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StartseiteCampus & KarriereKulturagenten in die Schulen17.11.2011

Kulturagenten in die Schulen

Modellprojekt in fünf Bundesländern bringt Schüler in Kontakt mit den Künsten

Vier Jahre lang werden in Hamburg, Baden-Württemberg, Berlin, Thüringen und Nordrhein-Westfalen "Kulturagenten" in Schulen arbeiten, um mit Schülern, Lehrern und Künstlern ein Profil der kulturellen Bildung zu entwickeln. Das Programm finanzieren zwei Stiftungen.

Von Verena Herb

Ein Schulmalkasten mit Pinsel. (picture alliance / dpa / Heiko Wolfraum)
Ein Schulmalkasten mit Pinsel. (picture alliance / dpa / Heiko Wolfraum)

"Was ist Kunst?"
"Malen."
" Was noch?"
" Weiß nicht.".

Nicht alle Kinder in Hamburg kennen Kunst, außer als Schulfach. Viele wissen nicht, was Kultur ist, was Kunst sein kann. Das Modellprojekt "Kulturagenten für kreative Schulen" soll da helfen, erklärt Winfried Kneip von der Bildungsstiftung Mercator:

"Eines der drei großen Zielen der Stiftung ist es tatsächlich, mit kultureller Bildung eine neue Lern- und Lehrkultur in Schulen zu etablieren. Und das Programm 'Kulturagenten' steht ganz typisch für diesen Ansatz, weil es uns wichtig ist, dass in diesen Schulen was passiert, was dauerhafter Bestandteil der Schule wird. Das heißt, wir wollen im Prinzip eine Veränderung der Schulkultur, über Künstlerinnen und Künstler und über Kulturinstitutionen, die von außen den Schulen zur Verfügung stehen."

Vier Jahre lang werden in fünf Bundesländern - neben Hamburg sind das Baden-Württemberg, Berlin, Thüringen und Nordrhein-Westfalen - Kulturagentinnen und Agenten in Schulen arbeiten, um mit Schülern, Lehrkräften und Künstlern ein Profil der kulturellen Bildung zu entwickeln. Bundesweit sind 46 Kulturagenten ab diesem Schuljahr im Einsatz - in Hamburg sind es acht, die für 24 Stadtteilschulen zuständig sind.

Sie alle haben einen künstlerischen Hintergrund - sind Regisseure, Choreografinnen oder bildende Künstler. Sie alle haben bereits mit Schulen gearbeitet oder haben generelle Erfahrungen in der Vermittlung von Kunst und Kultur an Kinder und Jugendliche. So wie Kathrin Langenohl, eine der Hamburger Kulturagentinnen. Die Kunsthistorikerin mit den auffallend roten Haaren freut sich auf ihre neue Aufgabe. Ihr Steckenpferd ist Kunst aus Afrika:
"Im Moment bin ich noch dabei, die Schulen kennenzulernen, zu gucken, wo die Probleme der Schulen beziehungsweise die Bedürfnisse der Lehrerinnen und der Lehrer sind. Und werde dann mit denen zusammen, gerade auch in dem Bereich transkulturelle Bildung ein Profil entwickeln."

Kathrin Langenohl hat schon einige Ausstellung zu zeitgenössischer afrikanischer Kunst kuratiert, in Schulen eine "Afrika-Werkstatt" unterrichtet. Ihr Anliegen sei es immer gewesen, Wissenschaft und Pädagogik zusammen zu bringen. Für die kommenden vier Jahre hat sie sich viel vorgenommen.

"Es gibt in Hamburg sehr viele Institutionen, die mit Künstlern auch aus aller Welt zusammen arbeiten und es wäre dann eine Idee, die Schüler mit diesen Institutionen in Kontakt zu bringen. Mit ihnen in Veranstaltungen zu gehen. Sie aber auch an Proben teilnehmen zu lassen... auch Künstler einzuladen an die Schulen, damit es den direkten Kontakt gibt."

Schon von der schwarz-grünen Vorgängerregierung in Hamburg wurde das Projekt unterstützt, als die Kulturstiftung des Bundes damals die einzelnen Bundesländer einlud, mitzumachen. Auch SPD-Schulsenator Ties Rabe findet, "Kulturagenten für kreative Schulen in Hamburg" ist ein verheißungsvolles Projekt:

" Weil wir alle merken, dass Kultur den Schülern neue Chancen erschließt. Chancen, sich selbst kennenzulernen. Chancen aber auch, eine andere Rolle zu finden, abweichend von der normalen Fachlogik, die normalerweise an den Schulen herrscht. Und deshalb freuen wir uns sehr über dieses Projekt."

In Hamburg werden die Kulturagenten ausschließlich an 24 Stadtteilschulen arbeiten. Seit dem Sommer 2010 sind die Stadtteilschulen die einzige weiterführende Schulform neben dem Gymnasium. Ties Rabe:

"Die Stadtteilschule ist eine neue Schulform in Hamburg, und diese neue Schulform in Hamburg findet sich zur Zeit, bildet ihre Profile heraus. Und da passt Kultur prima dazu."

Das Programm wird in den einzelnen Bundesländern mit Länderpartnern durchgeführt, die Koordination dieser Zusammenarbeit hat das gemeinnützige Forum K&B. Das Geld allerdings kommt zu einem überwiegenden Teil von der Kulturstiftung des Bundes und der Mercator Stiftung, die jeweils zehn Millionen Euro für die kommenden vier Jahre zur Verfügung stellen. Insgesamt liegt das Budget bei 22,8 Millionen Euro. Winfried Kneip, Leiter des Kompetenzzentrums Bildung bei der Mercator Stiftung:

"Das hört sich erstmal sehr viel an. Und ist tatsächlich für jede Schule pro Schuljahr ein Betrag von ungefähr 14.000 Euro, der ihr zur Verfügung steht. Das klingt viel, ist aber - wenn man hinterher sieht, wie viel dafür auch von den Schulen aufgebracht werden muss, was sie da an Programmen, Konzepten und Ideen einbringen müssen, tatsächlich etwas, was ausreicht. In jedem Falle."

Also ein komfortables finanzielles Polster, was die Kulturagenten bundesweit zu einem Erfolgsprojekt werden lassen kann. Immerhin erreicht das Programm alleine in Hamburg bis zu 24.000 Schülerinnen und Schüler.

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