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StartseiteWirtschaft und GesellschaftGroßaktionär Loh verkauft an Midea04.07.2016

Kuka-Übernahme rückt näherGroßaktionär Loh verkauft an Midea

Der chinesische Hausgerätehersteller Midea ist bei der geplanten Übernahme des Roboterbauers Kuka fast am Ziel. Der Unternehmer Friedhelm Loh hat als zweiter Kuka-Großaktionär sein Paket von zehn Prozent bereits an Midea verkauft. Der Konzern hält damit 48,6 Prozent aller Aktien.

Von Stefan Wolff

Der Stand des deutschen Roboterherstellers Kuka auf der Technologiemesse in Schanghai im August 2014.  (dpa / picture alliance / Weng Lei)
Objekt chinesischer Begierde: Der deutsche Roboterhersteller Kuka (dpa / picture alliance / Weng Lei)
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Es ist ein Sieg des kurzfristigen Gewinnstrebens über die Nachhaltigkeit der deutschen Wirtschaft. So jedenfalls urteile IG Metall-Chef Michael Leppek, als er die Großaktionäre von Kuka dazu aufforderte, ihre Anteile an dem Roboterhersteller zu halten. Der Appell lief ins Leere. Jetzt, da Friedhelm Loh seine zehn Prozent an Kuka verkauft hat, ist die Übernahme wohl beschlossene Sache. Der chinesische Midea-Konzern hält damit 48,6 Prozent aller Aktien.

Friedhelm Loh ist Familienunternerhmer und Funktionär. Seit 2006 ist er Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, BDI. Gleichzeitig wurde er zum Präsidenten des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, kurz ZVEI, ernannt. Das Amt gab er vor zwei Jahren ab und ist seither Ehrenpräsident.

Als Unternehmer führt Loh die Friedhelm Loh Group mit Sitz in Haiger, im hessischen Lahn-Dill-Kreis. Das Unternehmen ging aus den Familienunternehmen Rittal und Ritto hervor. Als Loh Mitte der 70er-Jahre die Geschäftsführung übernahm, hatten diese etwa  200 Mitarbeiter. Heute beschäftigt die Friedhelm Loh Gruppe 11.500 Menschen in den Bereichen Elektrotechnik, Metallverarbeitung und Erneuerbare Energien.

Familienunternehmer und Funktionär will kein "weißer Ritter" sein

Loh hatte stets die Bedeutung familiengeführter Unternehmen hervorgehoben. Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte er vor ein paar Jahren:

"Ich glaube, viele Familienunternehmer und Familien kämpfen für ihre Mitarbeiter, aber irgendwann ist auch so ein Kampf verloren, wenn er wirtschaftlich die Grundbasis eines Unternehmens ins Risiko führt. Sie können das eine Zeit machen, aber Sie müssen an irgendeiner Stelle auch den Mut haben und sagen, es geht nicht mehr, sonst geh' ich das Risiko ein, dass ich damit allen schade. Und dann ist das sicherlich ein Abwägungsprozess."

Auch im Falle Kuka dürfte der Unternehmer sorgfältig abgewogen haben. Als Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sich auf die Suche nach Investoren machte, die gegen das chinesische Kaufangebot bieten sollten, erteilte Loh eine Absage. Er wollte kein weißer Ritter sein. Das würde sein Unternehmen bei Weitem überfordern und die eigenen Investitionsplanungen massiv einschränken, sagte Loh in einem Interview.

Friedhelm Loh gilt als sehr konservativ. Er setzte sich für längere Laufzeiten von Kernkraftwerken in Deutschland ein und ist Gründer der Stiftung christliche Medien, der nach eigenen Angaben größten evangelikalen Verlagsgruppe in Deutschland.

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