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StartseiteKultur heute"Es sieht mau aus, was andere Regionen angeht"09.10.2020

Kritik an Literaturnobelpreis"Es sieht mau aus, was andere Regionen angeht"

Die Litprom-Chefin Anita Djafari bedauert die Vergabe des Literaturnobelpreises an die amerikanische Lyrikerin Louise Glück. An der Person und ihrem Werk sei nichts auszusetzen, sagte sie im Dlf. Es sei aber enttäuschend, dass erneut keine Schriftsteller etwa aus Afrika oder der Karibik bedacht worden seien.

Anita Djafari im Gespräch mit Dina Netz

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Anita Djafari, Geschäftsleiterin von litprom in Frankfurt am Main (am 05.06.2016) (Salome Roessler)
Anita Djafari, Geschäftsleiterin von litprom in Frankfurt (Salome Roessler)
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Der Verein litprom bemüht sich um die Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Man sei enttäuscht, dass etwa der Exilkenianer Ngugi wa Thiong'o wieder nicht bedacht wurde, obwohl er seit mehr als zehn Jahren auf der Liste möglicher Preisträger stehe. "Eine Auszeichnung für ihn hätte den Verein litprom riesig gefreut. Der über 80-jährige Ngugi wa Thiong'o habe noch immer eine große Bedeutung als Schriftsteller, Essayist und Theatermacher. Viele jüngere Autorinnen und Autoren bezögen sich auf seine Arbeit.

Gegen Ignoranz kämpfen

"Es ist auffällig", sagte Djafari, "dass es in der Arithmetik der Nobelpreisträger doch ziemlich mau aussieht, was Afrika oder andere Regionen betrifft". Die Forderung nach einem Preis für Autorinnen und Autoren anderer Regionen, sei nicht als Kritik am Werk der mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten amerikanischen Lyrikerin Louise Glück gemeint. Sie sei eine Schriftstellerin, gegen deren Auszeichnung man nichts sagen könne. Der Literaturnobelpreis leiste hier Anregung zu einer Neuentdeckung. Es bleibe aber trotz aller Verbesserungen der letzten Jahre eine gewisse Ignoranz, gegen die es anzukämpfen gelte.

Anita Djafari, Geschäftsleiterin von litprom in Frankfurt am Main (aufgenommen am 05.06.2016) (Salome Roessler) (Salome Roessler)Anita Djafari, Geschäftsleiterin des Vereins Litprom, Literaturen der Welt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Literatur aus vermeintlich rückständi-gen Regionen wie Afrika, Asien und Lateinamerika in den Fokus zu rücken. Bei der Buchmesse 2016 wurde die Literaturwissenschaftlerin als Bücher-frau des Jahres ausgezeichnet.  

Wichtige Stimmen

Auch Autorinnen und Autoren aus dem karibischen Raum würden nicht ausreichend wahrgenommen, wie etwa Jamaica Kinkaid, die in diesem Jahr auf der Liste der Nominierten gewesen sei: "Ihre Auszeichnung wäre wirklich eine Botschaft gewesen", weil sie uns viel mitzuteilen habe über Migration, die in die meisten Leben der Autorinnen und Autoren eingeschrieben sei. Sie reflektierten diese Themen, ohne dass sie explizite Migrationsgeschichten schrieben. Das sei unglaublich spannend und es sei sehr wichtig für die Welt, diese Stimmen zu hören, abgesehen davon, dass sie literarisch absolut auf der Höhe seien. Neben Jamaica Kinkaid gehöre Edwidge Danticat zu den interessanten Autorinnen und auch Daniel Laferriere, dessen neuestes Buch mit dem Titel "Ich bin ein japanischer Schriftsteller" gerade auf Deutsch erschienen sei. Da werde mit viel Humor über Konzepte von Authentizität und Identität geschrieben. Anita Djafari: "Da hätte ich mir sehr gewünscht, dass man darauf mal den Blick lenkt".

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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