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StartseiteBüchermarktGroße Geschichten aus kleinen Vignetten06.09.2018

KritikergesprächGroße Geschichten aus kleinen Vignetten

Um zwei kurz und schnell erzählte Romane aus der Gewaltgeschichte des deutschen 20. Jahrhunderts dreht sich das Kritikergespräch. Hart geschnitten und todtraurig: "Felix und Felka" von Hans-Joachim Schädlich. Lakonisch und witzig; "Die Orientreise des Leutnant Stern" von Jakob Hein.

Katharina Teutsch und Tobias Lehmkuhl im Gespräch mit Hubert Winkels

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Buchcover links:Hans Joachim Schädlich: "Felix und Felka", Buchcover rechts: Jakob Hein: "Die Orient-Mission des Leutnant Stern", Foto oben: Hans Joachim Schädlich, Foto unten: Jakob Hein (Buchcover links: Rowohlt Verlag, Buchcover rechts: Galiani Verlag, Foto oben/Schädlich: dpa / picture alliance / Carmen Jaspersen, Foto unten/Hein: Deutschlandradio / Manfred Hilling)
Foto oben: Hans Joachim Schädlich, Foto unten: Jakob Hein (Buchcover links: Rowohlt Verlag, Buchcover rechts: Galiani Verlag, Foto oben/Schädlich: dpa / picture alliance / Carmen Jaspersen, Foto unten/Hein: Deutschlandradio / Manfred Hilling)
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In Hans-Joachim Schädlichs Erzählung ohne Gattungsangabe, "Felix und Felka",  zwingt an einem Nachmittag im Mai 1933 ein tätlicher Angriff des Malers Hanns Hubertus Graf von Merveldt den deutsch-jüdischen Maler Felix Nussbaum, die Villa Massimo zu verlassen. Die Rückkehr nach Deutschland ist ihm und seiner Lebensgefährtin, der polnisch-jüdischen Malerin Felka Platek, angesichts der nazistischen Judenverfolgung unmöglich.

Nach Aufenthalten an der italienischen Riviera, in Paris und Ostende finden sie schließlich eine Bleibe in Brüssel. Dem dringlichen Rat eines Freundes, sich nach Palästina zu retten, folgen sie nicht. In "Felix und Felka" zeigt sich Hans Joachim Schädlich erneut als Meister der so kunst- wie eindrucksvollen Reduktion.

Ebenfalls in kurzen Texten, aber in durchaus auch heiterem Zugriff,  verarbeitet Jakob Hein einen historischen Stoff, der zu kurios ist, um für wahr gehalten zu werden. Und auch wenn jeder erzählerischen Darstellung ein fiktionsfördernde Formprinzip innewohnt, so muss man doch in unserem Fall sagen: das Folgende ist die wahre Geschichte von Edgar Stern, der 1914, mitten im Krieg,  eine als Zirkus getarnte Truppe von vierzehn muslimischen Gefangenen nach Konstantinopel schmuggelte, um den Sultan als Verbündeten des deutschen Reiches, namentlich Kaiser Wilhelms II. zu gewinnen.

Die Reise würde nicht nur für Stern ein großes Abenteuer werden, sondern auch für seine gefangenen muslimischen Freund-Feinde. Und am Ende der literarischen ist es auch ein Abenteuer für den Leser.  "Die Orientmission des Leutnant Stern" ist der erste historische Roman des humoristischen Erzählers Hein, und er findet bei den Kritikern  Zustimmung mit kleinen Einschränkungen, was die Erwartbarkeit der szenischen Entwicklung angeht.

Hans Joachim Schädlich: "Felix und Felka"
Rowohlt Verlag, Reinbek. 204 Seiten, 19,95 Euro.

Jakob Hein: "Die Orient-Mission des Leutnant Stern"
Galiani Verlag, Berlin. 244 Seiten, 18 Euro.

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