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StartseiteHintergrundKunst im neuen Irak11.08.2013

Kunst im neuen Irak

Bagdad ist Kulturhauptstadt der arabischen Welt

Das Projekt "Bagdad - Kulturhauptstadt der arabischen Welt" hat große Diskussionen unter den Künstlern im Irak ausgelöst. Kritiker sagen, dass dabei von korrupten Beamten viel Altbackenes gefördert wird. Andere freuen sich über die internationale Aufmerksamkeit.

Von Björn Blaschke

Der Ferdouz-Platz in Bagdad bei Nacht, aufgenommen vom Dach des Palestine-Hotels. Rechts ist das Ishtar-Hotel zu sehen. (AFP/ Patrick Baz)
Der Ferdouz-Platz in Bagdad bei Nacht, aufgenommen vom Dach des Palestine-Hotels. Rechts ist das Ishtar-Hotel zu sehen. (AFP/ Patrick Baz)
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Der Griff in die irakische Geschichte ging tief: Die Schauspieler waren in Kostüme gewandet, die der Kleidung der Babylonier, Sumerer und Assyrer nachempfunden waren. Sie tanzten – bunt ausgeleuchtet - vor einer Leinwand, über die Bilder flackerten; Aufnahmen berühmter Altertümer und archäologischer Funde aus dem Land zwischen Euphrat und Tigris. Dazu eindringliche Stimmen, die die Größe des Zweistromlandes beschworen.

Eine Light-Show im März – zu Beginn der zwölf Monate, in denen Bagdad einen Zusatznamen trägt: "Kulturhauptstadt der arabischen Welt".

Immer noch droht der Irak zu zerbrechen; an den ethnischen und religiösen Konflikten zwischen Schiitischen und sunnitischen Arabern, Turkmenen und Kurden. Und immer noch verüben fast täglich Terroristen Attentate im Irak. Anschläge, durch die bisweilen 30, 40, 50 Menschen sterben und ungleich mehr Verletzungen erleiden.

Und trotzdem sollen in Bagdad bis März 2014 irakische und internationale Künstler ihre Arbeiten präsentieren. Jeder Monat ist einer anderen Gattung gewidmet: Theater, bildende Künste, Film oder Tanz.

Der Ferdouz-Platz und das Ende des alten Regimes

Das Hauptprojekt von "Bagdad – arabische Kulturhauptstadt" gilt dem Ferdouz, jenem Platz im Zentrum von Bagdad, auf den 2003, vor zehn Jahren, ungezählte Kameras gerichtet waren. Viele TV- und Fotojournalisten, die seinerzeit über den von den USA geführten Krieg gegen das Regime von Saddam Hussein berichteten, waren im Palestine- oder im Ischtar-Hotel untergebracht – gleich neben dem Ferdouz-Platz. So entstanden am 9. April 2003 berühmte Bilder, die noch heute um die Welt gehen, wenn vom Ende des alten Regimes die Rede ist.

O-Ton CNN in Bagdad:
"Sie sind nicht im Großraum Bagdad, heute Morgen sind wir im Stadtzentrum von Bagdad!"
"Allright, Cpt. Thorp, CC, Qatar, Danke sehr. Wie Ihnen Cpt. Thorp erzählt hat…"

O-Ton Tagesschau:
"Einheiten des US-Militärs sind heute Morgen in die irakische Hauptstadt Bagdad eingerückt. Wie es aus dem Zentralkommando in Qatar hieß…"

O-Ton CNN in Bagdad:
"Koalitionseinheiten haben das Stadtzentrum erreicht!"
"Im Zentrum von Bagdad?"
"Das ist korrekt. Wir sind also im Zentrum von Bagdad…"

Eine Saddam-Hussein-Statue wird in Bagdad von US-Soldaten umgestürzt. (AP Archiv)Die Saddam-Hussein-Statue wird in Bagdad von US-Soldaten umgestürzt. (AP Archiv)Einige Dutzend Iraker reißen eine bronzene Saddam-Hussein-Statue von ihrem Sockel – mit Hilfe von US-Soldaten.

O-Ton CNN in Bagdad:
"Die Truppen sind im Zentrum von Bagdad. Viel schneller als viele Leute gedacht hatten, dass das passieren würde."

O-Ton Dick Cheney:
"Saddam Husseins regime is clearly doomed."

Darum gilt der 9. April 2003 als der Tag, an dem das alte Regime gestürzt wurde; der Ferdouz-Platz als das Wahrzeichen für den Anbruch einer neuen Ära.

" … die Statue von Saddam Hussein im Zentrum von Bagdad von ihrem Sockel stürzen – diese Szenen sind atemberaubend."

Heute wirkt der Ferdouz, was zu Deutsch "Paradies" heißt, weniger wie ein denkwürdiger Platz. Er gleicht vielmehr einer großen, ovalen Verkehrsinsel. In der Mitte einer halb-vertrockneten Grasfläche ist nach wie vor der Sockel eingelassen, auf dem einst die bronzene Saddam-Hussein-Statue stand. Nur mehr ein Fuß ist von dem Standbild des Diktators übrig. Eine kleine Einöde, auf die sich keine Iraker verirren.

Und auch um den Ferdouz herum passiert nicht viel. Autos stauen sich. An einer Seite des Runds steht eine bekannte Moschee, an die andere Seite grenzen Sprengmauern. Sie sollen das Palestine- und das Ischtar-Hotel vor Attentaten schützen.

Eine neue Skulptur für den Ferdouz-Platz

Im Foyer des Ischtar-Hotels sitzt Abbas Ghareeb. Er wurde auserkoren, dem Ferdouz zu neuem Glanz zu verhelfen: mit einer Skulptur. Einer Skulptur, die den Namen "Denkmal des Irak" tragen – und acht Millionen Dollar kosten soll. Schnell wischt Abbas Ghareeb, der eine Sonnenbrille auf seine hohe Stirn geschoben hat, über den Bildschirm seines Tablet-Computers, zeigt die Bilder eines Modells aus mehreren Perspektiven und führt dazu eine gute Stunde lang seine Pläne und Ideen aus:

"Kurz gesagt wird die Skulptur, die auf einer runden Insel in einem Teich stehen soll, dreiteilig sein: Achtzehn Stahlstreben, die einen Kreis bilden, sind nach oben hin auseinander gebogen. In der Mitte sind die Streben - gleich der Banderole um den Bauch einer Flasche - von einer breiten Bronze-Verkleidung umgeben. Eingraviert sind in die wichtige Motive aus der alten Geschichte des Landes, aus jener Zeit, da der heutige Irak noch Mesopotamien war, das Zweistromland, Assur oder Babylon. Gilgamesch ist genauso zu sehen wie König Hamurabi und seine Rechtssammlung, sumerische Schrifttafeln, der Turm von Babel, beduinisch-arabische und kurdische Tänzer. Symbolisieren soll die Konstruktion eine Blüte. Die 18 Provinzen des Irak wachsen aus der Geschichte eines alten Kulturlandes heraus, erstrahlen im wahrsten Sinne des Wortes: An den Spitzen der 18 Stahlbögen – in gut 20 Metern Höhe - sollen Laser-Strahler installiert werden."

Dabei ist nichts in die Bronze-Banderole graviert, was schlecht war in der Geschichte des Landes: Nebukadnezzar fehlt ebenso wie Diktator Saddam Hussein – Grausamkeiten und Krieg sind bei Abbas kein Thema. Die gewalttätige Geschichte des Landes sei von anderen verarbeitet worden. Er wollte die friedliche Seite zeigen. Das Gute!

Abbas Ghareeb hat einen Mittagstisch reserviert. Nicht im Restaurant des Ischtar-Hotels, sondern in einem Lokal, das zehn Autominuten vom Ferdouz entfernt ist. Das Auto kurvt um den Platz, ein Blick aus dem Fenster - und es ist klar, dass jeder sich den Nacken verrenken muss, der eines Tages Abbas 20 Meter hohe Statue in ihrer Gänze sehen will.

Es ist laut in dem Restaurant. Abbas muss gegen die vielen Geräusche anreden, als er von sich und seiner Karriere erzählt. 1965 wurde er in Bagdad geboren, wuchs auch auf in der irakischen Hauptstadt, studierte bei drei namhaften irakischen Künstlern am Institut für schöne Künste und zog dann zeitweilig nach Schweden, zu Verwandten, die in den 80er-Jahren geflohen waren.

"Mein Studium ist normal gelaufen, aber später, nach dem Studium, hatte ich keine Chance als Künstler. Chancen hatten nur die, die überall Saddam Hussein einbauten. Und das habe ich nicht gemacht. Sonst wäre ich reich geworden und berühmt."

Später begann Abbas zwischen Skandinavien und dem Irak zu pendeln. Den Krieg 2003 erlebte er in Bagdad. Als die bronzene Saddam-Hussein-Statue auf dem Ferdouz von ihrem Sockel gerissen wurde, sagt Abbas - sah er zu. Am Fernseher.

"Die Iraker hätten ihn gerne selbst gestürzt – anstelle der Amerikaner. Aber das Regime war stark, sodass die Iraker das nicht geschafft hätten."

Heute ist er stolz darauf, den Ferdouz neu gestalten zu dürfen:

"Ja, es ist das Herzstück von "Bagdad – Kulturhauptstadt der arabischen Welt". Und der Ferdouz ist eine Herausforderung: Der Platz war das Wahrzeichen des alten Regimes. Und ich würde ihn gerne zum Wahrzeichen des neuen Irak umformen."

Die Skulptur von Abbas Ghareeb ist stark umstritten

Bisher sind die Pläne kaum bekannt. Und die wenigen Iraker, die sie kennen, sind überwiegend entsetzt. Manche sehen in der Skulptur tatsächlich eine Blüte, halten die Konzeption aber für kitschig oder altbacken. Andere gehen weiter: Sie spotten, Abbas Ghareeb werde für acht Millionen Dollar einen gigantischen Schirmständer schaffen. Oder einen Übertopf, den Übertopf der irakischen Geschichte.

Einer, der weniger harsch, aber doch hart mit Abbas ins Gericht geht, ist Qasim Sebti. Sebti ist ein international angesehener Künstler - Maler und Bildhauer -, der auch mit großen Ausstellungen im Ausland - in New York zum Beispiel oder in Paris – hervorragende Kritiken erntete. Sebti sagt über Abbas Pläne für den Ferdouz-Platz:

"Wirklich, das ist jämmerlich. Eine so große Statue auf so engem Raum zu installieren. Vielleicht auf einem größeren Platz, okay. Aber auf diesem Platz, das geht nicht. Und dann die Bronzearbeiten - wie sollen die Leute die denn sehen können? Die Tänze – beduinische und kurdische - insbesondere vom Auto aus… diese ganze Folklore. Der will, dass der Installation jeder zustimmt."

Mit äußerst obszönen Worten beschimpft Sebti am Ende seiner Ausführung die Verantwortlichen im Kulturministerium. Sie hätten sich auf Abbas' Entwurf geeinigt, weil er niemandem weh tue, sondern allen gefällig sei – Kurden, sunnitischen und schiitischen Arabern. Überhaupt seien die meisten Künstler, die irgendwie mit dem Projekt "Bagdad – Kulturhauptstadt der arabischen Welt" zu tun haben, eher angepasst, langweilig und uninspiriert.

"Ich bin überzeugt davon. Ich weiß, dass wir gute Künstler haben, in Bagdad und in den anderen Provinzen."

Sebti ist nicht nur Künstler. Er betreibt auch eine bekannte Galerie mit einem Garten, in dem moderne Skulpturen stehen. Eine kleine Oase, in die Sebti oft freitags zu Grillfisch, Wein und Bier einlädt. Hier hatte er ursprünglich – so Sebti – eine Ausstellung im Rahmen von "Bagdad – Kulturhauptstadt" organisieren sollen. Im Auftrag des Kulturministeriums. Dann aber habe die Behörde einen Rückzieher gemacht. Wahrscheinlich weil er ihnen – mutmaßt Sebti – zu progressiv sei, nach neuen Künstlern suche.

Das Bild von den Kultur-Beamten: korrupt und konservativ

Die zuständigen Beamten in Bagdad seien hingegen konservativ. Sie bevorzugten die Art von Kunst, die vor 30 Jahren im Irak "in" war: irakisch-nationalistisch, politisch nicht aneckend, pompös und überdimensioniert, so wie es schon die Auftaktveranstaltung zu "Bagdad – Kulturhauptstadt" hatte ahnen lassen.

In dieses Horn stößt auch Furat al Jamil, eine deutsch-irakische Filmemacherin mit Wohnsitzen in Bagdad und Berlin. Sie kennt den Entwurf, den Abbas Ghareeb für die Neugestaltung des Ferdouz-Platzes gemacht hat, nicht im Einzelnen. Ist aber wenig erstaunt, dass Abbas den Zuschlag bekommen hat. In einem Café sitzend sagt sie:

"Das ist die Schuld der Kommission – und die Kommission, die dieses Design annimmt und genehmigt, die sind ja von hier. Und wenn da einer kommt und sagt: Ich habe in Schweden gelernt und die Schweden machen das so und so - natürlich lassen die sich beeinflussen von solchem Geschwätz."

Furat al Jamil wird im Rahmen von "Bagdad – Kulturhauptstadt" bisher nicht von den offiziellen irakischen Stellen unterstützt. Ihr Antrag auf Förderung eines Animationsfilms, den unter anderem das Dubai-Filmfestival kofinanziert, befindet sich noch "in der Prüfung". Dabei ist die Mit-Vierzigerin eine renommierte Künstlerin, die mit ihren eher experimentellen Filmen international erfolgreich ist.

Worauf die Zurückhaltung basiert, weiß Furat al Jamil nicht. Es kann sein, dass sie einfach aus dem Rahmen fällt, in dem die Beamten des Kulturministeriums denken; Beamte, deren künstlerisches Verständnis in den 80er-Jahren, in denen der Staat die Kultur stark gefördert hatte, geprägt wurde und stecken blieb. Bevor also Saddam Husseins Soldaten Kuwait überfielen, was zwei Kriege nach sich zog und UN-Sanktionen, Isolation.

"Das ist das Problem der Ausbildung der Beamten. Die Beamten haben sich ja nicht geändert. Die sitzen seit 30 Jahren im gleichen Stuhl und die denken natürlich in den gleichen Kategorien. Wie sollen die sich auch ändern. Es gibt dann manchmal so Aktionen, wo sie ins Ausland geschickt wurden, um eine Ausbildung im Management oder wie auch immer zu bekommen. Aber das dauert dann vielleicht fünf Tage. Wie soll man in fünf Tagen 25 Jahre Bürokratismus aus dem Kopf kriegen? Und dann gehen sie dahin und sind meistens fünf Tage am shoppen, statt dem Unterricht zu folgen."

Viele Kommissionen, wenig Unabhängigkeit?

Und so sagen einige Künstler im Irak, das Kulturministerium hätte ein paar Berater aus dem Ausland einladen sollen, um Bagdad tatsächlich zu einer modernen Kulturhauptstadt zu machen.

"Aber das wollte ja keiner. Und der Minister konnte nicht gegen alle ankommen. Der hatte das vorgeschlagen – und das wurde abgelehnt. Und dann hat er gesagt: Na, dann macht mal jetzt! Und wir werden sehen, was ihr daraus macht. Und dann haben sie das gemacht. Und dann hat er gesagt: Jetzt stopp!"

Stopp hat der Kulturminister gesagt – und vorläufig alle Zahlungen an Kulturprojekte eingefroren, nachdem Fälle von Korruption ruchbar geworden waren: Künstler sollen Beamte bestochen haben, um gefördert zu werden.

"Es ist immer irgendwo Beteiligung dabei. Irgendwo ist immer irgendeine Beteiligung dabei. Wie diese Beteiligungen ablaufen, das ist… das läuft zwischen denen ab."

Auch andere Künstler, wie der Maler, Bildhauer und Galerist Qasim Sebti, erheben diesen Vorwurf. Der Nichtregierungsorganisation Transparency International gilt der Irak als eines der korruptesten Länder weltweit. Politiker, Beamte, Unternehmer – sie alle stehen im Irak unter Generalverdacht jedes Jahr Millionen in die eigene Tasche zu wirtschaften. Warum sollte das nicht auch im Kulturbereich gelten?

Und so ist denn bisweilen zu hören, dass auch Bestechungsgelder geflossen sein sollen, als Abbas Ghareeb den Zuschlag für die Neugestaltung des Ferdouz-Platzes bekam. Acht Millionen Dollar sind schließlich selbst im Irak, wo so viel Öl gefördert wird, dass sich die Politiker um ihren Haushalt kaum Sorgen machen müssen, kein Trinkgeld. Und daher fragen sich manche Iraker, wer am Ende von dem geplanten "Denkmal des Irak" profitieren wird.

Jamal Al-Atabi, der Leiter der "Abteilung für schöne Künste" im Kulturministerium von Bagdad, erklärt: Eine unabhängige Kommission habe für den Entwurf von Abbas Ghareeb gestimmt – und das auch erst im zweiten Anlauf:

"In einem ersten Wettbewerb wurde ein Werk ausgesucht, von dem ich nicht überzeugt war. Es war eine Imitation von alten koreanischen und russischen Werken. So gab es einen zweiten Wettbewerb - organisiert von Professoren der Fakultät der feinen Künste, auch Bildhauer und Architekten aus der Technischen Hochschule saßen dabei. Ich selber bin sehr bedacht gewesen bei der Auswahl der Leute, die in dem Wettbewerbskomitee saßen, um das andauernde Gerede zu stoppen."

Diskussion um die Kosten

Das andauernde Gerede der anderen Kulturschaffenden - das betrifft vor allem die Frage, ob die Kosten für Abbas' Projekt im Verhältnis zum Ergebnis stehen werden.

"Der Projektleiter, also der Bildhauer, veranschlagt selbst die Kosten für sein Projekt. Es gibt Komitees, die sich die Kosten ganz genau anschauen und die auch diese Kosten beurteilen, ob sie richtig sind oder nicht. Die Beurteilung wird diesen Komitees überlassen. Es werden auch Diskussionen über das Projekt geführt, ob etwas hinzugefügt oder geändert werden soll. Wer wie viel ausgibt oder was wofür braucht - dafür sind andere Leute zuständig. Unsere Aufgabe ist es zu sagen, ob das Design schön ist oder nicht, und ob es ausgewählt wird oder nicht. Es ist nicht meine Aufgabe zu wissen, was es kosten wird. Das ist nicht meine Angelegenheit."

Und trotzdem räumt Attabi ein, dass möglicherweise mehrere Stellen im Irak bei der Verwirklichung der Pläne von Abbas Ghareeb profitieren werden.

"Natürlich! Es sind Firmen und Architekten."

Ist er denn wenigstens zufrieden mit dem Entwurf von Abbas?

"Persönlich…? Nein! Ich hatte mir eine breitere Teilnahme von internationalen Künstlern, von Leuten wie zum Beispiel Zaha Hadid gewünscht. Die ist eine aus dem Irak stammende, für ihre Architektur weltberühmte Künstlerin. Ich könnte viele private Bemerkungen machen, was diese Sache angeht. Ich, persönlich!"

Abbas Ghareeb weist all das von sich: Vollmundig – und mit vollem Mund – erklärt er beim Mittagstisch: Von Bestechungsgeldern könne in seinem Fall keine Rede sein.

Ursprünglich habe der Kulturminister nur zwei Millionen Dollar zur Verfügung stellen wollen. Dann aber habe er Abbas Modell gesehen:

"Der Minister persönlich, dass muss auch erwähnt werden, der Minister persönlich sagte, dass es ein großartiges Projekt ist und dass die Iraker das Projekt wollen und es verdienen – mit viel Aufwand und Mitteln."

Er, Abbas, habe seinerseits 15 Millionen Dollar veranschlagt. Acht Millionen Dollar – man traf sich also in der Mitte. Ja, so Abbas, und deshalb müsse er nun eine Billigvariante seines Konzeptes umsetzen. Müsse auf den Luxus-Stahl aus Deutschland verzichten. Auch die Bronze müsse billiger sein. Und, und, und.

Und jenen Kritikern, die sein Konzept zur Neugestaltung des Ferdouz-Platzes für zopfig-konservativ und überdimensioniert halten, tritt er selbstbewusst entgegen:

"Ich finde, es ist ein Erfolg, wenn es realisiert wird. Es ist eine offene, leicht zu lesende Botschaft an all die, die den Irak besuchen. Ein schönes Werk, bei dem das Volk mitdenken kann. Es ist leicht zu verstehen. Nicht schwer."

Deutsche Kulturmanagerin in Bagdad ist zuversichtlich

Bagdad - Kulturhauptstadt der arabischen Welt. Kritiker dieses Projektes sagen, dass dabei viel Altbackenes gefördert wird. Teilweise von korrupten Kultur-Apparatschiks. Hella Mewis ist die einzige deutsche Kulturmanagerin in Bagdad und organisiert in diesem Jahr einen Theater-Austausch – mit einem irakischen, einem französischen, einem ägyptischen und einem deutschen Regisseur.

Hella Mewis ist eine der wenigen internationalen Beteiligten an "Bagdad – Kulturhauptstadt". Und sie hält – bei allen Schwächen - das zwölfmonatige Projekt für gut. Denn: Es könne helfen, das Altbackene zu überwinden.

"Ich denke ja. Unbedingt. Weil die Iraker selbst lernen ja auch. Es kommen mehr Leute rein ins Land. Auch Kunst und Kultur lebt ja von Austausch. Das heißt, Du brauchst den Austausch aus verschiedenen Kultursphären. Kunst lebt davon sich zu entwickeln."

Entwickeln aber könne sich die Kultur nur, wenn Kultur-Schaffende, auch internationale, wieder beginnen, sich für den Irak zu interessieren. Trotz der Attentate, die immer noch im Irak verübt werden. Wie unlängst auf ein Kaffeehaus; ein Anschlag, bei dem mehr als 30 Menschen starben.

Hella Mewis, die zum Interview selbst in ein Café gekommen ist, sagt, dass der Irak mit dem Projekt "Bagdad - Kulturhauptstadt der arabischen Welt" wieder in der Normalität ankommen will. Und:

"Man muss den Mut haben anzufangen. Und kommen. Ja, klar gehen hier Bomben hoch. Man kann's nicht verleugnen. Es ist kein Spaziergang durch Paris. Aber wenn man sich an bestimmte Regeln hält, dann kann man sich auch als Ausländerin hier bewegen. Und man kann auch Projekte entwickeln."

Zwar mag am Ende des Jahres, in dem Bagdad Kulturhauptstadt der arabischen Welt war, eine umstrittene neue Statue auf dem Ferdouz-Platz stehen, eine, die mehr den alten als einen neuen Irak repräsentiert. Aber vielleicht wird die Statue immerhin eine Diskussion auslösen; eine um einen moderneren Umgang mit Kultur.

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