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StartseiteKultur heute"Da müsste man schon sorgfältige Prüfung und Vorsicht erwarten"20.07.2017

Kunstfälschungen in Museen*"Da müsste man schon sorgfältige Prüfung und Vorsicht erwarten"

Laut einer Recherche der "Zeit" haben in mehreren großen Museen jahrelang unerkannt Fälschungen gehangen. Viele davon gelangten als Schenkungen in die Häuser. DLF-Kulturredakteur Stefan Koldehoff meint, dass der Skandal gerade erst beginnt – und Experten wieder einmal eine ungute Rolle spielen.

Stefan Koldehoff im Gespräch mit Antje Allroggen

"Die Journalisten" von Hannah Höch aus dem Jahr 1925. (dpa/picture alliance/Stephanie Pilick)
Bei einer Ausstellung der Dadaistin Hannah Höch 2007 in Berlin kam der Stein ins Rollen. Hier ihre Collage "Die Journalisten" von 1925. (dpa/picture alliance/Stephanie Pilick)
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*Aus redaktionellen Gründen wurde dieser Beitrag inhaltlich überarbeitet.

In mehreren Museen in Deutschland und Österreich haben nach Recherchen der Wochenzeitung "Die Zeit" offenbar jahrelang unerkannt gefälschte Werke gehangen – als Originale. Die Berlinische Galerie hat zwei davon bereits 2015 aus den Schauräumen ins Depot verbannt. Betroffen seien auch das Lehmbruck-Museum in Duisburg und die Albertina in Wien.

Die meisten dieser Werke werden Künstlern der russischen Avantgarde zugeschrieben – und lassen sich, so die "Zeit" – Recherche, zu einem Sammler und Händler mit Sitz in Düsseldorf und Berlin zurückverfolgen. Dessen Mutter war wegen Betrugs in Zusammenhang mit anderen gefälschten Kunstwerken schon in den 1970er-Jahren zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Zweifelhafte Herkunft

1990 ließ sie dann eine ganze Sammlung angeblicher russischer Kunstwerke im Auktionshaus Christie’s versteigern – an deren Echtheit und angeblicher Herkunft  aus dem Nachlass eines deutschen Galeristen – Experten bereits damals Zweifel hatten. Aus dieser Galeristen-Sammlung sollen auch verschiedene der zweifelhaften Werke in den Museen stammen. Bei einigen sei durch Materialuntersuchungen bereits herausgefunden worden, dass sie nicht aus der Zeit ihrer angeblichen Entstehung stammen können.

Der Sohn selbst sieht – wie er der "Zeit" über seinen Anwalt mitteilen ließ – keine Anhaltspunkte für Fälschungen. Unter anderem seien die Farbpigmente aus der Zeit nach der angeblichen Entstehung durch spätere Restaurierung durch Dritte bzw. Werkergänzung durch den Künstler erklärbar. Dem allerdings widersprechen einige Gutachten.

Museen  zu unvorsichtig

Deutschlandfunk-Kulturredakteur und Fälschungsexperte Stefan Koldehoff sagt, ihn wundere vor allem, dass es den Recherchen zufolge "offenbar über einen sehr, sehr langen Zeitraum gelungen ist, sehr, sehr systematisch nicht nur Privatsammler, wie das ja sonst meist der Fall ist, sondern tatsächlich öffentliche Museen – in Berlin, in Duisburg, in Wien – übers Ohr zu hauen. Und von denen müsste man eigentlich schon erwarten, dass sie die entsprechende Vorsicht walten lassen: sorgfältig prüfen, bevor sie Schenkungen, Stiftungen oder Ankäufe tätigen."

Wahrscheinlich sei die Zahl der Fälschungen in den Museen überschaubar, so Koldehoff. Und dort sei auch leicht zu überprüfen, wer welches Werk angekauft oder geschenkt bekommen habe. In der "Berlinischen Galerie" gehe es um 15 bis 18 Arbeiten.

Unklare Rolle des ehemaligen Direktors

Anders sehe das aber bei möglichen geschädigten Privatsammlern aus; bei jenen zum Beispiel, die bei der Auktion 1990 möglicherweise Fälschungen gekauft haben: "Man weiß nicht, wo die Werke aus der Auktion alle hingegangen sind. Bei den Privatleuten kommt wieder die Scham dazu und die Frage: Wollen wir das tatsächlich veröffentlichen?" Auch die Rolle des ehemaligen Direktors der Berlinischen Galerie, Jörn Merkert, ist laut Koldehoff noch ungeklärt. Für einige Schenkungen habe er Spendenbescheinigungen ausstellen lassen.

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