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StartseiteKultur heute"Sie verkörpert das neue, dynamische, bunte Amerika"09.11.2020

Künftige US-Vize-Präsidentin Kamala Harris"Sie verkörpert das neue, dynamische, bunte Amerika"

Die künftige Vize-Präsidentin der USA, Kamala Harris, stehe mit ihrer Herkunft für die ethnische und religiöse Vielfalt der USA, sagte Britta Waldschmidt-Nelson im Dlf. Die Kulturwissenschaftlerin hält Harris für geeignet, ihr Land wieder zu vereinen, da sie in vielem einen Kurs der Mitte vertrete.

Britta Waldschmidt-Nelson im Gespräch mit Michael Köhler

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Kamala Harris lächelnd am Rednerpult. (AP / Andrew Harnik)
Die gewählte Vize-Präsidentin Kamala Harris bei ihrer Siegesrede (AP / Andrew Harnik)
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Die Kulturwissenschaftlerin Britta Waldschmidt-Nelson zeigte sich im Deutschlandfunk erfreut darüber, dass Kamala Harris bald die neue Vize-Präsidentin der USA wird. "Kamala Harris verkörpert genau dieses neue, dynamische, bunte Amerika in seiner ganzen Diversität - sowohl was Ethnizität und 'Rasse' angeht, aber auch die religiöse Vielfalt."

Waldschmidt-Nelson ist seit Oktober 2016 Professorin für die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums an der Universität Augsburg. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die afro-amerikanische Geschichte, transatlantische Beziehungen sowie Religionsgeschichte der USA und Gender Studies. 

Britta Waldschmidt-Nelson, Professorin für Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums an der Universität Augsburg, zu Gast bei Anne Will im Ersten Deutschen Fernsehen. Berlin, 04.10.2020 (imago images / Jürgen Heinrich)Bis September 2016 war Britta Waldschmidt-Nelson als stellvertretende Direktorin des Deutschen Historischen Instituts Washington in den Vereinigten Staaten tätig (imago images / Jürgen Heinrich)

Waldschmidt-Nelson wies in diesem Zusammenhang auf die Herkunft von Kamala Harris hin. Ein Kind von Einwanderern: Die Mutter sei eine Inderin gewesen, die auch den Hinduismus praktiziert habe, der Vater ein schwarzer Jamaikaner. Harris selbst bezeichne sich als schwarze Amerikanerin und gehöre einer christlichen Baptistenkirche in San Francisco an, habe aber einen weißen, jüdischen Mann geheiratet und ziehe mit ihm seine beiden Kinder groß.

Diese Vielfalt mache das junge, dynamische Amerika aus, so die Kulturwissenschaftlerin. "Gleichzeitig verkörpert Kamala Harris auch das, was gewissen Teilen der rechts außen stehenden Trump-Anhänger so zuwider ist - dass nämlich diese nicht-weißen, nicht unbedingt in dieser christlichen Tradition der Mayflower verwurzelten Amerikaner jetzt plötzlich anfangen, die Macht im Land zu übernehmen."

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Eine große Aufgabe der neuen amerikanischen Regierung sieht Britta Waldschmidt-Nelson darin, die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden. Vereinen und heilen könnten die Demokratinnen und Demokraten das Land nur, wenn sie jetzt keinen links-radikalen Kurs fahren würden wie andere Demokratinnen - zum Beispiel Alexandria Ocasio-Cortez oder Elizabeth Warren.

Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. (picture alliance/dpa/CNP)Jung, weiblich, Latina und aus der Arbeiterschicht - der Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez wird von vielen eine große Zukunft vorausgesagt (picture alliance/dpa/CNP)

Harris steht für einen Kurs der Mitte

Aus Sicht der Kulturwissenschaftlerin war es daher eine "sehr weise Entscheidung von Joe Biden", nicht eine dieser Frauen zur Vize-Präsidentschaftskandidatin zu wählen, sondern Kamala Harris. Zwar sei Harris in manchen Fragen sehr progressiv - zum Beispiel befürworte sie das Recht auf Abtreibung, sie habe sich für eine Polizei-Reform eingesetzt und unterstütze die Black-Lives-Matter-Bewegung. In vielen anderen Fragen stehe sie aber wie Joe Biden für einen Kurs der Mitte.

"Es ist die einzige Chance, wie man das Land jetzt wieder einen kann, ist, wenn man jetzt nicht einen linksradikalen Kurs einschlägt", so Waldschmidt-Nelson. Dass ein solcher radikaler Kurs nicht gewünscht sei, werde auch in der Knappheit des Wahlergebnisses deutlich.

Von der ehemaligen Justizministerin Kaliforniens, früheren Staatsanwältin und Senatorin Harris erwartet die Kulturwissenschaftlerin, dass sie sich besonders auch für die Sicherheit von Frauen und von Menschen, die zu Minderheiten gehören, einsetzt.

Das Bild zeigt die amerikanische Flagge, Dossier zur US-Wahl 2020  (picture alliance / Wolfram Steinberg) (picture alliance / Wolfram Steinberg)

Bildungspolitik als Instrument gegen die Spaltung

Eine Schwierigkeit für die neue amerikanische Regierung sieht Waldschmidt-Nelson darin, dass die Demokraten in der Vergangenheit weite Teile ihrer Hauptwählerschaft verloren hätten. Eine links-liberale Bildungselite habe - zum Beispiel in Gestalt von Hillary Clinton - die Arbeiter im Mittleren Westen mit elitärer Arroganz behandelt und als "Deplorables", also Bemitleidenswerte oder Erbärmliche, bezeichnet. Diese Schichten müssten die Demokraten jetzt wieder ins Boot holen.

Ein Schlüssel dazu ist nach Meinung von Waldschmidt-Nelson die Bildungspolitik: "Die neue Regierung muss die Bildungschancen für die einkommensschwachen Schichten wieder verbessern - auch für die weißen Arbeiter - um die Spaltung in den USA, die eine Bildungsspaltung ist, überwinden zu können. Sonst werden sie auf Dauer keine Mehrheiten erhalten können."

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