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StartseiteHintergrund Wirtschaft (Archiv)Kulturschock Deutschland06.08.2006

Kulturschock Deutschland

Wenn Exportweltmeister nach Hause kommen

Beim Erklimmen der Karriereleiter sind Auslandserfahrungen in großen Konzernen ein Muss. Doch wer nach mehreren Jahren nach Deutschland zurückkehrt, der hat es of schwer, sich in der Heimat wieder zurechtzufinden. Inzwischen haben die Verantwortlichen in den Personalabteilungen das Problem erkannt.

Von Dirk Fleiter

Häuserschluchten in Hongkong, eine der Wirtschaftsmetropolen dieser Welt. (AP)
Häuserschluchten in Hongkong, eine der Wirtschaftsmetropolen dieser Welt. (AP)

Die Auslandsinvestitionen der deutschen Wirtschaft bewegen sich auf einem Rekordhoch. Ein Großteil der Investitionen fließt dabei in die Erschließung neuer Märkte sowie den Ausbau von Vertrieb und Kundendienst - Unternehmensbereiche also, die hoch qualifizierte Mitarbeiter beschäftigen.

Globalisierte Märkte machen die Unternehmen abhängig von Menschen, die bereit sind, oft für viele Jahre fern der Heimat zu arbeiten. So sind Auslandsentsendungen heute Standard in der Personalarbeit multinationaler Konzerne.

Die Probleme, die die Entsendung so genannter Expatriates, auch Expats genannt, aufwerfen kann, kennen international tätige Personalberater schon lange: Werden sie ignoriert, wächst die Gefahr, Mitarbeiter zu verlieren. Vor allem Großunternehmen bieten deshalb neben finanziellen Gehaltsanreizen ganze Programme an. Das Angebot reicht von Sprachkursen über organisatorische Hilfen bei der Wohnungssuche im Gastland bis zur Vermittlung einer Schule für die Kinder. Die Fürsorge soll einem Kulturschock am neuen Arbeitsplatz entgegenwirken.

Was aber geschieht, wenn der Auslandseinsatz zu Ende geht? Denn auch die Rückkehr nach Hause bringt Probleme mit sich, die häufig unterschätzt werden. Im schlimmsten Fall lassen sich die Mitarbeiter nicht wieder integrieren, es droht der so genannte Brain Drain - die Abwanderung von Spitzenkräften. Denn nicht selten ergeht es Heimkehrern wie Peter Groth.

"Mir ist so manches hier fremd geworden, und wenn ich jetzt hierher komme auf Besuch, dann sehe ich das Land und die Menschen mit anderen Augen. Und wenn ich da irgendwelche Aussagen höre oder Sachen erlebe, wundere ich mich schon stärker als früher. Früher war alles normal für mich, weil ich es nicht anders kannte. Jetzt, hier, fühle ich mich nicht zuhause, nicht mehr zuhause, auch wenn es meine Sprache ist, auch wenn ich hier sehr viel schätze und großartig finde, und schon auch Heimweh habe, hin und wieder. so habe ich Schwierigkeiten, mir hier jetzt eine Zukunft vorstellen zu können."

Der 38-Jährige hat fünf Jahre in Rumänien verbracht. Dort arbeitete er als Lektor für den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Nach Deutschland kommt er jetzt nur noch zu Besuch. Nach seiner Rückkehr aus Rumänien hatte er vergeblich versucht, eine neue Perspektive zu entwickeln. Peter Groth lebt und arbeitet heute wieder in Rumänien.

Der ständige Ausbau weltweiter Geschäftsbeziehungen fördert und fordert die Mobilität der Beschäftigten. Die Expats sind meist jung, erfolgreich und stehen mitten auf der steilen Karriereleiter. Ihre Mission: Netzwerke aufbauen, Märkte sondieren und Umsätze generieren. Im Gastland genießen sie große Managementverantwortung und können autonom entscheiden. Für viele ist dies mit der Rückkehr allerdings vorbei. Am neuen Arbeitsplatz fühlen sich die Rückkehrer unterbewertet und nicht richtig verstanden. Mit großen Erwartungen kommen sie oft in eine Position, in der sie kaum Möglichkeiten sehen, ihre erworbenen Fähigkeiten einzusetzen. Das stellt den Sinn ihres Auslandsaufenthalts in Frage, und damit eines Teils ihrer Biogradie.

So erging es auch Ralf Wilkens. Der 38-jährige Sales-Marketing-Manager war insgesamt mehr als neun Jahre für seinen Arbeitgeber in verschiedenen Ländern tätig. Seine erste Entsendung führte ihn nach Sydney. In der Außenstelle baute er erfolgreich die Vertriebsstruktur eines Unternehmensbereichs aus und hatte direkten Kundenkontakt. Nach viereinhalb Jahren wurde er zurückbeordert.

"Als ich aus Australien zurückkam - bin zurückgeholt worden, weil eine neue Aufgabe anstand im Headquarter - also ging es zurück; und dann war es ein mittelschweres Desaster, das muss man ganz deutlich sagen. Das ist dann auch nicht mehr der Punkt, für mich war es nicht der Punkt, dass man jetzt einige Mark mehr bekommt, sondern der Punkt war: Verantwortung, Selbstständigkeit, Einordnen in die Hierarchie. Wenn Sie im Ausland sind, sind sie nun mal, das war ein schönes Beispiel, ein großer Fisch im kleinen Aquarium, und in Leverkusen ist ein Riesenaquarium, und da sind sie ein ganz kleiner Fisch in dem Aquarium - das war für mich zum Beispiel hartes Brot: Vorher konnte ich selber entscheiden, wie ich wo mich bewege und hatte Leute unter mir, konnte das Geschäft auch dementsprechend steuern, und in Leverkusen war das nicht mehr machbar."

Zurück im Großkonzern war der agile Jungmanager plötzlich mit vielen Verwaltungsaufgaben konfrontiert, die kaum mehr etwas zu tun hatten mit der unmittelbaren Praxis, die er im Ausland erlebt hatte. Seine gewonnene Kompetenz war nicht mehr gefragt. Ähnliche Erfahrungen machen viele Rückkehrer am Arbeitsplatz: Im Ausland haben sie Verantwortung und genießen Privilegien. In der Heimat stellen sie leidvoll fest, dass sie nur noch einer von vielen sind, mit einem beschränkten Arbeitsfeld.

Nach Schätzungen der UN-Konferenz zu Handel und Entwicklung ist die Zahl der Unternehmen mit ausländischen Tochtergesellschaften innerhalb der vergangenen zehn Jahre um etwa ein Drittel gestiegen, darunter zahlreiche Firmen mit Stammsitz in Deutschland. Während des Einsatzes im Ausland erwerben die Mitarbeiter internationale Kompetenz, eine wertvolle Ressource für das Unternehmen. Doch vielen Arbeitgebern gelingt es nicht, die Investition in ihre Angestellten optimal auszuwerten.

Eine Untersuchung bei multinationalen Unternehmen ergab, dass mehr als ein Drittel der Expats ihren Arbeitgeber innerhalb der ersten drei Jahre nach ihrer Rückkehr in die Heimat verlassen. Der Wechsel von international erfahrenem Personal in ein anderes Unternehmen bedeutet jedoch einen beachtlichen Verlust, betrachtet man die direkten Aufwendungen eines mehrjährigen Auslandsaufenthalts. Hinzu kommen indirekte Kosten durch den Verlust wertvoller Marktkenntnisse und Geschäftskontakte, die so den Mitbewerbern zugute kommen.

Das kann kaum im Interesse eines Unternehmens liegen, sagt Elmar Koll, Human Ressource Manager beim Bayer-Konzern in Leverkusen, der die Dauer von Auslandsentsendungen daher von vornherein begrenzt:

"Grundsätzlich sind das bei Bayer drei bis fünf Jahre, die Normalversetzung, aber das ist immer auch von der individuellen Entwicklung abhängig, aber von uns aus dem Personalbereich wird das immer noch als der ideale Zeitraum angesehen. Alles was unter zwei Jahren ist, ist sicherlich auch viel zu kurz, und alles, was über fünf Jahre massiv hinausgeht, wird dann auch schon wieder sehr lang im Hinblick auf die Rückintegration."

Die Wiedereingliederung ist oft schwieriger als erwartet. Viele Arbeitgeber unterstellen, dass sich die Mitarbeiter in ihrer Heimat schnell wieder zurechtfinden - oft genug ein Trugschluss, denn auftretende Belastungen auf beruflicher, gesellschaftlicher und privater Ebene werden dabei missachtet.

Im Gastland leben viele Expats in komfortablen Wohnungen, haben oft Angestellte, die Haushalt und Kinder versorgen und genießen einen hohen sozialen Status. So wechselte der Germanist Peter Groth bei seinem Aufenthalt im rumänischen Herrmannstadt sozusagen aus dem deutschen Studentenstatus in die High Society von Transilvanien.

"Ich habe Einladungen gekriegt vom Generalkonsul, vom Bürgermeister und so weiter. Man spielte, wenn man es so sagen kann, direkt in einer anderen Liga als in Deutschland."

Hochrechnungen ergeben, dass für die 100 größten deutschen Unternehmen zirka 60.000 Entsandte im Ausland arbeiten - Tendenz steigend. Doch so mancher geht nicht fort, weil er endlich global player sein will, sondern weil der Arbeitgeber es erwartet. Viele Mitarbeiter sind bodenständiger, als das häufig verbreitete Bild vom Jet-settenden Job-Nomaden glauben machen will.

Rasante Veränderungen erfordern eine permanente Anpassung an die Gegebenheiten im Gastland und bei der Rückkehr ins Heimatland. Die Probleme der Expats betreffen alle Lebensbereiche und sollten ernst genommen werden, meint Andreas Bittner vom Institut für interkulturelles Management IFIM, einem führenden Anbieter interkulturellen Trainings in Deutschland. Bei Auslandsentsendungen, so Bittner, gebe es einen Point of no Return, ein Punkt, der nicht überschritten werden sollte:

"Die Schwierigkeiten der Reintegration sind am eindeutigsten zeitabhängig. Wenn man drei bis fünf Jahre am Stück im Ausland war, kommen die meisten nach einer gewissen Frustphase in Deutschland wieder ganz gut zurecht, aber so ab sechs, sieben Jahren am Stück im Ausland werden die Schwierigkeiten doch erheblich größer. Wenn sie dann nach zehn Jahren wieder nach Deutschland zurückkommen, das ist dann schon eine Situation, wo die wahrscheinliche Prognose ist: Der wird sich relativ schnell die nächste Auslandstelle suchen."

Viel entscheidender als die Probleme am Arbeitsplatz sind für viele Rückkehrer die Veränderungen im privaten und sozialen Bereich. Albert Schönecker war gemeinsam mit seiner Frau zehn Jahre lang in Asien, ist dort zweimal Vater geworden und hat nach langer Eingewöhnungszeit ein neues Heimatgefühl entwickelt. Die Schöneckers haben japanische Freunde gefunden, und durch die Kinder hat die Familie auch am sozialen Leben des Gastlandes teilgenommen - im Kindergarten oder im Sportverein.

Den Kontakt nach Deutschland hat die Familie dabei immer gehalten. Durch regelmäßige Reisen, deutsche Zeitungen und Fernsehen fühlten sie sich gut informiert, aber dennoch blieb etwas auf der Strecke:

"Was nicht möglich war, ist einfach der Wandel in der Gesellschaft, was sich im Bereich der Services abspielt, der Kriminalität der Jugend, Situation an Schulen etc. Das sind Dinge, die haben wir nicht mitbekommen, also das ist ganz klar, und das hat dann auch dazu geführt, dass wir uns beim ersten mal als wir zurückkamen natürlich uns mit Dingen konfrontiert sahen, die wir so nicht erwartet hätten: Service zum Beispiel. Sei es jetzt beim verloren gegangenen Gepäck am Flughafen oder beim Einkaufen, die Art, wie man mit Kunden umgeht, wie man angesprochen wird, das ist schon ein großer Unterschied gewesen."

Der Management-Trainer Andreas Bittner kennt die Bedeutung solcher Alltagserfahrungen aus vielen Gesprächen mit Rückkehrern in seinen Seminaren. Sie nehmen Veränderungen im Stimmungsbild einer Gesellschaft deutlicher wahr als die daheim Gebliebenen. Neben den beruflichen hält er soziokulturelle Eingliederungsprobleme für ebenso bedeutend.

"Man sieht die Welt, und man sieht Deutschland nun mit anderen Augen, man hat sich verändert, Deutschland auch, aber leider nicht gleichsinnig, und vieles ist einem fremd geworden. Ich denke, die neokonservative Propaganda des letzten Jahrzehnts hat die Mentalität schon verändert. Sozusagen, soziale Marktwirtschaft ist nicht mehr so in, shareholder value ist attraktiver geworden. Es ist schon erstaunlich, dann auch für etwa Deutsche, die aus den USA zurückkamen, und noch aufgehoben im rheinischen Kapitalismus der sozialen Marktwirtschaft ausgereist sind, sich sechs, acht Jahre lang immer über diese brutale Herangehensweise der Amerikaner erregt haben, plötzlich festzustellen, meine Freunde in Deutschland denken ganz genauso. Plötzlich sagt man, huch, meine peer group hat wesentliche Parameter ihrer Werte, ihrer Empfindungen verschoben, jetzt bin ich schon wieder fremd."

Auch als Peter Groth nach seinem Aufenthalt in Rumänien frisch verheiratet und voller Optimismus zurückkehrte, wurden seine Erwartungen von der Realität nicht erfüllt - und das, obwohl auch er sich mithilfe der Medien auf dem Laufenden gehalten und den heimischen Stellenmarkt beobachtet hatte, denn außer einem mehrmonatigen Wiedereingliederungsstipendium gab es für den Lektor keine Jobgarantie beim Deutschen Akademischen Austauschdienst .

"Ich war eigentlich der festen Überzeugung, relativ schnell, relativ leicht einen Job zu finden. Ich war im akademischen Bereich tätig, ich war im Ausland tätig. Ich hab große Informationsveranstaltungen organisiert, und ich habe Kulturveranstaltungen umsetzen geholfen und hatte einfach Erfahrungen- Und die Realität, die hat sich da dann doch als etwas anders herausgestellt, weil ich eigentlich immer nur zu hören bekommen habe: Sie waren fünf Jahre weg, Ihr Pech, und nicht: Toll, sie haben Auslandserfahrung."

Einen solchen Realitätsschock nehmen die meisten Rückkehrer nur langsam wahr. Er geht einher mit den veränderten Lebens- und Wohnbedingungen, die plötzlich nicht mehr den Luxus erlauben, den der privilegierte Ausländer im Gastland erfahren hat.

Denn selbst, wenn der Arbeitgeber den Auslandsaufenthalt organisiert und finanziert, kann der Umzug aus einer Businessmetropole in die deutsche Provinz ein ernüchterndes Erlebnis sein.

In der Summe können die Schwierigkeiten im Beruf und im privaten und gesellschaftlichen Bereich zum so genannten zweiten Kulturschock führen, den der Manager-Trainer Andreas Bittner so beschreibt.

"Es ist im Wesentlichen das Gefühl, dass vieles in der eigenen Heimat fremd geworden ist und man auch von vielen in der eigenen Heimat plötzlich als fremd betrachtet wird. Dies ist auch deswegen ein sehr schmerzhaftes Erleben, weil sie nun keinen Fluchtpunkt mehr haben. Im Ausland, wenn es Ihnen schlecht geht, es bleibt immer die Möglichkeit im Hinterkopf: Ich kann ja auch nach Hause gehen. Wenn sie plötzlich diese Fremdheit in ihrer eigenen Herkunftskultur erleben, dann ist das viel bedrohlicher, weil sie dann erstmal verarbeiten müssen, dass sie so selbstverständlich wie früher nie mehr irgendwo leben werden."

Groth: "'"Wir alle, die wir im Ausland waren und zurückgehen, sind natürlich der festen Überzeugung: Ich gehe zurück, ich gehe nach Hause. Aber so, wie man nicht zweimal in denselben Fluss springen kann, so scheint man nicht zweimal nach Hause zu kommen, weil mein Zuhause hat sich auch in der Zeit verändert und ist nicht mehr so wie es war, als ich ein Teil davon war.""

Hierbei spielen Freundschaften eine entscheidende Rolle. Die allerdings während der Zeit im Ausland aufrecht zu erhalten, ist besonders für aufstrebende Jungmanager eine schwierige Sache. Auf dem Weg zu neuen Ufern fällt es ihnen schwer, die Erfahrungswelt der daheim Gebliebenen zu würdigen. Gespräche mit Freunden und Bekannten werden als borniert wahrgenommen, weil das eigene Themenspektrum sich erweitert hat. Ganz bewusst hat der Manager Ralf Wilkens daher in Kauf genommen, sein altes soziales Umfeld aufzugeben.

"In meiner ganzen Zeit im Ausland habe ich eigentlich den Kontakt nach Deutschland hin nur mit einem Freund gehalten und mit meiner Familie. Der Rest war mir, es war mir nicht egal, aber es war eh verloren gegangen im Laufe der Zeit. Das ist einfach der Preis, den sie zahlen. Wenn man dann zurückkommt an den Ort, an dem man aufgewachsen ist - sie haben keine gemeinsamen Erlebnisse mehr. Was sie erleben im Ausland, im outback von Australien mit einem Kunden, das ist für den Menschen so weit weg, das ist zu weit weg, und er kann es auch nicht fassen."

Auch wenn er manchmal wehmütig zurückschaut, hat Ralf Wilkens sich nach einigen Monaten in Deutschland wieder eingelebt. Seine Partnerin hat ihren alten Job wieder aufgenommen und er hat einen neuen Arbeitgeber gefunden, bei dem er seine internationale Erfahrung einbringen kann. Wie den allermeisten ist ihm die Wiedereingliederung gelungen, doch all zu oft gehen die Rückkehrer hierbei zunächst von falschen Erwartungen aus, berichtet Andreas Bittner.

"Die Auslandsrückkehrer sehen sich sehr oft so als change agents. Sie haben im Ausland was gelernt, und wollen das im Inland nun anwenden können. Und auch da sind die Erwartungen von Rückkehrern häufig überzogen. Das ist ganz erstaunlich: Auslandsmitarbeiter, die jahrelang gesagt haben, okay,, ich weiß, in USA muss ich anders vorgehen als in Deutschland, kehren nach Deutschland zurück und wollen das, was sie in den USA gelernt haben eins zu eins in Stuttgart umsetzen. Das führt dann auch schnell in einen Konflikt mit den daheim Gebliebenen, deren Erwartung in der Regel eher ist: 'Akzeptier mal, dass du jetzt wieder hier bist und dass es hier so läuft, wie es halt hier so läuft'."

Aus dieser Tatsache hat Lektor Peter Groth die Konsequenzen gezogen. Nach dem Ablauf seines Reintegrationsstipendiums in Deutschland und den vergeblichen Bemühungen, seine Erfahrungen hier in einen angemessenen Job einzubringen, sieht er seine berufliche und private Zukunft in Hermannstadt. Dort ist er heute Geschäftsführer einer großen Kulturstiftung.

"In der Zeit, die ich hier war, habe ich festgestellt: All die Sachen, die ich kann, die ich weiß, die ich gelernt habe, die ich erfahren habe, die scheinen hier nicht sehr viel wert zu sein. In Rumänien hingegen schein ich ein wahrer high potential zu sein, weil mir da Jobs angeboten werden als Verlagsleiter, wie gesagt, als Geschäftsführer, und ich spreche Rumänisch. Hier habe ich mit meinen Rumänischkenntnissen nicht viel tun können."

Die Herausforderungen, die Auslandsentsendungen für Mitarbeiter und Arbeitgeber mit sich bringen, sind enorm und stellen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen vor finanzielle und organisatorische Probleme. So werden Auslandsaufenthalte zunehmend auf bestimmte Projekte beschränkt, und immer häufiger wird hoch qualifiziertes Personal in den ehemaligen Schwellenländern selbst rekrutiert.

Doch mehr und mehr finden Firmen auch intern Wege, die Lage für Rückkehrer zu verbessern: Das Angebot an speziellen Rückkehrerprogrammen wächst, und nicht nur beim Bayer-Konzern wird versucht, die Auslandserfahrung von Mitarbeitern auf ganz nahe liegende Weise zu nutzen:

"Das ist für uns eine Ressource, in die wir investiert haben als globales Unternehmen. Und wir brauchen gerade hier im headoffice Mitarbeiter, die global ausgerichtet sind und das kann man eigentlich nur dadurch erreichen, dass die Mitarbeiter, die selber im Ausland waren diese Erfahrungen dann auch an die Mitarbeiter weitergeben, die hier sind."

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