören (Link zum Audio):


Karim El-Gawhary, Leiter des Nahoststudios des ORF in Kairo
"Eine große politische Baustelle in Nordafrika"
Der Journalist Karim El-Gawhary studierte Islamwissenschaften und Politik in Berlin. Für die ARD war er fünf Jahre lang als Korrespondent in Kairo tätig. Seit 2004 leitet er das Nahoststudio des ORF in Kairo.

Das komplette Interview von Bettina Köster mit Karim El-Gawary zum Nachhören (:


Shafagh Laghai, ARD-Journalistin
"In den wirklich gefährlichen Regionen hatten wir immer einen Sicherheitsberater dabei"
Die Journalistin Shafagh Laghai studierte Publizistik, Politik und Iranistik in Berlin. Neben dem Studium arbeitete sie bereits als freie Reporterin für die Deutsche Welle und reiste für den Sender mehrmals nach Afghanistan und Pakistan. 2008 führte das Volontariat sie nach Köln und zum WDR, wo sie dann für die Tagesschau und die Wirtschaftsredaktion arbeitete. Von 2013 bis 2017 war Shafagh Laghai Korrespondentin im ARD Studio Nairobi. Seit August 2017 ist sie bei der Fernsehsendung Monitor tätig.

Das komplette Interview von Bettina Köster mit Shafagh Laghai zum Nachhören (Link zum Audio):

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