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StartseiteCorsoWas kommt nach der Natur?14.08.2019

Künstlerin Janet LaurenceWas kommt nach der Natur?

In der Installation "Nach der Natur" zeigt die australische Künstlerin Janet Laurence ein schaurig-schönes Gewusel aus ausgestopften und ausgestorbenen Tieren. Es ist fünf nach zwölf: Der Planet Erde ist im Würgegriff des Menschen und wird nachhaltig ausgebeutet. Oder gibt es noch Hoffnung?

Von Peter Backof

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Tote Papageien liegen aufgereiht nebeneinander in einem Regal aus Plexiglas (Peter Backof)
Detail aus der Ausstellung "Nach der Natur" von Janet Laurence (Peter Backof)
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Janet Laurence: "Auch in Australien ist die Eule ein mythischer Vogel. Sie schaut dich an: Die Augen sind vorne! Wie bei uns. Das verbindet sie mit uns."
Dieter Sturma: "Wenn die Eule ihren Flug in der Dämmerung beginnt, dann ist die Zeit der philosophischen Reflexion angebrochen."
Janet Laurence: "Und wenn sie verschwindet, dann ist das fast schon ein Symbol für das Artensterben und den Klimawandel."

Eulen starren dich an

Mit Janet Laurence und Dieter Sturma im Festsaal des Museums König. Ausgestopfte Eulen starren einen an, Teil der Installation "Nach der Natur – Dem Gefährdeten und Verschwindenden" gewidmet. Eine sechzig Kubikmeter große Konstruktion aus Plexiglas-Würfeln ist der 3-D-Rahmen für Dutzende von Eulenarten. Einige davon sind bereits ausgestorben. Janet Laurence hat sie aus dem Museumsarchiv geholt und beschert ihnen ein Nachleben. In einem Kubus ist ein Elefantenskelett zerlegt zu sehen, daneben Papageienarten wie Sardinen in einer Dose dahin drapiert, als sollte man sie essen. Ein schaurig-schönes Gewusel aus Ausgestopftem und Untotem.

Dieter Sturma: "Das ist eine düstere Botschaft, die als erstes rüber kommt, aber das ist eben auch die Regel der Natur: Entstehen und Vergehen gehen Hand in Hand", ordnet Dieter Sturma ein, Professor für Ethik in den Biowissenschaften und Kurator von "Nach der Natur". "Arten sind immer verschwunden, Artensterben ist etwas Natürliches. Aber die Art und Weise, wie das jetzt destruktiv vollzogen wird, das ist neu. Und vor allem: Unsere Destruktion sorgt ja auch dafür, dass sich keine neuen Arten entwickeln."

Wir brauchen Hoffnung

Monokulturen, Raubbau an der Natur. Und der Klimawandel. Das Zeitalter der menschgemachten Zerstörung hat mächtig Fahrt aufgenommen und Prozesse scheinen unumkehrbar zu sein. Es ist fünf nach zwölf: Gibt es noch Gründe, nicht pessimistisch zu sein?

Janet Laurence: "Tja, vernünftig gedacht: Nein! Aber das Gefühl sagt: Wir brauchen Hoffnung, sonst kommen wir nicht ins Handeln. Unser Feind sind wir selbst! Die Natur des Menschen, der immer weiter an wirtschaftliches Wachstum und Fortschritt glaubt."

Janet Laurence, 72 Jahre alt, ist eine Künstlerin mit Mission. In ihrer Heimat Australien und in Japan sehr bekannt, installiert sie gerne im Rahmenprogramm globaler Foren. Etwa beim Weltklimagipfel in Paris, 2015. In Deutschland hat sie unlängst in Berlin ausgestellt: Da konnte man - auch in so einer durchscheinenden Plexiglas-Ästhetik - ins Innere von Blumen schauen. Es geht ihr um mehr als das Illustrieren von Natur und ihrer Zerstörung - auch im Festsaal des Museums König:

"Hier in diesen kleinen Flakons sind kleine Äste, blattvergoldet. Mit Betroffenheit, Klimaangst und Flugscham kommen wir ja nicht weiter. Wir müssen jetzt mithilfe der Wissenschaften intervenieren und uns um die Natur kümmern. Das hat auch etwas mit Hoffnung zu tun. Und macht ein besseres Gefühl als sich hinzusetzen und auf das Desaster zu warten."

Poetisches Rettungskommando

"Natürlich, auch in Australien haben wir 'Fridays for Future', die Gruppe 'Extinction Rebellion' zum Beispiel, mit Schulkindern auf der Straße. Wir sollten ihnen zuhören. Und ich? Suche mit meiner Kunst nach emotionalen Wegen, die Hoffnung zu kommunizieren ..."

... indem sie Eulen, Papageien, Käfer und andere präparierte Tiere in der Installation mit Tinkturen und Substanzen in unzähligen Glasbehältnissen versorgt, eine Art poetisches Rettungskommando. Ist das naive Kunst. Ist das naiv? Nein, sagt schließlich auch Bioethiker Dieter Sturma. Denn was bleibt einem denn sonst, als Bäume der Hoffnung anzupflanzen?

Dieter Sturma: "Das ist das Ziel der Ausstellung, die Gleichgültigkeit zu durchbrechen. Wir tun eben so viele Dinge unnötig und unnütz. Produktion von Müll. Er fällt einem auf die Füße. Da kommt jetzt Naturästhetik und Ethik zusammen: Weil uns das interessiert, wie man diese Lücke überbrücken kann, zwischen dem Wissen, das wir eigentlich haben und unserem Handeln."

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