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KulturratEckpunkte zu Kolonialgütern "nicht ausreichend"

Eine Wappensäule steht in einem Ausstellungsraum im Deutschen Historischen Museum - Namibia fordert von der Bundesregierung die Rückgabe der Säule.  (dpa / Paul Zinken )
NEine Wappensäule im Deutschen Historischen Museum - Namibia fordert von der Bundesregierung die Rückgabe der Säule. (dpa / Paul Zinken )

Der Deutsche Kulturrat hat das gemeinsame Papier von Bund und Ländern zum künftigen Umgang mit kolonialem Erbe begrüßt, hält es aber nicht für ausreichend.

Kritisch sei vor allem, dass die Kirchen nicht angesprochen würden und dass kein Ombudsmann oder Ethikrat vorgesehen sei, der in Zweifelsfällen angerufen werden könne, sagte der Geschäftsführer des Kulturrats, Zimmermann, in Berlin. Die Kirchen, die durch ihre Missionstätigkeit in die Kolonialgeschichte verstrickt seien, müssten in die Diskussion einbezogen werden. Die Religion sei ein wichtiger Grund gewesen, weshalb das Deutsche Reich Kolonien in Besitz genommen habe, dies müsse entsprechend aufgearbeitet werden. Die Missionstätigkeit an sich - nach dem Motto "Wir bringen den Wilden das Christentum" - sei kolonialistisch gewesen und habe als Wegbereiter für kolonialistisches Denken und Handeln fungiert, betonte Zimmermann.

Grundsätzlich stelle die Vereinbarung aber einen guten Auftakt dar, so der Kulturrat-Geschäftsführer. Allerdings müsse der Blick auf das Thema noch deutlich erweitert werden: "Die kolonialen Strukturen leben auch heute noch fort." So könnten Fragen des Umgangs mit kolonialen Gütern nicht getrennt vom Einsatz für einen gerichten Welthandel behandelt werden. Es gelte etwa, Handelsbarrieren abzubauen und ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Afrika anzugehen, sagte Zimmermann. Dies gehöre zum Umgang mit dem kolonialen Erbe dazu.

Die neu gegründete Kultusministerkonferenz hatte am Mittwoch ein Papier mit "Ersten Eckpunkten" zum Umgang mit Kulturgut aus der Kolonialzeit verabschiedet. Demnach sollen klare Regelungen für die Rückgabe von Museumsstücken aufgestellt werden, die in der Kolonialzeit von deutschen Beamten in Afrika oder im pazifischen Raum geraubt wurden.

Noch vor dem Treffen wurde bekannt, dass Deutschland eine von Namibia geforderte Kreuzsäule an das Land zurückgeben will. Im Februar hatte bereits Baden-Württemberg eine Peitsche und eine Bibel an Namibia zurückgegeben.