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StartseiteKommentare und Themen der WocheMacron versucht mit viel Engagement, die Welt zu verbessern28.11.2019

Kritik an der NATOMacron versucht mit viel Engagement, die Welt zu verbessern

Emmanuel Macron könne man bei seinem außenpolitischen Wirken zwar einiges vorwerfen, kommentiert Martin Bohne. Aber kaum ein Politiker versuche mit derart viel Engagement und Kompetenz, die Dinge in der Welt und in der NATO wieder richtig zu rücken, wie der französische Präsident.

Von Martin Bohne

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Aufnahme des Seitenprofils von Emmanuel Macron (picture alliance / Le Pictorium Agency via ZUMA)
Vielen geht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf die Nerven (picture alliance / Le Pictorium Agency via ZUMA)
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Eins muss man dem jungen französischen Präsidenten lassen: Er tritt unbeirrt für seine Überzeugungen ein. Gegenwind und Widerworte scheuen ihn nicht. Und seiner Analyse der Fehlentwicklungen und Gefahren in der Welt zu widersprechen, fällt schwer: Die internationale Ordnung ist in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, Europa ist drauf und dran zwischen den Supermächten USA und China zerrieben zu werden. Die Vereinigten Staaten sind derzeit zu unberechenbar, als dass sie noch als Garant der westlichen Werte und der europäischen Sicherheit taugt. In der NATO agiert die Türkei ohne Rücksicht auf die Verbündeten. Überall nehmen nationalistische Reflexe zu.

Vielen geht Macron mit seinen Ermahnungen auf die Nerven

Dem hält Macron entgegen: Die Welt braucht nicht weniger, sondern mehr Zusammenarbeit. Europa muss zusammenwachsen und souverän agieren. Keine Frage: Der 41-Jährige sieht sich als den Führer Europas und vielleicht sogar der gesamten westlichen Welt. Er will provozieren, seine Kritik an der vermeintlich hirntoten NATO sieht er als notwendigen Weckruf. Aber er muss aufpassen, dass er sich nicht überinszeniert als Bannerträger des Guten in der Welt.

Vielen geht er mit seinen Ermahnungen und seiner Hyperaktivität auf die Nerven. Viele sehen dahinter nichts weiter als eine Wiederkehr französischer Großmachtinteressen. Viele halten ihn für undiplomatisch, für einen, der Porzellan zerbricht, das man dann mühsam wieder zusammensetzen muss. In seinem eigenen Land gilt er sehr vielen als abgehobener Besserwisser. Die Abneigung, ja der Hass gegen seine Person, tragen erheblich dazu bei, dass die Franzosen gegen die Reformen auf die Barrikaden gehen.

Erfolge von Macrons Initiativen eher überschaubar

Und auch auf der internationalen Bühne sind die Erfolge von Macrons Initiativen eher überschaubar. Die Bändigung Trumps durch französischen Charme kann man als gescheitert abbuchen. In Europa geht trotz diverser Ruckreden nichts voran: weder bei der Flüchtlingspolitik, noch bei der Reform des Euro, noch bei der militärischen Zusammenarbeit. In der NATO steht er mit seinem Drängen nach mehr europäischer Souveränität allein auf weiter Flur. Das Werben um Russland wird gerade in Osteuropa mit größter Skepsis gesehen. Die Beziehungen zur Bundesregierung kann man fast schon als zerrüttet bezeichnen, jedenfalls findet man kaum mal zu einem gemeinsamen Vorgehen.

Man kann Emmanuel Macron also einiges vorhalten. Aber dennoch: Auf der ansonsten recht traurig besetzten Weltbühne ist keiner, der so mit so viel Engagement und so viel Kompetenz versucht, die Dinge wieder in die richtige Bahn zu lenken. Keiner, der ähnlich viel Charisma in die Waagschale werfen kann.

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