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StartseiteWirtschaft am MittagGrößte Bitcoin-Börse offline26.02.2014

KryptowährungGrößte Bitcoin-Börse offline

Im Internet hat sich die Währung Bitcoin gerade etabliert, da erleidet sie einen kräftigen Rückschlag: Eine der wichtigsten Handelsbörsen, die Plattform Mt. Gox, wurde geschlossen. Ist die digitale Währung damit am Ende, bevor sie die reale Wirtschaft erreicht hat?

Von Michael Braun

Weiterführende Information

Bitcoin - Digitale Währung mit schwankendem Kurs (Deutschlandfunk, Computer und Kommunikation, 01.02.2014)

Virtuelles Geld - Bitcoins als Alternative zu Euro und Girokonto (Deutschlandfunk, Marktplatz, 16.01.2014)

Das sind nicht nur Hammerschläge. Das ist eine akustische Assoziation zur Geldschöpfung im Internet, zu einem, der digitales Geld schafft. Jeder könne das, jeder könne ein Bitcoinminer sein, heißt es im Netz:

"Bitcoins are generated all over the internet – by anybody running a free application called a bitcoinminer."

Der große Aufschwung der Internetwährung Bitcoin begann im November vorigen Jahres, als das Internethaus eBay plante, Bitcoins als Zahlungsmittel zuzulassen. Die Nachricht, dass die größte Börse für diese Währung gehackt und danach geschlossen worden ist, mag für viele bitter sein. Doch eine solch bodenständige Branche wie der deutsche Maschinenbau fühlt sich nicht betroffen. In der Realwirtschaft des Baus und Verkaufs von Maschinen spielten digitale Währungen keine Rolle, sagt Josef Trischler, Leiter Betriebswirtschaft beim Maschinenbauverband VDMA:

"Soweit ich weiß, hat noch kein deutscher Maschinenbauer einen Vertrag abgeschlossen, bei dem die Zahlung in Bitcoins erfolgen sollte. Das heißt, wir haben es hier mit einem Phänomen zu tun, das in der realen Wirtschaft keineswegs angekommen ist."

Zahlungsnetzwerk Ripple Labs

Dennoch setzen schon die nächsten Erfinder von Internetwährungen an. Eine heißt Ripple und wird von dem Zahlungsnetzwerk Ripple Labs organisiert. Hier kann nicht jeder sein Geld schaffen. Ripple Labs, ein amerikanisches Unternehmen mit Gewinnorientierung, hat die Geldmenge auf 100 Milliarden Ripple begrenzt. Denn Knappheit gehört zu gutem Geld - und Vertrauen. Wer mit Ripple bezahlen will, bekommt die Ware nur, wenn der Verkäufer an den Wert des erhaltenen Geldes glaubt. Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der genossenschaftlichen DZ Bank, weiß, wie man solches Vertrauen erzeugt: einerseits durch Unterlegung des Geldes mit Vermögen, mit Gold etwa:

"Das Zweite ist: Es gibt eine Institution, die de facto den Wert sicherstellt - über eine Kontrolle der Geldmenge oder eben über volkswirtschaftliche Produktion. Das ist in der Regel eine Zentralbank."

Ob ein privates Unternehmen wie Ripple Labs diese Rolle übernehmen kann – da hat er seine Zweifel:

"Also, wenn das eine private Institution ist, muss die glaubwürdig sein. Es geht immer um Glaubwürdigkeit. Ob das eine private Institution auf Dauer darstellen kann, ist dann die Frage. Es wird wahrscheinlich auf eine semistaatliche Institution hinauslaufen."

Den Markt für digitale Währungen schert das nicht. Bitcoin und Ripple sind nicht die einzigen sogenannten Kryptowährungen. Es gibt auch Litecoin, Peercoin und MasterCoin und noch rund hundert weitere. Manche mögen so funktionieren wie früher in Italien die Lira: Weil es zu wenig Lire-Münzen gab, gaben Händler das Wechselgeld in Form von Bonbons zurück. Sie wurden gelutscht, also als Geld akzeptiert.

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