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StartseiteVerbrauchertippVorsicht Falle18.11.2019

KryptowährungenVorsicht Falle

Kryptowährungen locken mit riesigen Spekulationsgewinnen, viele Anleger stehen aber am Ende mit großen Verlusten da. Und das liegt nicht nur an den stark schwankenden Kursen. Die Handelsplattformen werden nicht unabhängig geprüft und wer an Betrüger gerät, sieht sein Geld nicht wieder.

Von Detlev Karg

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Illustration mit Kryptowährungen Bitcoin und Libra als Münzen auf einer Computerplatine (dpa / chromorange)
Wer Kryptowährungen kauft, sollte aufpassen, dass er nicht an Betrüger überweist (dpa / chromorange)
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Erspartes Geld in Zeiten dauernder Niedrigzinsen endlich gewinnbringend anlegen, das wollen viele Verbraucher. Aktien sind den meisten dabei weiterhin fremd, und so verfallen immer wieder Anleger auf die eigentlich noch viel riskantere Anlageform der Kryptowährungen. Das machen sich dubiose Internetportale zunutze. Einen typischen Fall schildert Michael Herte, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein:  

"Ein Herr von der schleswig-holsteinischen Westküste hat sein Haus verkauft und wollte Geld anlegen. Er traut den Banken nicht und ist im Fernsehen auf Bitcoins und die einfache Möglichkeit gebracht geworden, Bitcoins zu kaufen. Also hat er sich an den Rechner gesetzt, mit Suchmaschinen gesucht und ist dann auf ein Portal gestoßen, das ihm vermeintlich Bitcoins verkauft."

Große Summen Geld als "Vertrauensbeweis"

Was dann folgt, ist eine immer ähnliche Masche: Zunächst wird den Interessenten eine größere Summe Geld abverlangt, als, so zitiert der Verbraucherschützer wörtlich, "Vertrauensbeweis", dass sie auch hoch spekulieren könnten. 20.000 Euro hatte der Mann in unserem Fall dann eingezahlt, erst dann durfte er für etliche tausend Euro endlich Bitcoins ordern. Das böse Erwachen kam erst, als er die vermeintlichen Gewinne einstreichen wollte, so Michael Herte: 

"Als er dann seinen Kontoauszug bekommen hat, sah auch alles gut aus. Die Bitcoins waren darauf verzeichnet. Als er dann Telefonnummern gewählt, Faxe und Briefe in die Karibik gesendet hatte, um in Kontakt zu treten, meldete sich keiner."

Über 200 solcher Fälle sind derzeit bundesweit bekannt. Dabei hätte spätestens die Adresse in der Karibik die Alarmglocken klingeln lassen müssen, mahnt Kerstin Altendorf, Sprecherin des Bankenverbands in Berlin.

"Wenn Sie heutzutage eine Geldanlage tätigen, etwa in Wertpapieren, haben Sie mittlerweile vielfältige Informationen, die Ihnen auch gesetzlich vorgeschrieben zur Verfügung gestellt werden wie etwa Wertpapierprospekte. Diese haben auch einen Zeithorizont und eine Renditeentwicklung der vergangenen Jahre. Das alles gibt es für Kryptowährungen in der Form nicht."

Anlage in Kryptowährung nur für Fachleute empfohlen

Ein Grund, warum deutsche Banken keine Anlage in Kryptowährungen anbieten. Auch gibt es hierzulande keine von unabhängiger Seite wie etwa der Stiftung Warentest empfohlenen Handelsplattformen. Die Welt von Bitcoin und Co. erschließe sich den meisten Verbrauchern gar nicht, so die Sprecherin des Bankenverbandes:

"Eine Anlage in Kryptowährungen ist nur etwas für Fachleute mit hohem technischem Verständnis. Man braucht Fachwissen, das nicht so einfach zu bekommen ist."

Der Sparer, den Michael Herte beraten hatte, und dem er letztlich nicht weiter helfen konnte, hat sein Geld verloren. Er habe einfach nicht damit gerechnet, betrogen zu werden, so der Verbraucherschützer:

"Das Grundproblem bei den Kryptowährungen ist gar nicht mal, dass wir starke Kursschwankungen haben. Das Grundproblem ist momentan, dass man noch nicht einmal sicher sein kann, für sein Geld Anteile an einer Kryptowährung zu erhalten."

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