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StartseiteCorsoAnarcholiterat auf der Lesebühne20.04.2016

Künstler AhneAnarcholiterat auf der Lesebühne

Ahne ist Dauergast auf Berliner Lesebühnen. Seine schnoddrige Berliner Art hat er über Jahre hinweg kultiviert. Bekannt ist er vor allem für seine "Zwiegespräche mit Gott" – einer Art innerem Dialog mit einem ganz persönlichen Über-Ich. Gerade ist Ahnes neues Buch "Ab heute fremd" erschienen, mit dem er auch auf Lesereise geht.

Von Elmar Krämer

Ahne alias Arne Seidel, Autor und Erfinder der Kultserie Gespräche mit Gott bei Radio Eins  (imago/Sabeth Stickforth)
Ahne alias Arne Seidel, Schriftsteller und Rampensau (imago/Sabeth Stickforth)
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"Jeder Tag ein neuer Tag und Du machst, was du willst!"                        

Geschichten Schreiben und Musikhören, zum Beispiel. Von jeher zwei von Ahnes großen Leidenschaften.

"Wir stehen jetzt hier vor unseren beiden Häusern, die wir 1990 besetzt haben. Damals stand das hier alles komplett leer, die ganze Straßenseite war nur noch für Abriss vorgesehen."

Ahne wird als engagierter Punk in Ostberlin groß. In der Wendezeit ist er im "Neuen Forum" aktiv, doch irgendwann setzten sich die durch, für die das Ganze mehr Beruf als Berufung ist, so sagt er.

"Schattenseiten der Romantik: Mit dem gestreckten Finger, mitten durchs Auge stachst du ins Herz hinein – und wer wischt das Ganze wieder weg?"                                         

Mitte der 90er-Jahre nimmt ihn ein Freund mit zur Reformbühne "Heim und Welt", einer der ersten Lesebühnen Berlins, die für Ahne zur Initialzündung wird.            

"Und da hab ich einmal einen Text vorgelesen und ab da war ich festes Mitglied und musste jede Woche neue Texte schreiben."

Gerne auch mal Szenen in bester Loriot-Manier:                   

"Mutter (in die Karte guckend): Zander, da kannste Kartoffelbrei zu nehmen. Vater: ich nehme Kartoffeln. Die kann ick mir auch selber quetschen. Mutter: Aber wenn de die fragst, dann bin ich mir sicher, die machen Dir den Zander bestimmt auch Kartoffelbrei. Vater nach kurzem Überlegen: Ick nehme trotzdem Kartoffeln. Darauf der erwachsene Sohn: Nimm doch Reis."

Hemmungslose Rampensau

Auf der Bühne wird Ahne zur hemmungslosen Rampensau und seine liebenswerte Berliner Art fesselt das Publikum. Die Geschichten lenken den Blick auf Details, die man sonst oft übersieht. Sie erinnern an verwackelte Kamerafahrten durch heruntergekommene Nebenstraßen oder durch bunte WG-Küchen.

Inzwischen hat auch Ahne sich eingerichtet in seinem Leben – mit der Schreiberei und mit seinem ganz persönlichen, äußerst bodenständigen Gott.

Ahne Zwiegespräche mit Gott: "Zwiegespräche mit Gott, heute – man lebt nur einmal. Na Gott. – Na. – Riecht so angebrannt, Gott? – Ja, mir ist die Suppe angebrannt. – Suppe? Wie kann denn Suppe anbrennen? Gott? – Allet kann anbrennen."

Ahne Zwiegespräche mit Gott live: "Man muss dazu sagen, das Ganze ist in Berliner Dialekt, das ist jetzt ein bisschen Pech für die Leute aus Prenzlauer Berg…"

Ahne Zwiegespräche mit Gott: "Tschüss Gott! - Tschüss Du!"

Kurzgeschichten über den Alltag

Diese Zwiegespräche sind längst Kult - sie leben allerdings von Ahnes Vortragsstil - sie selbst zu lesen ist oft mühsam. In seinem neuen Buch "Ab heute fremd" tritt Gott allerdings etwas in den Hintergrund, zu Gunsten von Kurzgeschichten, in denen Ahne aufs Amüsanteste durch alltägliche Fragen mäandert.

"Je mehr man abnimmt, desto mehr nimmt man auch wieder zu – ob das andersherum genauso funktioniert? Abnehmen durch zunehmen - gibt es bestimmt schon ein Buch zu. Von Eckhart von Hirschhausen oder ähnlich gutgelaunten Bestsellerschreibern."

Ahne ist ein freundlich dezenter Sympath, der zufrieden ist mit dem, was er hat. Keiner, der großen Rummel um sich macht und den es auch gar nicht stört, wenn Leute, die früher zu ihm in die Lesungen kamen, jetzt im ganz großen Rampenlicht stehen – Marc-Uwe Kling z.B. Ahne gönnt es ihm:

"Der ist doch gut!"

Und außerdem:

"Muss ja nicht jeder im Fernsehen sein."

Viel lieber steht Ahne mit seinen Geschichten, Gedichten und auch mal Gesängen auf der Bühne.

Ansonsten führt er ein entspanntes und oft ganz normales Leben und scheint damit sehr zufrieden.

"Wäsche waschen, kochen, putzen, Müll muss weg, einkaufen gehen, Blumen gießen, Tür abschließen, Kind ins Bett – Jetzt! Alltag fetzt."                                            

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